Energie Yukos-Wirren treiben Ölpreis in die Höhe


Der Anstieg der Erdölpreise auf immer neue Höhen liegt unter anderm auch an den Folgen einer Verhaftung im weiten Sibirien vor einem Jahr. Seit der Verhaftung des Yukos-Bosses Chodorkowski tobt ein Verteilungskampf um seinen Konzern.

Am 25. Oktober 2003 nahm die Polizei den Boss des größten russischen Ölexporteurs Yukos, Michail Chodorkowski, in Nowosibirsk fest. Hinter den Kulissen tobt seitdem ein Verteilungskampf um Russlands Ölreserven. Bis heute hockt Russlands reichster Geschäftsmann in einer Zelle des Moskauer Untersuchungsgefängnisses "Matrosenstille". Der Multimilliardär muss sich vor Gericht wegen Unterschlagung von Staatseigentum, Betrug, Steuerhinterziehung sowie der Bildung einer kriminellen Vereinigung verantworten. Bei einer Verurteilung drohen Chodorkowski mehrere Jahre Gefängnis.

Yukos wurde zu mächtig

Russlands zeitweise größter Ölkonzern Yukos, der immerhin ein Fünftel der landesweiten Produktion fördert, war der Staatsmacht zu selbstständig geworden. Als der damalige Konzernchef Chodorkowski im Herbst 2003 mit einem Verkauf des vollständig privatisierten Konzerns an US-Ölmultis liebäugelte, zog der Kreml die Notbremse. Das aus Sicht von Kritikern äußerst selektive Vorgehen der Justiz gegen Yukos sowie dessen politisch ambitionierten Eigentümer Chodorkowski hat Russland weltweit viel Vertrauen gekostet.

Seit Monaten treiben Horrormeldungen über Steuernachforderungen in Milliardenhöhe gegen Yukos, Engpässe bei den Lieferungen an China und eine Zerschlagung des Konzerns die Ölpreise in die Höhe. Analysten widersprechen den Beteuerungen der russischen Regierung, wonach der Wirbel um Yukos der Ölproduktion keinen Schaden zufüge. "Unter normalen Bedingungen hätte Yukos viel mehr Öl gefördert", sagt Waleri Nesterow von der Investmentgesellschaft Troika Dialog. "Russland hätte damit einen größeren Beitrag zur Stabilisierung der internationalen Ölpreise geleistet."

Ende November droht endgültige Zerschlagung

Der Niedergang des modernsten Ölkonzerns in Russland ist ein Sterben auf Raten. Das Unternehmen hatte sich aufgrund gesperrter Konten bereits im August für "in Kürze" zahlungsunfähig erklärt. Spekulationen über Rettungsszenarien schossen ins Kraut und ließen den Kurs der Aktie Achterbahn fahren. Doch Yukos arbeitet immer noch. Ende November soll der wichtigste Förderbetrieb, Juganskneftegas, zwangsversteigert werden. Damit wäre der Konzern zerschlagen. Als aussichtsreichster Übernahmekandidat gilt der neuerdings auch im Ölgeschäft engagierte Staatskonzern Gazprom.

Für Branchenkenner keine Überraschung: Der Yukos-Fall ist für sie der eindeutige Beweis dafür, dass der Staat wieder die Kontrolle über den Rohstoffsektor erlangen will. Ausländische Investitionen sind in der Branche zwar weiterhin gern gesehen, aber nur für Minderheitsbeteiligungen. Ungeachtet der Yukos-Krise zahlte der US- Konzern ConocoPhillips Ende September umgerechnet 1,6 Milliarden Euro für einen 7-prozentigen Staatsanteil am Konkurrenten Lukoil.

Stefan Voß, dpa DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker