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Erwartungen für 2004: Positive Stimmung im Kunsthandel

Mit gemäßigtem Optimismus gehen die führenden Londoner Auktionshäuser ins nächste Jahr. Die Risikobereitschaft der Käufer von Kunst, Möbeln und Antiquitäten steigt ebenso wie deren Sachkunde.

Nach einem schwierigen Jahr, das von Zurückhaltung und Unsicherheit wegen des Irak-Konflikts gekennzeichnet war, blickt der internationale Kunstmarkt mit gemäßigtem Optimismus in die Zukunft. In den führenden Londoner Auktionshäusern wird sogar die Hoffnung geäußert, 2004 wieder in die Wachstumszone zurückzukehren. "Trotz allem, was passiert ist, hat sich das Vertrauen in den Markt behauptet. Wir sehen Anzeichen einer langfristigen Stabilisierung", sagt Charles Cator, Vorstandsmitglied von Christie's. Der Optimismus gründet sich in erster Linie auf durchgehend hohe Verkaufsquoten bei den angebotenen Objekten - von bis zu 90 Prozent in allen Auktionsbereichen von Kunst über Möbel und Antiquitäten. Auch die zunehmende Sachkenntnis der Interessenten wird betont. "Der Sammler zeigt Leidenschaft und will in erster Linie Qualität", sagt Catherine Fenston, Sprecherin von Christie's. "Das obere Ende des Marktes bleibt extrem stark. Die nachteilige Wirtschaftsentwicklung macht sich dort kaum bemerkbar."

Die Risikobereitschaft steigt wieder

Ähnlich wird die Entwicklung von Will Bennett, dem Kunstexperten des 'Daily Telegraph', eingeschätzt: "Anfang des Jahres hatten die großen Auktionshäuser noch Probleme damit, wegen des Irak-Konflikts nervös gewordene Kunstbesitzer zum Verkauf zu überreden. Inzwischen hat sich die Stimmung gelockert. Die Börsenerholung hat das ihrige dazu getan, die Risikobereitschaft zu fördern." Bei Christie's war der Umsatz im ersten Halbjahr 2003 im Vergleich zum Vorjahr um 4,2 Prozent auf 947 Millionen Dollar (775 Mio Euro) gesunken, beim Konkurrenzhaus Sotheby’s um 3,4 Prozent auf 166,7 Millionen Dollar (136 Mio Euro). Die Jahreszahlen 2003 liegen noch nicht vor.

Hohes Niveau heiß umkämpft

Das anhaltende Interesse der Käufer an Qualität manifestiert sich nach Einschätzung von Christie's und Sotheby's besonders in den Bereichen Impressionismus, Klassische Moderne, Nachkriegs- und Gegenwartskunst. So erzielte Christie’s bei seiner Herbstauktion in New York einen Erlös von 223,5 Millionen US-Dollar (190 Mio Euro). Zu den dort versteigerten herausragenden Werken zählten Vincent Van Goghs Gemälde 'Le Pont de Langlois á Arles', das für fast sieben Millionen Euro zugeschlagen wurde. Überragende 22 Millionen Euro brachte das Gemälde 'Nu couché' von Amedo Modigliani. Bei Sotheby's stach in New York unter anderem Gustav Klimts 'Landhaus am Attersee' heraus, das für 24 Millionen Euro den Besitzer wechselte. "Die besten Werke werden von den Bietern heiß umkämpft. Aber alles, was als unter dem Niveau liegend eingestuft wird, findet kaum Beachtung", kommentierte Bennett die Herbstauktionen in New York.

Trend: Ungewöhnliche Angebote

Nach Angaben von Fenston hat das Jahr 2003 gezeigt, dass ein breites Angebot Interesse findet. "Wir erleben zunehmend einen Kunstliebhaber, der zusammen mit dem Gemälde auch noch gleich den Wein oder das Silber für den Esstisch ersteigert." Ein weiterer Trend seien Auktionen mit einzigartigen, ungewöhnlichen Angeboten, zum Beispiel die Versteigerung von Teilen eines Concorde Überschall-Flugzeugs in Paris. Dort wurde allein für die berühmte Bugnase des legendären Flugzeugs der unerwartet hohe Preis von 407.000 Euro gezahlt. Die gesamte Auktion, auf der alle 219 Objekte einen Abnehmer fanden, brachte laut Christie's einen Erlös von 3,2 Millionen Euro. Der Trend zu solchen Versteigerungen unterstreiche die wachsende Vielfalt des Auktionsmarktes.

Der Kunstmarkt ist widerstandsfähig

Auch für 2004 hofft Christie's auf ein "viel versprechendes Geschäft." "2003 war ein starkes, solides Jahr. 2004 wird kaum große Profitsprünge bringen", sagte Fenston und fügte hinzu: "Der Kunstmarkt ist und bleibt ein guter Platz für die Geldanlage". Auch Sotheby's schaut nach einem Umsatzrückgang (um 15 Prozent im zweiten Quartal 2003) optimistisch in die Zukunft. Die "Widerstandfähigkeit" des Kunstmarktes habe sich auch unter unvorhersehbaren Bedingungen bewährt, erklärte Sotheby's-Präsident Wiliam F. Ruprecht. Dies gelte auch in seinem Haus insbesondere für die impressionistische Werke und moderne Kunst. "Die Nachfrage nach frisch auf den Markt gekommenen Kunstwerken von hoher Qualität ist so kräftig wie je, trotz der Herausforderungen des gegenwärtigen globalen wirtschaftlichen und politischen Klimas".

Anna Tomforde / DPA