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Handel: Neuer Chef soll KarstadtQuelle profitabel machen

Die anhaltende Konsumflaute hat nun auch den Kapitän von Deutschlands größtem Warenhausbetreiber KarstadtQuelle den Job gekostet: Montag musste Vorstandschef Wolfgang Urban seinen Platz für Nachfolger Christoph Achenbach räumen.

Die anhaltende Konsumflaute hat nun auch den Kapitän von Deutschlands größtem Warenhausbetreiber KarstadtQuelle den Job gekostet. Am Montag musste Vorstandschef Wolfgang Urban das Ruder aus der Hand geben, nachdem ihm eine deutliche Kursänderung des in die roten Zahlen gerutschten Handelsriesen nicht gelingen wollte. Offiziell tritt Urban zum 31. Mai "aus gesundheitlichen Gründen" zurück. Sein Nachfolger wird der 46-jährige Christoph Achenbach, im Vorstand der KarstadtQuelle AG bislang zuständig für den Versandhandel (Quelle, Neckermann).

Auch Middelhoff soll helfen

Mit dem Wechsel an der Spitze hoffen die 20 Aufsichtsräte, den angeschlagenen Konzern wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Große Erwartungen richten sich dabei auch an den zukünftigen Aufsichtsratsvorsitzenden und Ex-Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff. Der 51-Jährige war erst Anfang Mai in das oberste Kontrollgremium gewählt worden und soll nach einer Übergangszeit den 73-jährigen Hans Meinhardt als Vorsitzenden ablösen.

Erst im Sommer vergangenen Jahres war Urbans Vertrag um fünf Jahre verlängert worden. Laute Spekulationen über eine vorzeitige Abberufung des seit Oktober 2000 an der Spitze stehenden 58-Jährigen gab es seit Ende März, als Urban einen deutlichen Gewinneinbruch und ein Umsatzminus für 2003 verkünden musste. Das Fass zum Überlaufen brachten nun die Quartalszahlen vergangene Woche. In seinen Warenhäusern und Ketten (Karstadt, SinnLeffers, Wehmeyer, Runners Point), bei den Dienstleistungen und nun auch im Versandhandel (Quelle, Neckermann) sahen sich die Aufseher weiteren Umsatzrückgängen und roten Zahlen gegenüber.

Verlustreiche Beteiligung an Thomas Cook

Der Konzern bewegt sich bereits seit längerem in schwierigem Fahrwasser. Probleme bereitete den Essenern zuletzt vor allem die Krise der Touristikbranche, die der 50-Prozent-Tochter Thomas Cook herbe Verluste bescherte. 2003 waren es knapp 77 Millionen Euro vor Zinsen und Abschreibungen, die bei KarstadtQuelle zu Buche schlugen. Hinzu kamen die Kaufzurückhaltung in Deutschland und die Rabattschlacht im Weihnachtsgeschäft.

Handelsexperten verweisen auf die im Branchenvergleich zu hohen Personalkosten bei den Warenhäusern. Vereinbarungen mit der Arbeitnehmerseite etwa über einen Verzicht auf freiwillige Leistungen sollten zuletzt die Streichung von mehreren tausend Stellen verhindern. Vergangene Woche gerieten die Verhandlungen nach Informationen der "Lebensmittelzeitung" nach der Vorlage eines weiteren Sparpakets durch das Management ins Stocken.

Kein ordentlicher Umstrukturierungsplan

Branchenkenner werfen dem Konzern überdies vor, keinen ordentlichen Umstrukturierungsplan zu verfolgen. "Momentan versucht man, die Kosten zu senken. Es fällt denen nichts ein, den Umsatz zu steigern", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. Auch müsse gefragt werden, ob das über 100 Jahre alte Warenhaus-Konzept heute noch tauge.

Als Gegenmaßnahmen hatte KarstadtQuelle bereits im März unter anderem Verkäufe von Beteiligungen erwogen. Auch die Schließung oder den Verkauf unrentabler Warenhäuser wollte KarstadtQuelle zuletzt nicht ausschließen.

Helge Toben, dpa / DPA