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Klima und Konsum "Furchtbare soziale Konsequenzen": H&M-Chef warnt vor "Konsumenten-Shaming"

Der CEO von H&M, Karl-Johan Persson
Der CEO von H&M, Karl-Johan Persson
© Pontus Lundahl/TT News Agency / AFP
Übermäßiger Konsum trägt mit zum Klimawandel bei. Das prangern auch Klimaaktivisten häufig an, besonders, wenn es um billig produzierte Ware aus Übersee geht. H&M-Chef Persson warnte nun davor, dass dieses Anprangern ernste Konsequenzen habe.

Viele Dinge sind schädlich für das Klima: Fliegen, Energie aus Kohle und Öl und auch übermäßiger und wenig nachhaltiger Konsum. All das prangern Klimaaktivisten an, auch Greta Thunberg, die selbst bei ihrer Ernährung und ihrem Konsumverhalten harte Einschnitte vornahm. Denn exotische Früchte im Winter oder in China produzierte Kleidung müssen lange Wege nach Europa auf sich nehmen, um bei uns im Einkaufskorb zu landen.

Doch das Kritisieren dieses Konsumverhaltens und die wachsende Bewegung dahinter seien laut dem CEO von H&M Karl-Johan Persson eine reale soziale Gefahr, wie die Agentur Bloomberg berichtet.

Karl-Johan Persson, Enkel des H&M-Gründers Erling Persson und Sohn vom derzeitigen Vorsitzenden Stefan Persson, spricht von einem "Anprangern", das sich zuerst gegen Flugreisende richtete und sich in immer mehr Branchen ausweite, einschließlich seiner, berichtete Bloomberg. Karl-Johan leitet das Modeunternehmen seit einem Jahrzehnt.

Persson warnt vor "furchtbaren Konsequenzen"

Der CEO ist besorgt, dass die Klima-Bewegung bestimmte Verhaltensweisen verbieten möchte. Bei vielen Protesten gehe es darum "aufzuhören, Dinge zu tun, aufzuhören zu konsumieren, aufzuhören zu fliegen", sagte Persson in einem Interview. "Ja, das kann zu einer geringen Umweltbelastung führen, aber es wird furchtbare soziale Konsequenzen haben."

Schätzungen zufolge ist die weltweite Modeindustrie 2,5 Billionen US-Dollar schwer und in den letzten Jahren wegen Bedenken hinsichtlich Umwelt- und Wasserverschmutzung oder Arbeitnehmerrechten in Entwicklungsländern, welche einen Großteil der Produktion ausmachen, genauer unter die Lupe genommen worden.

Laut der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa bestehe ein Teil des Problems darin, dass sich in einer "Ära der fast fashion" befänden – also der "schnellen Mode". Dieses Konsumverhalten habe zu einem "ökologischen und sozialen Notfall" geführt, so die Kommission laut Bloomberg. Nach Angaben der Vereinten Nationen sei die Bekleidungsindustrie für zehn Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich und verbrauche mehr Energie als Luft- und Schifffahrt zusammen.

H&M will "klimapositiv" werden

Persson spielt den Klimawandel und seine Folgen allerdings nicht herunter. Im Gegenteil: "Das Klimaproblem ist unglaublich wichtig. Es ist eine große Bedrohung und wir alle müssen sie ernst nehmen – Politiker, Unternehmen, Einzelpersonen." Aber gleichzeitig sei die Beseitigung der Armut ein Ziel, dass mindestens ebenso wichtig sei. "Wir müssen die Umweltbelastung reduzieren", sagte Persson. "Gleichzeitig müssen wir auch weiterhin Arbeitsplätze schaffen, die Gesundheitsversorgung verbessern und all die Dinge, die mit dem Wirtschaftswachstum einhergehen."

Der Mode-Gigant schätzt, dass 70 Prozent der Auswirkungen eines Kleidungsstückes auf das Klima während des Herstellungsprozesses auftreten. H&M habe sich das Ziel gesetzt, bis 2040 "klimapositiv" zu werden, was bedeutet, dass der Konzern mehr Treibhausgase einsparen will, als er eigentlich ausstößt. In vielen Bereichen wolle man nachhaltiger werden, so der Konzern auf seiner Internetseite.

Wandel zur Nachhaltigkeit bei H&M

H&M gehört nach eigenen Angaben zu einer der weltweit größten Nutzer von biologischer oder recycelter Baumwolle. Außerdem beginne der Konzern damit, neue Stoffe und Materialien für die Textilproduktion zu erforschen, wie beispielsweise alte Fischernetze oder Zitrusschalen, so Bloomberg. Ein selbst ernanntes Ziel von H&M ist es, dass in Zukunft nur recycelte oder nachhaltige Materialien verwendet werden.

Persson sagte, dass "Innovationen in der Umwelt, erneuerbare Energien, verbesserte Materialien" bessere Mittel zur Bekämpfung des Klimawandels seien als ein "Moratorium auf Konsum" und fügte hinzu: "Konzentrieren Sie sich weiterhin stark auf das Umweltproblem, diskutieren Sie jedoch offen, wie die Lösung aussehen könnte."

Einem Bericht von "Vogue Business" zufolge habe H&M erst mit Strukturveränderungen begonnen, nachdem sowohl Umsatz als auch Gewinn sanken und zu Beginn des Jahres 2018 Kleidungsstücke im Wert von rund 4,3 Milliarden US-Dollar unverkauft blieben.

H&M hat seinen Ursprung im Jahr 1947 in Schweden. Heute hat die Modekette nach eigenen Angaben mehr als 4.400 Geschäfte in 73 Ländern. Dazu gehören neben Deutschland und Schweden beispielsweise auch Japan, die USA, Südafrika und die Vereinigten Arabischen Emirate. Zur H&M-Gruppe gehören beispielsweise auch die Marken "Weekday" und "Arket".

Quellen: Bloomberg, "Business Insider", "Vogue Business", Vereinte Nationen, H&M (1)H&M (2)H&M (3)H&M (4)H&M (5)

rw

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