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Geldanlage: Aktien auch für Kleinanleger interessant

Trotz der dauernden Kurseinbrüche - wie am Neuen Markt - können Aktien für Kleinanleger interessant sein.

Glücksspiel, Tollhaus oder Achterbahn - wer über die Börse spricht, hat schnell ein paar griffige Formulierungen parat. Der Kurseinbruch am Neuen Markt scheint den Skeptikern Recht zu geben. Doch trotzdem können Aktien für Kleinanleger interessant sein.

Fachleute wie Franz-Josef Leven vom Deutschen Aktieninstitut (DAI) in Frankfurt halten Aktien für eine »fast risikolose« Geldanlage. »Kleinaktionäre, die ihre Aktien vernünftig streuen, kommen im Durchschnitt auf eine Jahresrendite von zehn Prozent.«

Neueinsteiger, die sich durch die derzeit niedrigen Aktienkurse anlocken lassen, sollten sich allerdings an bestimmte Regeln halten. Die wichtigste davon lautet: nie Geld investieren, auf das man zur Not nicht auch verzichten kann. »Ich empfehle, nur Geld anzulegen, das man in den nächsten fünf Jahren nicht braucht«, sagt Leven.

Streuung bringt Sicherheit

Neben der finanziellen Sicherheit, die den Anleger auch bei schwachen Kursen nicht nervös werden lässt, ist es vor allem die Streuung der Aktien, die über den Erfolg an der Börse entscheidet. Nur wer in verschiedene Werte investiert, ist vor Kursrisiken halbwegs geschützt. Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf empfiehlt deshalb für den Einstieg eine Auswahl von vier bis fünf Unternehmenswerten. Leven hält die doppelte Zahl für angebracht.

Für Kleinanleger hat die Sache allerdings einen Haken. Je größer die Streuung des Depots ausfällt, um so höher muss das Startkapital sein. Ohnehin lohnt sich wegen der Handelsgebühren der Kauf von Aktien nur in größeren Paketen. Leven rechnet daher bei zehn Unternehmenswerten mit einem Finanzbedarf von 30.000 Mark.

Mit niedrigen Summen in Aktienfonds

Anleger, für die diese Hürde zu hoch ist, können dennoch vom Auf und Ab der Börsenkurse profitieren. Eine Möglichkeit ist die Beteiligung an einem Aktienfonds. Deren Rendite liegt im Durchschnitt zwar knapp unter dem Gewinn einer Direktanlage. Im Gegenzug bietet ein Fonds jedoch Vorteile: So können Anleger mit niedrigen Summen einsteigen und ihre Fondsanteile in kleinen Schritten erhöhen. Höher ist das Risiko allerdings bei so genannten Themenfonds, die sich auf bestimmte Börsensegmente wie den gegenwärtig arg gebeutelten Neuen Markt konzentrieren.

Wer mehr dem eigenen Kopf als dem Geschick der Fondsmanager vertraut, kann sich auch einem der vielen Investmentclubs anschließen, die nach dem Prinzip der Spiel-Gemeinschaft funktionieren: Die Mitglieder legen ihr Geld zusammen und entscheiden gemeinsam über Investitionen.

Grundsätzlich raten Experten, sich als Kleinanleger auf Standardwerte zu konzentrieren. Dies sind Unternehmen aus dem Dax oder M-Dax. »Zum einen bieten diese Werte eine gewisse Sicherheit«, sagt DSW-Sprecherin Petra Krüll, »zum anderen ist man auch als Kleinanleger immer gut über die aktuellen Entwicklungen informiert.«

Aktien liegen lassen

Neueinsteigern rät Volkswirt Franz-Josef Leven, zehn Unternehmen aus zehn verschiedenen Branchen auszuwählen: »Die Aktien streuen und liegen zu lassen, das ist für den Privatanleger die beste Strategie.« Von häufigen Zu- und Verkäufen rät Leven hingegen ab: »Der Gewinn von Kleinanlegern fällt um so niedriger aus, je häufiger sie ihr Aktiendepot umschichten.« Dies liegt daran, dass der Privatmann nicht selbst mit Aktien handeln kann, sondern die Hilfe einer Bank in Anspruch nehmen muss. Banken verlangen jedoch nicht nur für das Führen des Aktiendepots eine Gebühr, sondern auch für jedes einzelne Aktiengeschäft.

Beratung bleibt wichtig

Günstiger in diesem Punkt sind Direkt-Banken und so genannte Discount Broker im Internet. »Der unerfahrene Anleger sollte jedoch bedenken, dass Direkt-Banken in ihren Geschäftsbedingungen die Beratung in der Regel ausschließen«, sagt Hartmut Strube von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. »Der Berater in der Bankfiliale ist dagegen verpflichtet, den Kunden auf Risiken und negative Berichte in der Fachpresse aufmerksam zu machen.« Wurde der Anleger fehlerhaft beraten, kann er Schadenersatz fordern.