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Euro-Rettungsschirm Börsen-Euphorie schon verflogen


Ernüchterung an den Börsen, Streit in der Regierung: Das gigantische Euro-Rettungspaket sorgt weder an den Aktienmärkten noch in der Politik für Ruhe. Der Euro fällt. Die Ängste vor einer Inflation wachsen.

Das Kursfeuerwerk an den Börsen währte nur kurz: Zweifel an der dauerhaften Euro-Rettung verhinderten am Dienstag eine Fortsetzung der rasanten Aktiengewinne. Europaweit gehörten Bankentitel zu den Verlierern. Der deutsche Leitindex Dax schloss am Dienstag - trotz Einbußen im Tagesverlauf - aber leicht im Plus bei über 6000 Punkten. Händler begründeten dies mit guten Nachrichten aus den USA. Analysten rückten jedoch auch die gewaltige Schuldenlast der Euro-Zone und die Inflationsgefahren in den Blick. Der Euro geriet wieder unter Druck.

Das Kabinett billigte bei einer Sondersitzung den Gesetzentwurf für die deutschen Kreditgarantien zur Stabilisierung der Euro-Zone. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verteidigte das Hilfspaket gegen Kritik aus den eigenen Reihen. Für Unmut in der FDP sorgt die Zusage von Merkel in Brüssel, die Einführung einer Finanztransaktionssteuer zu prüfen. Generalsekretär Christian Lindner sagte: "Die Union schluckt eine Kröte zulasten von Sparern und Anlegern. Wir machen uns das nicht so leicht." CDU und CSU sind kompromissbereit. SPD, Grüne und Linke wollen die Steuer seit langem, um Spekulationen einzudämmen.

Deutschland bürgt für bis zu 150 Milliarden Euro

Der deutsche Garantie-Rahmen für Notkredite an klamme Euro-Länder beträgt maximal 123 Milliarden Euro. Er kann auf rund 148 Milliarden Euro steigen, wenn Länder nicht mitziehen, die selbst Hilfen gegen eine Pleite benötigen. Die Garantiezusagen sind auf drei Jahre befristet. "Bei unvorhergesehenem und unabweisbarem Bedarf kann die Garantieermächtigung mit Einwilligung des Haushaltsausschusses um 20 Prozent überschritten werden", heißt es im Gesetzentwurf.

Das Euro-Rettungspaket umfasst insgesamt Hilfen von bis zu 750 Milliarden Euro. Als erste Notfall-Hilfe können 60 Milliarden Euro der EU-Kommission sofort fließen. Reicht das Geld nicht, leisten die Euro-Staaten Kreditgarantien von bis zu 440 Milliarden Euro. Hinzu kommen Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF), der sich mit "mindestens der Hälfte der von europäischer Seite aufgebrachten Mittel" an Hilfen beteiligt.

Griechenland erhält erste Finanzspritze

Griechenland soll an diesem Mittwoch die erste Finanzspritze zur Rettung seiner Staatsfinanzen erhalten, sie umfasst 5,5 Milliarden Euro. Erwartet werden zwei Beiträge des IWF. Der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou drohte mit Rücktritt, falls sein Sparprogramm scheitert. "Wenn wir weitere Maßnahmen treffen müssen, würde dies bedeuten, dass ich gescheitert bin. Dann werde ich zurücktreten."

Der Konjunkturexperte des Münchner Ifo-Instituts, Kai Carstensen, sieht in dem Euro-Rettungspaket eine Zeitenwende: "Seit vergangenem Wochenende leben wir in einer neuen Welt", sagte er. Nun würden die schwächeren von den stärkeren Euro-Ländern gestützt. Diese Entwicklung lasse sich kaum zurückdrehen. "Wir bewegen uns auf eine Transferunion zu."

DPA DPA

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