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Tour de France: Ein Skandälchen zum Abschluss

Alberto Contador ist der Sieger der diesjährigen Tour de France. Für Aufregung sorgten bei der letzten Etappe des Radrennes aber andere: Lance Armstrong und seinen Teamkollegen wurde sogar mit Disqualifikation gedroht.

Alberto Contador umarmte seinen Konkurrenten Andy Schleck und gönnte sich auf der "Tour d'Honneur" - wie es sich gehört - ein Glas Champagner. Lance Armstrong sorgte bei seinem Adieu für einen Eklat: Der Texaner erschien zur letzten Etappe der 97. Tour de France mit einem irregulären Trikot und riskierte seine Disqualifikation. Auch Contadors dritter Triumph nach 2007 und 2009 hatte einen faden Beigeschmack. Der Spanier gewann die Rundfahrt mit jenen 39 Sekunden Vorsprung vor Schleck, die er bei seinem Gaunerstück in den Pyrenäen herausgeholt hatte.

"Es war eine sehr schwere Tour. Es war psychologisch sehr schwierig und ich habe sehr gelitten", sagte Contador bei der Siegerehrung im Schatten des Triumphbogens. "Es ist ein ganz besonderer und sehr emotionaler Sieg für mich." Der 27-Jährige gab seinen berühmten Pistolero-Schuss ab, streckte die Arme von sich und blickte erleichtert in den Himmel von Paris.

Mark Cavendish holte sich den Tagessieg

Auf der 20. Etappe über 102,5 km von Longjumeau nach Paris schlug noch einmal die große Stunde der Sprinter. Der Brite Mark Cavendish holte sich auf den Champs Elysees seinen fünften Tagessieg vor Alessandro Petacchi und Julian Dean aus Neuseeland. Das Grüne Trikot des besten Sprinters gewann Petacchi als erster Italiener seit 1968.

Der große Sieger war allerdings erneut Contador, der den jungen Luxemburger Schleck wie im Vorjahr auf Platz zwei verwies. Die 39 Sekunden bedeuteten allerdings den viertknappsten Ausgang in der Geschichte der Tour. Der drittplatzierte Russe Denis Mentschow lag 2:01 Minuten hinter Contador. "Andy wird in den nächsten Jahren mein härtester Rivale sein. Das wird ein spannendes Duell", sagte Contador.

Armstrong lief im Sondertrikot auf

Zu Beginn des Schlussakkords fühlte sich der geschlagene Lance Armstrong noch einmal wie zu alten Zeiten. Alle Kameras waren auf den 38-Jährigen und sein RadioShack-Team gerichtet. Um sportliche Erfolge ging es bei dem Bohei nicht, sondern um Armstrongs mögliche Disqualifikation. Der einstige Patron und seine Teamkollegen waren zum neutralen Start in Longjumeau in Sondertrikots von Armstrongs Krebsstiftung Livestrong erschienen. Laut Reglement dürfen die Fahrer nur das offiziell angemeldete Trikot ihres Teams tragen. Ein Wechsel innerhalb eines Rennens ist verboten.

Erst als die Jury mit einer Disqualifikation drohte, hatten die Fahrer ein Einsehen und wechselten die Trikots. Die Fahrer, zu denen auch Andreas Klöden zählte, hielten an und wechselten zum Ärger der Tour-Organisatoren in aller Ruhe ihre Startnummern. Erst Minuten nach dem scharfen Start nahm Armstrong ebenfalls das Rennen auf.

Doch auch nach seinem endgültigen Abschied von der Tour wird Armstrong weiterhin im Rampenlicht stehen, wenn auch nicht so, wie er es mag. Denn bei seiner Rückkehr nach Amerika erwartet den "Boss" eine Tour durch die Gerichtssäle. Chef-Ermittler Jeff Novitzky will Armstrong wegen Betrugs und Verschwörung im früheren Team US Postal auf der Anklagebank sehen.

Die deutschen Profis enttäuschten

Obwohl die Tour nach 3641,4 km zum zweiten Mal in Folge ohne Dopingfall zu Ende ging, ist der Radsport noch lange nicht über den Berg. "Ohne naiv zu sein, bleibt festzuhalten, dass der Radsport große Anstrengungen unternommen hat. Das zahlt sich jetzt aus", sagte Tour-Direkor Christian Prudhomme.

Die deutschen Profis enttäuschten bei dieser Tour. Tony Martin verpasste im Zeitfahren am Samstag wie schon im Prolog einen Etappensieg und musste sich als Zweiter erneut dem Schweizer Fabian Cancellara geschlagen geben. "Ich habe in der Vorbereitung Fehler gemacht", gestand Martin ein: "Mein langfristiges Ziel für die nächsten vier, fünf Jahre bleibt es aber, unter die besten Fünf zu fahren." Erstmals seit fünf Jahren ging die Tour ohne deutschen Tagessieg zu Ende. Martin, der aufopferungsvoll kämpfende Jens Voigt und der nimmermüde Sprinter Gerald Ciolek zählten zu den wenigen Lichtblicken.

SID / SID

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