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Wrestlemania: Prügelfest für die Show-Ekstase

Am Wochenende steigt in Phoenix die Wrestlemania, Amerikas größte Sportveranstaltung nach dem Superbowl. Schwitzende Muskelprotze in grellen Kostümen dreschen dann wieder aufeinander ein. Die Fans kommen in Scharen - sie lieben die Mischung aus Kampf und Unterhaltung.

Von Felix Haas

Wenn "America The Beautiful" ertönt und sich halbnackte Muskelprotze in neon-schillernder Unterwäsche im Ring begegnen, wenn sich Tausende Fans auf den Straßen in bunte Kostüme werfen und lautstark Kampfschreie von sich geben, dann steht halb Amerika Kopf: An diesem Sonntag steigt in Phoenix, Arizona, das größte Wrestling-Event der Welt, die Wrestlemania. Knapp 70.000 Zuschauer im Stadion und Millionen von Anhängern vor den Fernsehern werden das Show-Spektakel live verfolgen.

Wrestling hat seine ganz eigene Faszination. Eine eigene Geschichte. Vor allem in den 80er Jahren schwang sich Wrestling auf, unzählige Wohnzimmer auf der ganzen Welt zu erobern. Ein spektakulärer Sport, der archaische und moderne Kämpfe mit Geschichten und Dramen verknüpft. Das begeistert die Menschen. Seitdem schart Wrestling eine solide Fangemeinde um sich. Einige tausend Euro blättern Hardcore-Fans für einen Trip zur Wrestlemania in die Wüste von Arizona hin. Dabei sein ist alles, dabei sein bei dem verrücktesten Sportevent des Jahres. "Wrestlemania ist die größte Veranstaltung im Kalender eines Wrestlingfans, und jeder Fan wird einschalten", sagen Jannik Böge und André Garbotz, Administratoren der Wrestling-Newsseite wrestling-infos.de.

Sympathische Helden und verhasste Bösewichte

Hinter dem Sport steckt mittlerweile ein gigantisches Geschäft. Das Unternehmen World Wrestling Entertainment (WWE) erwirtschaftet im Jahr mehr als eine halbe Milliarde Euro Nettoumsatz. Catchen, wie Wrestling in Deutschland auch genannt wird, eignet sich durch die inszenierte Dramatik hervorragend für Videospiele, Filme und Fanartikel – die bei der Fangemeinde schnell Kultstatus erlangen und sich dementsprechend gut verkaufen.

Auch am 28. März in Phoenix wird die Show wieder perfekt inszeniert sein. Die Fights der großen Stars wie Chris Jericho, Edge, The Undertaker, Randy Orton, Triple H oder Rey Mysterio werden in Geschichten um sympathische Helden und verhasste Bösewichte eingebettet sein. In Fankreisen hofft man nach der eher mauen Ausgabe Wrestlemania 25 wieder auf eine bessere Show. "Man hat das Gefühle, dass dieses Jahr etwas Wiedergutmachung betrieben werden soll", glaubt Böge, "man kann mit der besten Wrestlemania aller Zeiten rechnen". Zahlreiche Highlights sollen den Fans geboten werden. Unter anderem ein Kampf des milliardenschweren Besitzers der WWE, Vince McMahon.

Wrestlemania ist Unterhaltung in seiner reinsten Form. Alles, was der Show dient, ist erlaubt: "False Finishes", in dem sich ein vermeintlich geschlagener Wrestler doch noch einmal aufmacht, seinen Kontrahenten mit letzter Kraft zu besiegen. Oder Angriffe wie der "Chair Shot", die beliebte Attacke mit einem Klappstuhl. Die Fans fiebern mit ihren Helden mit und wünschen sich das größtmögliche Spektakel, mit den spektakulärsten Attacken und Wendungen. Dabei identifizieren sich die Fans mit ihren Helden im Ring. "Gerade um die Wrestlemania herum mobilisieren sich alle Fans im deutschsprachigen Raum. Sie wollen sich vor allem über die Geschichten ihrer Lieblingsfiguren informieren", weiß Böge.

50 Millionen Dollar für die Stadtkasse

Die erste Wrestlemania fand 1985 im New Yorker Madison Square Garden statt. Damals war Hulk Hogan der große Superstar. In Phoenix freut man sich, endlich auch einmal das größte Wrestling-Event der Welt ausrichten zu dürfen. Vor allem finanziell dürfte die Wrestlemania ein Segen für die klamme Stadt sein, spült der Event doch bis zu 50 Millionen Dollar in die Stadtkassen, mehr als beispielsweise das Allstar-Spiel der Nordamerikanischen Basketballliga (NBA). WWE-Besitzer McMahon drückte seine Freude über den Ausrichtungsort so aus: "Phoenix war schon immer ein großartiger Markt für uns, wir fühlen uns also sehr willkommen."

Seitens der Stadt und der WWE ist also alles angerichtet für das große Spektakel. Nun warten die Fans nur noch auf den Namen des alljährlichen Musik-Stars, der zur Eröffnung das patriotische Herz in die Hand nimmt und wie einst Aretha Franklin oder Kid Rock die ersten Zeilen der inoffiziellen amerikanischen Nationalhymne "America The Beautiful" anstimmt. Gerüchten aus der Szene zufolge sollen sich die Veranstalter händeringend um Lady Gaga bemühen. Die schrille, neue Popqueen inmitten der harten, muskelbepackten Wrestling-Freaks, das hätte was.

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