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Einkommen: Deutschlands Topmanagern auf den Lohnzettel geschaut

Die Topmanager der 30 DAX-Unternehmen verdienten 2002 im Schnitt 1,25 Millionen Euro - rund 100.000 Euro mehr als 2001. Das höchste Gehalt mit durchschnittlich 3,7 Millionen Euro pro Vorstand zahlte übrigens DaimlerChrysler.

DaimlerChrysler hat seinem Vorstand im vergangenen Jahr eine Gehaltserhöhung um 131 Prozent auf durchschnittlich 3,7 Millionen Euro gewährt. Damit belegt der Konzern unter den 30 Unternehmen im DAX den absoluten Spitzenplatz, wie die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Montag in Berlin berichtete. Im Durchschnitt verdienten die Vorstände in DAX-Unternehmen 2002 rund 1,25 Millionen Euro in bar, etwa 7,4 Prozent mehr als im Jahr davor. Hinzu kommen häufig Aktienoptionen.

Vorstandsgehälter internationales Mittelfeld

"Die Zahlen zeigen: Insgesamt sieht es nicht so dramatisch aus", betonte DSW-Geschäftsführerin Jella Benner-Heinacher. Im internationalen Vergleich lägen die deutschen Vorstandsgehälter im Mittelfeld. So werde in Frankreich und den Niederlanden bei den börsennotierten Spitzenunternehmen im Schnitt etwa eine Million Euro bezahlt. In England, der Schweiz und den USA lägen die Manager-Gehälter hingegen höher als in Deutschland.

Infineon zahlt am wenigsten

Hinter dem Spitzenreiter DaimlerChrysler folgen in der DSW-Übersicht der durchschnittlichen Vorstandsgehälter mit weitem Abstand die Deutsche Bank mit 2,06 Millionen Euro, Volkswagen mit 1,82 Millionen, Schering mit 1,71 Millionen und die Deutsche Telekom mit 1,68 Millionen Euro. Die Vorstandsvorsitzenden verdienen im Schnitt jeweils 1,75 Mal so viel wie das durchschnittliche Vorstandsmitglied. Am unteren Ende der Spitzengehälter liegen die DAX-Firmen MAN mit rund 535.000 Euro, Fresenius Medical Care mit rund 521.000 und Infineon mit 278.000 Euro.

Gehalt und Ergebnis klaffen oft krass auseinander

Die DSW kritisierte weniger die absolute Höhe der Gehälter oder die teils exorbitanten Steigerungsraten. Sie beklagte vielmehr, dass Gehaltssteigerung und Geschäftsergebnis teils krass auseinander klaffen. So habe etwa der Vorstand von BASF 2002 eine 41-prozentige Erhöhung auf knapp 1,5 Millionen Euro erhalten. Gleichzeitig brach das Geschäftsergebnis je Aktie aber um 73 Prozent ein, wie die Schutzvereinigung aufschlüsselte.

Größter Unterschied bei der Telekom

Bei der Deutschen Telekom verdienten die Vorstände mit 1,68 Millionen Euro immerhin noch 6,07 Prozent mehr als 2002, während das Ergebnis je Aktie um 530 Prozent absackte. Der Gehaltssprung für DaimlerChrysler-Vorstände relativiere sich hingegen, da das Geschäftsergebnis je Aktie um 352 Prozent zugelegt habe, rechnete Benner-Heinacher vor. Insgesamt stiegen nach ihren Angaben bei sieben Gesellschaften die Gehälter trotz fallender Betriebsergebnisse, bei 19 DAX-Unternehmen gingen Vorstandsgehälter und Ergebnis in die gleiche Richtung, bei vier weiteren fielen die Gehälter trotz besserer Ergebnisse.

Geheimniskrämerei beklagt

Nach wie vor betreiben 23 von 30 DAX-Unternehmen Geheimniskrämerei um die Bezüge ihrer Vorstände, wie die DSW beklagte. Nur sechs Firmen veröffentlichten die individuellen Bezüge. Schering informiere zumindest über das Gehalt des Vorstandschefs individualisiert. Die übrigen begnügten sich mit Sammelwerten für die Vorstandsgehälter. Hier berechnete die DSW das Durchschnittsgehalt anhand der Geschäftsberichte selbst.

DWS fordert mehr Transparenz

Die Daten wurden den Angaben zufolge den Unternehmen vorgelegt, die Korrekturen anmerken sollten. Von den 30 DAX-Firmen meldeten sich auch 28. Allerdings erklärten laut Benner-Heinacher zum Beispiel BASF und VW nur, die DSW-Zahlen seien falsch, nannten aber nicht die richtigen. Die Schutzgemeinschaft appellierte an alle DAX-Firmen, die Vorstandsgehälter genau und transparent aufzuschlüsseln. Nur so könnten sie die Aktionäre nachvollziehen.

DPA