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Erneuerbare Energien Ökostrom-Boom hält an


Der Atomausstieg erfolgt in den eigenen vier Wänden: Seit Fukushima wechseln immer mehr Deutsche zu grünem Strom. Vor allem reine Ökostrom-Anbieter boomen.

Nach der Atomkatastrophe in Japan ist die Zahl der Ökostrom-Wechsler deutlich gestiegen. Gewinner waren vor allem die vier unabhängigen Ökostrom-Anbieter, wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet. Die vier Unternehmen Lichtblick, Naturstrom, EWS und Greenpeace Energy sind reine Ökostrom-Anbieter, die neben Strom aus 100 Prozent regenerativen Energien kein weiteres Stromprodukt anbieten.

Alle Ökostrom-Anbieter verzeichneten nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima einen sprunghaften Anstieg ihrer Neukundenverträge und rechnen 2011 mit einem Rekordwachstum. Am stärksten profitierte der Düsseldorfer Anbieter Naturstrom: Der kleine Energieversorger habe seit dem Reaktorunglück nach eigenen Angaben mehr als 70.000 Neukunden für sich gewinnen können und seine Gesamtkundenzahl so auf 188.000 erhöht. Teilweise hätten sich zehn Mal mehr Neukunden als gewöhnlich angemeldet.

Marktführer Lichtblick habe seinen Kundenstamm um 45.000 ausgebaut und beliefere nun insgesamt 530.000 Verbraucher. In den ersten Tagen nach dem Unglück in Japan hätten sich bei Lichtblick täglich dreimal so viele Neukunden angemeldet wie sonst. Bei den Elektrizitätswerken Schönau (EWS) meldeten sich seit Mitte März rund 4500 Neukunden im Monat an statt wie sonst 600 bis 700 neue Kunden. Die EWS stockten der Umfrage zufolge ihren Kundenstamm so um 16.400 auf 120.000 Haushalte auf.

Ökostrom ist meist günstiger als der Grundversorger-Tarif

Greenpeace Energy gewann im gleichen Zeitraum AG 9000 Neukunden - der kleinste Ökostrom-Anbieter beliefert derzeit 104.000 Haushalte. Kurz nach Fukushima hatte in einer Umfrage jeder zweite gesagt, er sei bereit, für Ökostrom tiefer in die Tasche zu greifen. Ökostrom-Anbieter sind zwar teurer als die günstigsten Stromtarife, liegen aber meist immer noch unter den Grundtarifen der angestammten Versorger.

Viele Verbraucher, die zu einem Ökostrom-Anbieter wechseln, landen allerdings nicht bei einem wirklich nachhaltigen Angebot. Der Begriff Ökostrom ist in Deutschland gesetzlich nicht geschützt und meint zunächst nur, dass Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wasser- oder Windkraft stammt. Die entscheidende Frage aber ist, ob ein Anbieter zu einer Ausweitung des Angebots an "grüner Energie" beiträgt oder lediglich den ohnehin bereits produzierten Ökostrom aus dem allgemeinen Strom-Mix für spezielle Tarife reserviert. Letzteres bedeutet für die Umwelt unter dem Strich keinen Fortschritt.

Worauf Wechselwillige bei der Wahl des Ökostrom-Anbieters achten sollten, erfahren Sie hier.

pen/AFP/DPA DPA

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