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Konzept zur Energiesanierung Umweltbewusste Hausbesitzer sollen belohnt werden

Kostet im Zweifel viel Geld, lohnt sich aber: die energetische Gebäudesanierung
Kostet im Zweifel viel Geld, lohnt sich aber: die energetische Gebäudesanierung
© Colourbox
Immobilienbesitzer können aufatmen: Die Bundesregierung ist von dem ursprünglichen Plan abgerückt, Energiesanierungen von alten Gebäuden mit Zwang durchzusetzen. Stattdessen sollen jetzt mehr Anreize gesetzt werden. Was Hausbesitzer wissen sollten.

Zuckerbrot statt Peitsche: Das Gebäudesanierungsprogramm im Energiekonzept der Bundesregierung wird weichgespült - der Widerstand von Haus- und Grundbesitzern, der Immobilienwirtschaft und der FDP-Fraktion hat Wirkung gezeigt. Das Zwangsmodell, dem zufolge eine versäumte Sanierung beispielsweise mit einer höheren Grundsteuer "bestraft" werden sollte, ist vom Tisch. Stattdessen soll es nun Zuschüsse und Steuervorteile für sanierungswillige Immobilienbesitzer geben.

Was genau ist nun nach den Änderungen geplant?

Ursprünglich sollte es Steuernachteile geben, wenn ein Haus nicht energetisch saniert wird. Nun ist im Energiekonzept davon keine Rede mehr - Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) konnte seine Forderungen nicht durchsetzen. "Wir wollen dabei Anreize setzen, aber keine Zwangssanierungen anordnen", heißt es in einem neuen Passus. Oberstes Gebot soll sein, dass sich Sanierungen rechnen. Als Motivation zum Dämmen und Fensteraustauschen soll das Gebäudesanierungsprogramm aufgestockt werden, aus dem Bauministerium kamen Forderungen von drei Milliarden Euro pro Jahr. Bis 2050 soll bei allen Gebäuden der Energieverbrauch so gesenkt werden, dass in diesem Bereich 80 Prozent weniger klimaschädliches Kohlendioxid als heute verbraucht wird.

Lohnt es sich überhaupt zu sanieren?

Es gibt Schätzungen von Eigentümerverbänden, die die Kosten der energetischen Sanierung aller Gebäude in Deutschland bis 2050 auf bis zu 2,6 Billionen Euro beziffern. Die Deutsche Energieagentur (Dena) hält das für "Quatsch". Hier würden auch normale Sanierungsarbeiten einfach mit eingerechnet. Zudem ließen sich mit einer massiven Sanierung nach neuesten Energieeinsparstandards bis zu 4 Billionen Euro an Energiekosten in den nächsten 40 Jahren einsparen. "Die derzeitige Panikmache, dass sich etwa Mieten verdreifachen würden, ist nicht akzeptabel", sagt Dena-Geschäftsführer Stephan Kohler. Bis zu einer Energieeinsparung um 70 Prozent lasse sich eine Sanierung ohne Mietsteigerungen realisieren, da in einem solchen Fall zwar die Kaltmiete deutlich steigt, die Heizkosten aber massiv zurückgehen. "Und es gibt für Hausbesitzer einen viel, viel höheren Verkaufserlös, wenn das Gebäude energetisch saniert ist", sagt Kohler.

Dauert es nicht Jahrzehnte, bis sich eine Sanierung rechnet?

Ja, das kann sein. Aber die Energiekosten steigen und steigen, so dass es sich je nach Investitionskosten auch in wenigen Jahren rechnen kann. Die Dena verweist darauf, dass seit 1995 die Kaltmieten um 22 Prozent gestiegen seien, die Energiekosten um 120 Prozent. Auch kursierende Zahlen von 1000 Euro Sanierungskosten pro Quadratmeter verweist Kohler ins Reich der Fantasie. Für eine Energieeinsparung von 80 Prozent würden nach Dena-Berechnungen 420 Euro pro Quadratmeter anfallen. Zum Vergleich: Bei einem unsanierten Haus aus den 70er Jahren würden binnen 20 Jahren Heizkosten von 107.000 Euro anfallen, bei einem sanierten Haus aber nur 21.000 Euro.

Was genau hat es mit der geplanten "Abrissprämie" auf sich?

Sie dient dazu, kaum zu dämmende Gebäude zu ersetzen und könnte Teil des Gebäudesanierungsprogramms werden. "Wichtig ist, dass auch Ersatzneubauten bezuschusst werden, weil es gerade beim Gebäudestand der 60er und 70er Jahre Häuser gibt, die von ihrer Substanz in einem zu schlechten Zustand sind, um sie ausreichend energetisch sanieren zu können", sagt der baupolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Sebastian Körber.

Wann geht das Programm los?

Nachdem das Kabinett das Energiekonzept verabschiedet hat, muss nun in den nächsten Wochen entschieden werden, wie das riesige Konjunkturprogramm für die Bau- und Handwerksbranche gestaltet wird. Die Dena schlägt ein Fördervolumen von 5 Milliarden Euro pro Jahr vor. "Diese Förderung löst das Sechsfache an Investitionen aus", betont die Energieagentur. Nur so könne die Sanierungsrate von derzeit 1 Prozent auf 2 Prozent pro Jahr verdoppelt werden. Jährlich müssten zur Erreichung der Ziele mindestens 360.000 Gebäude (68 Millionen Quadratmeter Wohnfläche) saniert werden. Als erstes müssen die vor 1978 gebauten Gebäude saniert werden. Da nach Schätzungen etwa die Hälfte aller Gebäude in den nächsten 20 Jahren ohnehin saniert werden müssten, soll dabei gleich die energetische Sanierung mitgemacht werden.

söw/DPA DPA

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