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Handel: "Geiz ist geil!" - Dem Schlussverkauf schlägt die letzte Stunde

"Alles muss raus!" "T-Shirts für neun Euro, Hosen für 15 Euro!" Wohl endgültig zum letzten Mal lockt der Einzelhandel ab 26. Januar die Schnäppchenjäger zum Winterschlussverkauf.

T-Shirts für neun Euro, Hosen für 15. "Alles muss raus!" "Jetzt kaufen!" Wohl nun zum letzten Mal lockt der Einzelhandel ab 26. Januar die Schnäppchenjäger zum Winterschlussverkauf (WSV) an die Wühltische. Mit Preisnachlässen von bis 50 Prozent will die stark angeschlagene Branche ihre Ergebnisse aufpolieren. Vor allem bei Winterkleidung, Lederwaren, Wäsche und Sportartikeln wird zwei Wochen lang der Rotstift angesetzt.

Novelle tritt frühestens im Frühjahr in Kraft

Ursprünglich sollte bereits der vergangene Sommerschlussverkauf (SSV) der letzte große gemeinsame Ausverkauf des Einzelhandels zum Ende einer Saison sein: Wegen einer Änderung im Terminplan des Bundestages kann die Novelle zum Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb nun aber frühestens im Frühjahr in Kraft treten. Eigentlich sollte die Ausverkaufs-Klausel bereits zum 1. Januar gestrichen werden.

Ständiger Preiskampf verwirrt Verbraucher

Zum Wegfall der Schlussverkäufe gehen die Meinungen im Handel auseinander. Während der HDE die Marke Schlussverkauf gesetzlich schützen will, lehnt der kleinere Handelsverband BAG, der die innerstädtischen Geschäfte vertritt, das ab. Er verweist darauf, dass die Rabattaktionen immer früher beginnen und ist für eine völlige Freigabe der Sonderverkäufe. Nach Ansicht der Gewerkschaft ver.di verwirrt hingegen ein ständiger Preiskampf die Verbraucher.

Der scharfe Wind des Wettbewerbs

"Wir können das Rad nicht mehr zurückdrehen, schlagen aber vor, dass mit dem Begriff Schlussverkauf nur zwei Mal Jahr geworben werden darf", sagt der Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels (HDE), Hubertus Pellengahr. Mit der Aufhebung der letzten Regulierung wäre der Einzelhandel völlig dem scharfen Wind des Wettbewerbs ausgesetzt. Das treffe vor allem kleinere Unternehmen hart.

Rabattschlacht vom Dezember geht weiter

Mit fast beispiellosen Preisnachlässen setzt die Branche im neuen Jahr die bereits im Dezember begonnene Rabattschlacht fort. Schon lange vor dem WSV werben die Konzerne teils mit Rabatten von bis zu 50 Prozent. "Bei uns gibt es das ganze Jahr Schlussverkauf", rechtfertigt der Elektronikmarkt Saturn seine Niedrigpreisaktionen unter dem Motto «Geiz ist geil!». Auch die Baumarktkette Praktiker gesteht ein, dass der "Handel derzeit sehr stark preisorientiert ist".

Umsatzeinbruch heizt Preise weiter an

Hintergrund des aggressiven Wettbewerbs ist nach HDE-Einschätzung der erneute Umsatzeinbruch. Das Umsatzminus von mehr als vier Prozent im November spiegele die Verunsicherung der Verbraucher bei der Steuerreform wider. Für 2004 rechnet die Branche zwar mit einer leichten Erholung, aber noch keiner Trendwende.

Hoffnung auf Lösung der Konsumbremse

"Wir gehen davon aus, dass die Konsumentenbremse zumindestens teilweise durch die Steuerentlastung seit Anfang des Jahres gelöst wird", sagte Pellengahr. Während der Umsatz 2003 noch einmal um mindestens ein Prozent zurückgehen werde, sei für dieses Jahr ein Plus von 0,5 bis 1 Prozent zu erwarten. Auf dem Arbeitsmarkt werde der leichte Aufschwung aber noch nicht zu spüren sein. Der HDE geht von einem erneuten Abbau von rund 20.000 Jobs aus. Auch sei wie im Vorjahr mit gut 4.500 Firmeninsolvenzen zu rechnen.

Traditioneller Beginn am letzten Montag im Januar

Seit fast 100 Jahren beginnt der WSV immer zum Ende der Wintersaison am letzten Montag im Januar, der SSV am letzten Montag im Juli. Zwei Wochen lang durften dann bislang Textilien, Bekleidungsgegenstände, Schuhwaren, Lederwaren und Sportartikel billiger angeboten werden.

Maren Martell / DPA