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Springreiten: Was das Hamburger Derby so besonders macht

Seit vielen Jahrzehnten ist das Hamburger Derby ein Klassiker im Pferdesport und lockt jedes Jahr um Himmelfahrt viele Zuschauer an. Nach dem CHIO in Aachen ist es das bedeutendste Turnier in Deutschland. Doch Tradition allein reicht nicht, um zu bestehen.

Springreiten: Der Deutsche Thomas Heineking wirft beim Hamburger Derby die Stangen an

Beim Hamburger Derby schaffen es nur wenige Reiter fehlerfrei ins Ziel. Der Deutsche Thomas Heineking scheitert hier am berüchtigten "Pulvermanns Grab" .

Der Parcours ist legendär, das Turnier geschichtsträchtig, dazu gibt es sehr viel Geld: Das traditionsreiche Spring- und Dressur-Derby in bewegt sich schon seit Jahren zwischen Kult und Kommerz. Bislang hält sich der Klassiker im weltweiten Verdrängungswettbewerb der Millionen-Turniere weltweit.

Vor allem dank der Global Champions Tour und ihres Ablegers, des Team-Wettbewerbs Global Champions League. Das Gesamtpreisgeld für das von Mittwoch bis Sonntag dauernde Derby- von 1,4 Millionen Euro wäre ohne die Millionen-Serien nicht möglich, der Etat von etwa 3,5 Millionen Euro ebenfalls nicht. Wie schon 2016 und 2017 soll auch in diesem Jahr die Marke von 90.000 Besuchern durchbrochen werden.

Was ist die Global Champions Tour?

Sie ist die höchstdotierte Serie des Pferdesports und wurde 2006 vom Niederländer Jan Tops gegründet. Die Summe der Prämien stieg in diesem Jahr nach Angaben der Veranstalter von 23 auf 35 Millionen Euro. Statt zuletzt 15 Stationen sind es in dieser Saison 17 Turniere. Neben Hamburg ist Berlin wie 2017 die zweite deutsche Station. Neu ist ein Final-Turnier in Prag im Dezember. In diesem Jahr ist die Serie zum elften Mal Bestandteil des Derby-Turniers. Das Springen am Samstag ist mit 300.000 Euro dotiert.

Was ist die Global Champions League?

Diesen Team-Wettbewerb gibt es seit 2016. Er ist Teil der Champions Tour. In Hamburg findet er zum dritten Mal statt. Nach langem Hin und Her erkannte der Weltverband FEI die Champions League im Januar 2017 offiziell an. Anders als bei Nationenpreisen starten multinationale Teams. Insgesamt gibt es 19 Equipen mit fantasievollen Namen wie Shanghai Swans oder Madrid in Motion. Zu den Teams gehören fünf Reiter, zwei dürfen pro Springen starten. Viele deutsche Topreiter wie Marcus Ehning oder Christian Ahlmann starten für eines der Teams und richten ihren Turnierkalender nach der Tour aus. 

Reiter Gerald Nothdurft mit seinem Pferd Amazing am Wall beim Derby in Hamburg

Das Spring-Derby in Hamburg gilt als der schwerste Parcours der Welt

Picture Alliance

Welche Bedeutung hat die Global Champions Tour für das Derby in Hamburg?

Ohne die Millionen-Serie gebe es das Turnier im feinen Klein Flottbek in dieser Form nicht. Es wäre wahrscheinlich nur noch eine Veranstaltung von nationaler Bedeutung. "Es ist eine perfekte Symbiose", meinte Turnierchef Volker Wulff zu der Konstellation von Kult und Kommerz. "Wo gibt es sonst zwei hippologische Highlights an einem Wochenende am selben Ort?" Die Global Champions Tour lockt mit ihrem Geld die Reiter-Elite in die Hansestadt. Prominente Starter gibt es im eigentlichen Derby am Sonntag mit seinen speziellen Anforderungen aber kaum noch.

Was macht das deutsche Spring-Derby so einmalig?

Eindeutig der Parcours. Er ist der Star. Seit der Kurs 1920 vom Kaufmann und Springreiter Eduard F. Pulvermann entworfen wurde, ist er nahezu unverändert geblieben. Die Strecke ist circa 1230 Meter lang, rund dreimal so lang wie in einer normalen Prüfung. Insgesamt müssen Pferd und Reiter 17 Naturhindernisse überwinden. Das Springen am Sonntag ist mit 120.000 Euro dotiert.

In den bisherigen 88 Auflagen gab es 154 Nullfehlerritte. Im vergangenen Jahr gelang dies gleich drei Paaren. Im Stechen setzte sich überraschend der für Slowenien startende gebürtige Argentinier Pato Muente mit seiner Stute Zera durch. Im Jahr zuvor hatte der Ire Billy Twomey mit Diaghilev als erster ausländischer Reiter nach 19 Jahren im Derby triumphiert. Das Traditionsspringen ist Teil der Riders-Tour, einer nationalen Serie mit sechs Stationen. 


sve / DPA

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