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"2010-Problem": Sparkassen können Karten-Umtausch vermeiden

Das "2010-Problem" bei Giro- und Kreditkarten wird allmählich gelöst. Zumindest können die Sparkassen einen Umtausch von 20 Millionen Karten dank einer Software-Aktualisierung vermeiden. Obwohl es in Geschäften und Restaurants weiterhin Probleme gibt, will der Handelsverband keinen Schadenersatz fordern.

Die Sparkassen können nach eigenen Angaben einen Umtausch von Millionen fehlerhafter Giro- und Kreditkarten vermeiden. Durch ein Software-Update an ihren bundesweit rund 25.000 Geldautomaten solle der Fehler auf den mehr als 20 Millionen betroffenen Karten der Sparkassen und Landesbanken behoben werden, teilte die Dachorganisation der Institute, DSGV, am Donnerstag mit. Damit werde ein vollständiger Kartenaustausch unnötig. Eine solche Aktion hätte mehrere Monate gedauert.

Das Geldabheben mit EC-Karten klappt unterdessen noch immer nicht an allen Geldautomaten in Deutschland. Die Nutzung der Geräte sei im Inland aber "wieder weitgehend möglich", teilte der Zentrale Kreditausschuss (ZKA), die Dachorganisation der deutschen Banken und Sparkassen, am Donnerstag in Berlin mit. Die Fehlfunktion wird bei den Geräten im Inland werde "voraussichtlich bis Montag" vollständig behoben sein.

Einzelhandel will keinen Schadenersatz fordern

Die Störungen treten seit dem Jahreswechsel auf. Ursache ist ein Programmierfehler in den Mikrochips von rund 30 Millionen EC- und Kreditkarten, der zu einem Problem bei der Verarbeitung der Jahreszahl 2010 führt. Dem Vernehmen nach haben zwei große deutsche Banken noch Schwierigkeiten, ihre Geldautomaten so umzuprogrammieren, dass diese die Karten mit dem Problemchip wieder akzeptieren. Ein Austausch aller betroffenen Karten könnte die Banken bis zu 300 Millionen Euro kosten. Branchenkenner veranschlagen fünf bis zehn Euro je Karte für Rückruf und Austausch.

Noch nicht funktionstüchtig waren am Donnerstag Zehntausende Kartenterminals in Geschäften und Restaurants. Der Einzelhandel befürchtet deshalb Umsatzeinbußen. Er will aber wegen der derzeitigen Panne keinen Schadenersatz von der Kreditwirtschaft fordern. Das sei schon deswegen nicht möglich, weil es keine Verträge zwischen Händlern und Geldinstituten gebe, sagte der Zahlungsexperte des Handelsverbands Deutschland (HDE), Ulrich Binnebößel.

Der HDE dringt allerdings darauf, dass Banken und Sparkassen künftig mit Ausfallgarantien und Schadenersatz geradestehen, wenn das elektronische Zahlungssystem nicht funktioniert. Dies sei bisher nicht der Fall. Die Kartenpanne habe "zu einer Verunsicherung der Verbraucher geführt, die manchen vom Einkaufen abhält", sagte der Sprecher des Landesverbandes des bayerischen Einzelhandels.

Für die Nutzung des Kartensystems schließen die Händler Verträge mit Netzbetreibern, die auch die Terminals zur Verfügung stellen, wie Binnebößel erläuterte. Diese Dienstleister erledigten die Abrechnung mit den Banken. Von den Händlern erhielten sie Mietgebühren für die Terminals sowie einige Cent für jede Buchung. Bei einem Systemausfall könnten die Einzelhändler deshalb allenfalls einen Teil der Mietgebühren zurückverlangen, aber selbst dies sei häufig per Klausel ausgeschlossen.

DPA/Reuters / DPA / Reuters