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Billigflieger: Condor steigt ins Billigflug-Geschäft ein

Die Condor heißt wieder Condor und fliegt jetzt billig. Dieses neue Konzept soll die ThomasCook-Tochter aus den roten Zahlen führen. Immerhin - als erste deutsche Fluggesellschaft bietet Condor auch auf Langstrecken Billigpreise an.

Die Urlauber in Deutschland dürfen sich die Hände reiben: Mit Kampfpreisen von 99 Euro für Langstreckenflüge nach Amerika, Afrika, Asien oder in die Karibik macht das Traditionsunternehmen Condor ab sofort den Billigfliegern Konkurrenz. Kurz- und Mittelstrecken beispielsweise nach Mallorca oder in die Türkei werden künftig ab 29 Euro angeboten, wie die Fluggesellschaft am Mittwoch in Frankfurt am Main mitteilte. Mit dem neuen Konzept will die angeschlagene Airline neue Geschäftsfelder erobern und aus den roten Zahlen heraus.

Rückkehr des alten Markennamens

Außerdem besinnt sich die Tochter des Reisekonzerns Thomas Cook auf ihren alten Markennamen: Condor heißt ab sofort wieder Condor. Die seit Jahren eingeführte Marke des Ferienfliegers war in den vergangenen Jahren weitgehend vom Markt verschwunden: Lediglich im Schriftzug "Thomas Cook powered bei Condor" tauchte der Name auf den Flugzeugen noch auf. Damit macht die neue Führung von Thomas Cook eine umstrittene Entscheidung des im November abberufenen Konzernchefs Stefan Pichler wieder rückgängig. Umfragen belegen, dass Condor stets einen höheren Bekanntheitsgrad als Thomas Cook hatte. Urlauber werden den vertrauten Namen nun wieder auf den Flugzeugen entdecken, die Maschinen werden nach und nach umlackiert.

"Mit dem neuen Konzept will Condor die Auslastung von heute 85 Prozent auf bis zu 90 Prozent steigern", erklärte Ralf Teckentrup, der im Thomas-Cook-Vorstand für Condor zuständig ist. Mindestens zehn Prozent der verfügbaren Plätzen sollen zu den Billigpreisen angeboten werden. In den nächsten Wochen stünden rund 40.000 Plätze in dieser Preiskategorie zur Verfügung. Die Flüge können nach Angaben Teckentrups in Reisebüros mit Condor-Agentur und online unter der neu gestalteten Internet-Seite www.condor.com gebucht werden.

Bordservice und Kinderermäßigung

"Wir brauchen Perspektiven", erklärte Teckentrup. "Deshalb setzen wir verstärkt auf das Einzelplatzgeschäft, das vor allem im Niedrigpreissegment ein unverändert hohes Wachstumspotenzial hat." Die Passagierzahl bei Condor war im Geschäftsjahr 2002/2003 um 23 Prozent eingebrochen.

Insgesamt drei Tarife bietet Condor künftig an. An die Schnäppchenjäger richten sich die Einstiegspreise ab 29 Euro beziehungsweise 99 Euro für das Einfach-Ticket. Auch in dieser Kategorie gibt es Kinderermäßigungen für Eltern sowie Bordservice, alkoholfreie Getränke, Zeitschriften und Unterhaltungsprogramme ohne Aufpreis. Condor könne die Niedrigpreise zudem von allen großen Flughäfen in Deutschland anbieten und sei auf Grund der Zugehörigkeit zum Lufthansa-Konzern in dessen innerdeutsches Zubringersystem eingebunden, sagte Teckentrup. "Das hat kein anderer Wettbewerber zu bieten."

Konzern verlangt Mehrarbeit

Der fürs Fluggeschäft zuständige Konzernvorstand strebt bis Ende 2005 eine Ergebnisverbesserung von insgesamt 240 Millionen Euro an. Dieses Ziel soll je zu einem Drittel durch Einsparungen bei den Sach- und Personalkosten sowie durch Ertragssteigerungen erreicht werden. Derzeit laufen Tarifverhandlungen zwischen Geschäftsführung und Gewerkschaften. Der Vorstand verlangt von den Mitarbeitern unbezahlte Mehrarbeit von bis zu 30 Prozent. Thomas Cook gehört jeweils zur Hälfte Lufthansa und KarstadtQuelle.

Michael Bauer, AP / AP / DPA