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Blockupy-Proteste: Randale und brennende Autos vor EZB-Eröffnung

Zur Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank wollten die Demonstranten eigentlich friedlich bleiben. Doch schon in der Nacht begannen die Krawalle und Unbekannte zündeten ein Polizeiauto an.

Massiver Gewaltausbruch in Frankfurt: Begleitet von Angriffen auf Polizeibeamte und Blockadeaktionen hat am frühen Mittwochmorgen der Aktionstag des kapitalismuskritischen Blockupy-Bündnisses gegen die europäische Krisenpolitik begonnen. Mit Protesten soll die Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank begleitet werden. Es habe an mehreren Stellen Angriffe auf Polizisten gegeben. Sieben Polizeiautos wurden angezündet und gingen in Flammen auf. Vermummte Demonstranten wurden beim Weglaufen gesehen.

Sie attackierten auch Feuerwehr und Straßenbahnen mit Steinen. Die Feuerwehr sei dadurch am Löschen gehindert worden. Sie rief die Demonstranten auf, die Löscharbeiten nicht zu behindern. "Bitte lasst unsere Einsatzkräfte in Ruhe und ihre Arbeit machen!", appellierte die Feuerwehr über Twitter.

Auch eine Demonstrantin wurde verletzt. Die Polizei wirkte nach Augenzeugenberichten von der Heftigkeit der Gewalt überrascht. Sie setzte Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein. "Ausschreitungen machten den Wasserwerfereinsatz erforderlich", twitterte die Frankfurter Polizei.

Aktivisten blockierten die zentrale Flößerbrücke über den Main und den Ratswegskreisel, einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Osten der Stadt. An mehreren Stellen wurden den Angaben zufolge Mülltonnen in Brand gesetzt. Im Frankfurter Westend wurden in der Nacht Autos angezündet. Unbekannte legten 30 Krähenfüße aus.

Eisenspitzen auf der Straße

Die Polizei vermutet in beiden Fällen einen Zusammenhang mit den Blockupy-Protesten. "Da auch Scheiben einer Immobilienfirma eingeschlagen wurden und vermummte Personen gesehen wurden, gehen wir davon aus, dass diese Verbindung besteht", sagte ein Polizei-Sprecher am frühen Mittwochmorgen.

Die Krähenfüße seien nach Einschätzung der Polizei auf der Straße verteilt worden, um Einsatzkräfte zu behindern. Den Zusammenhang zum 18. März, dem Protesttag, stellte die Polizei auch in einem Tweet her: "Krähenfüße aus der Feldbergstraße heute Nacht. Verhindert, dass Straftäter eure Inhalte untergraben. #m18 #18M."

"Die Atmosphäre ist aggressiv", sagte Polizeisprecherin Claudia Rogalski. Im Frankfurter Ostend, wo die EZB ihren Sitz hat, gab es kaum eine Straßenkreuzung, an der nicht Mülltonnen, Autoreifen oder Fahrzeuge brannten. Demonstranten versuchten, das weiträumig abgesperrte Gelände der EZB zu stürmen, wurden aber von der Polizei gestoppt.

"Wir haben mit Gewalt gerechnet, wir haben ausreichend Kräfte im Einsatz", sagte die Polizeisprecherin. "Dass es so schnell kommt - ich hätte auch gewünscht, dass es anders gekommen wäre."

Bis zu 9000 Beamte im Einsatz

Friedvoll blieb zunächst die Mahnwache von Kapitalismusgegnern in der Nähe der Europäischen Zentralbank. Am Vormittag will die EZB ihre neue Zentrale im Osten der Stadt mit einem kleinen Festakt offiziell eröffnen. Das Blockupy-Bündnis hatte angekündigt, friedlich zu bleiben, aber die Eröffnungsfeier und den Arbeitsalltag der rund 2600 EZB-Beschäftigten mit Blockaden und Aktionen des zivilen Ungehorsams zu verhindern.

Die schon vor einiger Zeit bezogene neue EZB-Zentrale im Stadtteil Ostend ist deshalb seit Montag wie eine Festung gesichert. Eine Sperrzone mit Gittern und Nato-Draht ist eingerichtet. Zwischen 5000 und 9000 Beamte aus ganz Deutschland sind im Einsatz, hinzu kommen noch rund 700 Bundespolizisten.

Die Eröffnungsfeier selbst ist in kleinerem Rahmen geplant. Neben EZB-Präsident Mario Draghi werden Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann als Redner erwartet.

10.000 Demonstranten im Berufsverkehr

Der DGB hat für den Mittag (12 Uhr) zu einem Demonstrationszug zum EZB-Gelände aufgerufen. Der Protest richte sich gegen die Politik der EZB in Südeuropa. Den in Schwierigkeiten geratenen Ländern müssten Investitionen zugesagt werden, anstatt sie weiter auszupressen, sagte der Frankfurter DGB-Vorsitzende Harald Fiedler. Wie viele Teilnehmer kommen werden, sei nicht vorherzusehen - es könnten 200 oder auch 2000 werden.

Deutlich größer soll die Hauptdemonstration von Blockupy werden. Veranstalter und Polizei rechnen mit rund 10.000 Demonstranten, die im Berufsverkehr am Nachmittag (17 Uhr) durch die Innenstadt ziehen wollen. Zuvor werden bei einer Kundgebung (14 Uhr) unter anderem die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht, der Mitbegründer der spanischen Protestpartei Podemos, Miguel Urban, der Kabarettist Urban Priol und die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein erwartet.

mka/DPA / DPA