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Aufsichtsratschef: Schröders neuer Job: Der unheimliche Aufstieg von Rosneft zu Russlands größten Ölkonzern

Der Ölkonzern Rosneft war nicht immer die Nummer eins in Russland. Erst als Putins Vertrauter Igor Setschin die Leitung des Konzerns übernahm, begann der systematische Aufstieg des Konzerns zum Global Player.

Gerhard Schröder Igor Setschin

Gerhard Schröder und Konzern-Chef Igor Setschin in St. Petersburg im Jahr 2012

Die halbstaatliche russische Ölfirma Rosneft, bei der Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder ab Freitag im Aufsichtsrat sitzt, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem weltumspannenden Konzern gewandelt. Möglich wurde dies durch teils umstrittene Zukäufe, bei denen stets der enge Vertraute von Präsident Wladimir Putin, Rosneft-Chef Igor Setschin, die Strippen zog. Mit Putin verbindet auch Schröder eine langjährige Freundschaft.

Als Aufsicht für mehrere russische Ölgesellschaften 1993 gegründet, war Rosneft noch 2004 nur der siebtgrößte Ölproduzent Russlands. Dann ernannte Putin seinen Freund Setschin zum Rosneft-Chef, ein Einschnitt, der auf der Homepage des Unternehmens als "der Wendepunkt in der Unternehmensgeschichte" gepriesen wird. Der frühere Portugiesisch-Übersetzer beim Militär kennt Putin schon seit der gemeinsamen Zeit in der Stadtverwaltung von St. Petersburg in den 90er Jahren. Setschin ist geprägt von der Überzeugung, dass der Staat in der Wirtschaft stark präsent sein müsse.

Chodorkowski sieht in Setschin Drahtzieher seiner Verhaftung

Der ehemalige Ölmagnat und Oppositionelle Michail Chodorkowski sieht in Setschin den Drahtzieher für das Vorgehen der russischen Justiz gegen ihn, was letztlich zur Festnahme Chodorkowskis im Jahr 2003 und der Zerschlagung seines Ölkonzerns Jukos führte.

Rosneft übernahm zu einem günstigen Preis einen großen Teil des Jukos-Konzerns. Ab 2005 wurde Rosneft so sogar zur Nummer Eins im Ölgeschäft in Russland. Ein Jahr später ging das Unternehmen in London an die Börse.


Unter der Präsidentschaft von Dmitri Medwedew (2008-2012) konzentrierte sich Setschin dann auf seine Tätigkeit als Vize-Regierungschef; unter Putin kehrte er danach an die Rosneft-Spitze zurück. Er legte dann 55 Milliarden Dollar (heute knapp 47 Milliarden Euro) auf den Tisch, um die Nummer Drei der Ölfirmen in Russland, TNK-BP, zu kaufen. So stieg Rosneft mit mehr als vier Millionen Barrel täglich zum größten, börsennotierten Ölkonzern der Welt auf.

Rosneft wächst trotz Sanktionen weiter

Bei der Gelegenheit gewann das technologisch im Hintertreffen stehende Unternehmen mit BP auch einen westlichen Verbündeten als Aktionär. Auch mit ExxonMobil aus den USA und Statoil aus Norwegen ging Rosneft Allianzen ein und setzte die Aufkäufe fort.

Im Jahr 2014 geriet der sechstgrößte Ölproduzent Russlands, das Unternehmen Baschneft, in Setschins Visier - nachdem dessen Besitzer nach dem Vorwurf der Geldwäsche enteignet worden war. Nach Hakeleien sogar mit dem Kreml bekam Setschin im vergangenen Jahr seinen Willen: Für rund fünf Milliarden Dollar wurde Baschneft "privatisiert" und vom Staat an Rosneft verkauft. Der Öl-Konzern konnte also trotz der US-Sanktionen gegen ihn wegen der Ukraine-Krise weiter wachsen.


tis / AFP