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Was mich bewegt: Blatters spätes Geständnis

stern-Autor Andreas Hoidn-Borchers zeigt sich besorgt über die WM 2022 in Katar. Das Klima: Viel zu heiß zum Fußball spielen. Fifa-Boss Blatter gehe es nur um seine Wiederwahl.

Zu den Kulturtechniken, die ein Mensch heute neben dem Bedienen von Hintertorkameras unbedingt beherrschen sollte, gehört der Umgang mit Suchmaschinen. Man kann dabei in kürzester Zeit die erstaunlichsten Dinge herausfinden. Ich zum Beispiel habe die Begriffe "Katar" und "Klima" eingetippt und nach wenigen Sekunden gelernt: Dort wird es im Sommer echt warm, ach was: heiß, schweineheiß. Es ist eine für Fußballweltmeisterschaften denkbar ungeeignete Gegend. Man möchte da nicht mal Arjen Robben aufs Feld schicken.

Das war der Fifa durchaus bewusst, als sie die WM 2022 vergab. Googeln können sie in dem Laden auch. Nach Jahren räumt Fifa-Boss Joseph Blatter nun "Fehler" ein und raunt über "politischen Druck" aus Deutschland und Frankreich. Den mag es gegeben haben. Ich finde Blatter trotzdem peinlich. Und heuchlerisch. Ihm geht es nur um seine Wiederwahl. Wie es den Sportlern ergeht, hat die Funktionäre noch nie interessiert. Sonst dürfte im Juni auch nicht in Manaus gespielt werden.

Menschenrechte? 2018 richtet Russland die WM aus. Es geht immer um Geld, um wirtschaftliche und politische Interessen, wenn über Austragungsorte entschieden wird. Mich ärgert das, aber die Spiele werde ich mir dennoch angucken, wie immer. Vielen Fans geht es so. Ein bisschen Blatter sind wir alle. Außerdem: Es hätte schlimmer kommen können. Katar wird die WM wenigstens hinkriegen. Bei Berlin wäre ich mir da nicht so sicher.

Die Kolumne "Was mich bewegt" ...

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Andreas Hoidn-Borchers

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