HOME

Gerichtsurteil: Katjes darf "ohne Fett" bewerben

Verbraucherschützer hatten beanstandet, dass Katjes mit dem Hinweis "ohne Fett" Verbraucher in die Irre führen könnte, da die Fruchtgummis neben 0,4 Prozent Fett vor allem 75 Prozent Zucker enthalten. Das Gericht sah das anders.

Der Süßwarenhersteller Katjes darf weiterhin mit dem Aufdruck "ohne Fett" auf den Verpackungen seiner durch die Werbung mit dem Fotomodell Heidi Klum bekannt gewordenen "Yoghurt-Gums" werben. Das Landgericht Kleve wies am Freitag eine Klage des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände gegen das Unternehmen ab. Der Bundesverband hatte in dem Aufdruck eine Irreführung des Verbrauchers gesehen, da in den Fruchtgummis geringe Mengen Fett nachweisbar seien.

Tagesbedarf erst mit 20 Kilo gedeckt

Das Gericht betonte in seiner Entscheidung, der - ohnehin auf den Verpackungen angegebene - Fettgehalt von maximal 0,4Prozent sei derart gering, dass er praktisch keine Rolle spiele. Ein Erwachsener müsste nach Angaben des Gerichts 20 Kilogramm "Yoghurt-Gums" essen, um seinen täglichen Fettbedarf von 80 Gramm zu decken.

Das Gericht widersprach auch der Einschätzung der Verbraucherschützer, dass der Verbraucher den Aufdruck "ohne Fett" als irreführenden Hinweis auf die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Fruchtgummis oder auf einen geringen Kaloriengehalt verstehe. Der durchschnittliche Verbraucher wisse, dass nahezu alle Süßigkeiten Zucker enthielten und dass der übermäßige Genuss von Zucker - unabhängig vom Fettgehalt - zu Übergewicht führe. Auch Kindern sei bekannt, dass Süßigkeiten dick machen.

Jeder weiß schon, dass Süßes auch Zucker enthält

Da Fruchtgummiprodukte wie die Katjes "Yoghurt-Gums", "Euro Münzen" und "fresh Watermelon" nicht nur untereinander, sondern auch mit anderen Süßigkeiten konkurrierten, stelle die Werbung mit der Formulierung "ohne Fett" einen tatsächlich vorhandenen Vorzug der Produkte gegenüber anderen Süßigkeiten heraus. Diese enthielten häufig neben einem hohen Zuckergehalt auch noch Fett. Für die "Yoghurt-Gums" sei dieser Vorzug auch deshalb keine Selbstverständlichkeit, weil es sich um ein Milchprodukt handele, hieß es.

Ausdrücklich betonte das Gericht, dass seine Aufgabe nicht darin bestehe, die gesundheitsbewusste Ernährung zu fördern. Es sei lediglich seine Aufgabe festzustellen, ob eine nennenswerte Anzahl durchschnittlich informierter kindlicher oder erwachsener Verbraucher durch die beanstandete Werbung in wettbewerblich relevanter Weise getäuscht werde. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Bundesverband kann gegen die Entscheidung innerhalb eines Monats Berufung beim Oberlandesgericht Düsseldorf einlegen.

AP / AP
Themen in diesem Artikel