Kriegsahnung Börsen wie gelähmt


Der von US-Präsident Bush angekündigte "Moment der Wahrheit" in der Irakkrise versetzte die Anleger an den deutschen Börsen in einen Zustand der Lähmung. Das Warten auf Kurs-Rallye zu Kriegsbeginn beginnt.

Die deutschen Börsen warten: "Hier sind sämtliche Handelsaktivitäten komplett zum Stillstand gekommen", sagte ein Händler einer Großbank an der Frankfurter Börse. Eine halbe Stunde vor Handelsbeginn an der Wall Street notierte der DAX mit minus 1,39 Prozent auf 2.369 Punkten und damit um gut 40 Punkte über seinem Tagestief.

Vorsicht geboten

«Man weiß, dass der Krieg bald kommen wird», sagte ein anderer Händler. Vorsicht sei angesagt, schließlich seien die USA dem Irak auch 1991 schon militärisch überlegen gewesen, Saddam Hussein sei aber weiter an der Macht geblieben. «Wir halten uns auch für das eigene Buch bedeckt.»

Ähnliche Reaktion wie im Golfkrieg

"Die meisten spekulieren auf eine ähnliche Reaktion wie zu Beginn des Golfkriegs 1991, also auf eine Reflex-Rallye, weil sich die Unsicherheit auflöst", sagte der Chefvolkswirt der Hamburger Privatbank M.M. Warburg, Carsten Klude. "Das ist das plausibelste Szenario, das man derzeit unterstellen kann."

Rahmendaten schlechter als 1991

Helaba-Aktienstratege Christian Schmidt sah am Montag im Handelsverlauf bereits Anzeichen für eine Erholung der deutschen Standardwerte nach Kriegsbeginn. "Sobald die ersten Meldungen über den Ticker gingen, dass die UN-Inspektoren den Irak verlassen sollen, hat der Markt trotz entsprechender Dementis positiv reagiert", sagte Schmidt. "Es ist aber aus meiner Sicht nicht legitim, einfach die Parallele zu 1991 zu ziehen, weil die wirtschaftlichen Rahmendaten wesentlich schlechter sind als damals. Deswegen bleibt zu befürchten, dass die Erholung nicht nachhaltig sein wird."

Kursgewinne im Kriegsfall erwartet

Über das Potenzial einer erwarteten kurzfristigen Kurs-Rallye herrschte Uneinigkeit. Händler rechneten mit Kursgewinnen zwischen 10 und 30 Prozent. Sollte es im Kriegsverlauf zu Terroranschlägen in den USA oder Europa kommen, könne es aber genauso schnell wieder nach unten gehen. "Dann können wir auch bis auf 2.000 Punkte fallen", sagte ein Händler.

IMKB-Index fällt auf bisheriges Jahrestief

Die Sorge vor einem bevorstehenden Irak-Krieg hat die türkischen Aktienkurse am Montag auf Talfahrt geschickt. Der wichtigste Index IMKB-100 fiel in den ersten beiden Stunden des Handels um 10,2 Prozent auf 9.533 Punkte, seinen bislang niedrigsten Stand in diesem Jahr. Die türkische Lira verlor gegenüber dem Dollar zwei Prozent an Wert; ein Dollar kostete 1.687.000 Lira. Verstärkt wurde der Abwärtstrend von Berichten über den Rückzug eines geplanten Hilfspakets der USA an die Türkei.

Kein Hilfe ohne Stationierung von Soldaten

Ranghohe Vertreter der US-Regierung erklärten, das Hilfsangebot in Höhe von 15 Milliarden Dollar sei vom Tisch, nachdem Ankara Anfang des Monats einen Antrag Washingtons zur Stationierung von 62.000 Soldaten in der Türkei für einen Irak-Krieg abgelehnt hatte. Der neue türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat signalisiert, dass eine weitere Abstimmung im Parlament frühestens in der kommenden Woche zu erwarten sei. Mit dem Hilfspaket sollte die Türkei für die wirtschaftlichen Schäden eines möglichen Kriegs gegen Irak entschädigt werden.


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