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Christoph Achenbach: KarstadtQuelle-Chef reißt das Ruder herum

120 Tage nach seinem Amtsantritt will KarstadtQuelle-Chef Christoph Achenbach nun die Karten auf den Tisch legen. Mit einer "Neuausrichtung ohne Tabus" will der 46-jährige Manager Europas größten Warenhauskonzern wieder auf Kurs bringen.

Die tiefroten Zahlen sollen der Vergangenheit angehören: Das mit Spannung erwartete Sanierungskonzept soll am Montagabend kommender Woche zunächst dem Aufsichtsrat präsentiert werden, bevor die Öffentlichkeit am Dienstag bei einer Pressekonferenz informiert werden soll.

Dritter Konzernlenker in vier Jahren

Achenbach ist innerhalb von nur vier Jahren der dritte Konzernchef der versucht, bei dem angeschlagenen "Dampfer" KarstadtQuelle das Ruder herumzureißen. Bei einer Hauptversammlung im Jahr 2000 hatte zunächst der langjährige Konzernlenker Walter Deuss seinen Sessel vor dem Hintergrund fallender Börsenkurse und einer verfehlten Fusionsprognose überraschend räumen müssen. Sein Nachfolger Wolfgang Urban gelang die erwartete Kursänderung jedoch nicht.

Wenige Monate, nachdem Urbans Vertrag zunächst um fünf Jahre verlängert worden war, erwiesen sich ein Gewinneinbruch und eine verfehlte Prognose im Frühjahr diesen Jahres als Stolpersteine für den damals 58-jährigen Manager. Kaum im Amt, ließ der neue Chef Christoph Achenbach nur wenig Gutes über Urban verlauten.

Schlechtes Klima

Neben "fehlender Entschluss-und Umsetzungsfreudigkeit" lastete der als nüchtern und analytisch geltende Achenbach seinem glücklosen Vorgänger auch die Verantwortung für ein schlechtes Betriebsklima in dem krisengeschüttelten Unternehmen an. Trotz eines harten Sanierungskurses kündigte er einen "deutlich menschlicheren Umgangston" an. Von den Beschäftigten erwarte er, sie sollten wieder mehr auf die Kunden und ihre Bedürfnisse eingehen, so Achenbach.

Während Analysten nun von dem neuen Chef einen "drastischen Rundumschlag" mit harter Hand fordern, muss Achenbach nun auch der Belegschaft die bittere Pille schmackhaft machen. Zusammen mit Aufsichtsratschef Thomas Middelhoff wird er dabei das mehr als 100 Jahre alte Konzept der Warenhäuser in den Innenstädten gründlich auf den Prüfstand stellen müssen.

Stellenabbau erst der Anfang

Der Abbau von mindestens 4.000 der 47.000 Stellen im Warenhausbereich gilt bereits als sicher. Doch mehr als jedes siebte der 188 Kaufhäuser schreibt rote Zahlen, viele Häuser gelten zudem als zu klein. Viele Kunden zieht es zudem zunehmend an die Kassen der Discounter auf der grünen Wiese, die ihr Sortiment schon lange über die Grenzen des reinen Lebensmittelhandels ausgeweitet haben.

Auch die KarstadtQuelle-Versandtöchter Neckermann und Quelle haben bereits Stellenstreichungen angekündigt. Probleme bereiten dem Konzernchef daneben viele Aktivitäten außerhalb des Kerngeschäfts vom Handel mit Reisen über Dienstleistungen bis hin zu Fitness-Studios.

Uta Knapp, dpa / DPA