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Internet: Google-Börsengang verschoben

Wieder nix: Mittwoch wollte Suchmaschinenbetreiber Google seine Aktien erstmals an der NASDAQ handeln, aber die US-Börsenaufsicht SEC funkte dazwischen.

Die amerikanische Wertpapier- und Börsenkommission SEC hat die von Google geforderte Registrierung der umfangreichen Unterlagen am Dienstag (Ortszeit) noch nicht gebilligt. So kann die Google-Aktie am Mittwoch noch nicht an der Technologiebörse Nasdaq gehandelt werden. Die Registrierungsunterlagen, die von Google eingereicht worden waren, seien bis zum Schluss des Arbeitstages noch nicht für effektiv erklärt worden, erklärte SEC-Sprecher John Heine nach einem Bericht der US Nachrichtenagentur "Bloomberg".

Google schweigt

Die Effektiverklärung der Aufsichtsbehörde ist für eine Erstemission von Aktien amerikanischer Unternehmen und deren Verkauf unumgänglich. Google gab dazu keine Stellungnahme ab. Die Gesellschaft hatte die SEC ursprünglich aufgefordert, ihre Unterlagen bis Dienstag um 16 Uhr Ortszeit (22 Uhr MESZ) für effektiv zu deklarieren. Da dies nicht geschah, kann Google nun auch seine auf einer ungewöhnlichen Auktion angebotenen Aktien noch nicht verkaufen und sie dann an der Technologiebörse NASDAQ unter dem Aktienzeichen "GOOG" notieren lassen.

Natürlich kursierten an der Wall Street Spekulationen über die Verzögerung. Es ist nach Darstellung von Wertpapierexperten möglich, dass sich die SEC einfach mehr Zeit bei der Überprüfung der umfangreichen und mehrfach geänderten Unterlagen lassen wollte. Es sei aber auch denkbar, dass die SEC zusätzliche Informationen haben wolle.

Preisspanne und Aktienvolumen reduziert

Wenige Stunden nach der SEC-Entscheidung den Börsengang abermals hinauszuschieben, schraubte Google die Preisspanne für die Aktien deutlich nach unten: statt 108 bis 135 Dollar auf 85 bis 95 Dollar. Die Entscheidung wurde allen Interessenten, die sich hatten registrieren lassen, um 08.53 Uhr (MESZ) per E-Mail mitgeteilt. Google will die Aktien mit einer ungewöhnlichen Auktion an den Anleger bringen. Wie weiter bekannt wurde, wird auch die Zahl der öffentlich angebotenen Papiere aus den Händen von bereits existierenden Google-Aktionären dramatisch gesenkt: von 11,6 Millionen auf 5,5 Millionen. Das Unternehmen selbst will nach wie vor 14,1 Millionen Aktien auf den Markt werfen. Mit der Senkung der Stückzahl und des Preises pro Aktie wird sich auch der ursprünglich auf bis zu drei Milliarden Dollar geschätzte Erlös des Börsengangs verringern.

Pleiten, Pech und Pannen

Im viermonatigen Vorlauf des Börsenganges kam es immer wieder zu unerwarteten Pannen, zuletzt musste sogar der Börsengang mehrfach verschoben werden. Einmal gab es Probleme bei der Registrierung institutioneller Anleger und wegen der nicht gemeldeten Ausgabe von Belegschaftsaktien. Zuletzt sorgte ein "Playboy"-Interview mit den beiden Google-Mitbegründern Larry Page und Sergey Brin für Unruhe, da dort gemachte Äußerungen über das Unternehmen möglicherweise gegen die harsche Schweigeverpflichtung vor einem Börsengang verstoßen.

Auch die Art, wie Google im Rahmen einer Internetauktion den Ausgabepreis der Aktien ermittelte, sorgte für massive Kritik - besonders seitens der Emmissionsbanken. Sollte das Google-Modell Schule machen, könnte ihnen eine wesentliche Quelle wegbrechen.

AP/DPA / AP / DPA