Russland Bankenkonsortium kündigt Jukos-Kreditlinie


Der vom Konkurs bedrohte russische Ölkonzern Jukos hat die Kündigung einer Kreditlinie über eine Milliarde Dollar erhalten. Offenbar wird aber nur um schnellstmögliche, nicht um die sofortige Rückzahlung gebeten.

Dabei drehe es sich um Gelder eines Bankenkonsortiums, das von der französischen Großbank Societe Generale angeführt wird, sagte Jukos-Sprecher Alexander Schadrin am Montag der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Jukos habe bereits am Freitagabend die Aufforderung erhalten, die Schulden aus dem September schnell zurück zu zahlen. Medienberichten zufolge verlangte das Syndikat allerdings nicht, den Kredit sofort zu tilgen.

Aktie bricht ein

Die Jukos-Aktie verlor im frühen Frankfurter Handel zwischenzeitlich bis zu 13 Prozent. Schadrin ergänzte, dass Jukos keine entsprechenden Aufforderungen von anderen Gläubigern erhalten habe. Zu diesen zählt auch die Menatep-Holding, über die der ehemalige Konzernchef Michail Chodorkowski und seine Vertrauten das Unternehmen kontrollieren. Menatep hat Jukos insgesamt 1,6 Milliarden Dollar geliehen.

Unterdessen haben einige Minderheits-Aktionäre eine Klage in New York gegen Jukos und die Führung des Unternehmens eingereicht, wie die russische Zeitung "Wedomosti" berichtet. Demnach werfen die Anteilseigner Jukos Betrug vor: Das Unternehmen habe sie dazu verleitet, in den acht Monaten vor der Festnahme Chodorkowskis im Oktober Jukos-Aktien zu überhöhten Preisen zu kaufen. Seit dem Beginn der Untersuchungen hat Jukos rund die Hälfte seines Börsenwertes verloren.

Steuernachzahlungen in Miliardenhöhe

Mit den jüngsten Entwicklungen sieht die Zukunft des russischen Ölkonzerns immer düsterer aus. Polizei- und Justizbeamte hatten am Wochenende die Firmenzentrale in Moskau durchsucht. Wie Firmensprecher Schadrin am Sonntag mitteilte, ging es bei der Razzia am Samstag um den Verdacht der Steuerhinterziehung beim Tochterunternehmen Samaraneftegas. Für die Jahre 2000 und 2001 muss Jukos insgesamt 197,4 Milliarden Rubel (5,6 Milliarden Euro) an Steuern nachzahlen. Die Frist für die Steuerforderung aus dem Jahr 2000 läuft am Mittwoch aus.

Kritiker sehen in dem Prozess einen Versuch des Kremls, die politischen Ambitionen des Milliardärs Chodorkowski zu stoppen. Jukos soll außerdem in den vergangenen Jahren mehrere Milliarden Euro auf Konten in die Schweiz umgeleitet haben. (AP)

DPA

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