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Italien: 2003 brachte für Fiat Licht am Ende des Tunnels

Trauer und Hoffnung: Trotz des Todes von Fiat-Chef Agnelli sieht Fiat heute - allen Unkenrufen zum Trotz - Licht am Ende des Tunnels. Und dies vor allem dank seiner neuen Führungsmannschaft.

Mitten in der wohl größten Krisen des Turiner Fiat-Konzerns unterbrach das italienische Fernsehen am 24. Januar 2003 plötzlich sein Programm. "Giovanni Agnelli ist tot", hieß es - und die Nachricht verbreitete sich im ganzen Land wie ein Lauffeuer. Ausgerechnet zu einem so schwierigen Zeitpunkt verlor das Traditionsunternehmen seinen Patriarchen und Mittelpunkt. Viele dachten damals, das sei das Ende auch für Fiat. Schließlich hatte der weißhaarige Grandseigneur der italienischen Auto-Industrie bis zuletzt die Fäden hinter den Kulissen gezogen. Doch sie täuschten sich: Allen Unkenrufen zum Trotz sieht Fiat heute Licht am Ende des Tunnels. Und dies vor allem dank seiner neuen Führungsmannschaft.

Der "kleine Agnelli" wurde Präsident

Der Name Agnelli scheint unterdessen unauslöschlich mit dem Schicksal von Fiat verknüpft zu sein. Schon im Februar wurde Umberto Agnelli nach dem Rücktritt von Paolo Fresco der neue Präsident der Gruppe. Jahrelang hatte der stille, zurückhaltende Jurist im Schatten seines großen, schillernden Bruders Giovanni gestanden, nur wenige hatten bis 2003 die großen unternehmerischen Qualitäten des "kleinen Agnelli" bemerkt.

Viele fürchteten den Verkauf an GM

Zudem befürchtete so mancher, dass durch die Wahl Umbertos der Verkauf der Fiat-Autosparte an den US-Riesen General Motors (GM) besiegelt sei. Schließlich hatte er in der Vergangenheit stets darauf bestanden, die Aktivitäten der Gruppe nicht auf die Autos zu beschränken, sondern andere Unternehmensteile, wie etwa Medien oder Energie, in den Vordergrund zu stellen. Doch der 68-Jährige belehrte die Zweifler eines Besseren und betraute den neuen Vorstandschef Giuseppe Morchio mit der Aufgabe, bis Mitte des Jahres einen Sanierungsplan auszuarbeiten. Der fruchtete - und bereits im Oktober ereiferten sich italienische Zeitungen: "Der Krisenstatus ist erstmal zu den Akten gelegt."

Krisenplan wirkte

Überraschenderweise setzt Morchio bei der neuen Fiat-Strategie hauptsächlich auf die angeschlagene Autosparte. Im Mittelpunkt des ehrgeizigen Plans steht eine Rundumerneuerung der Produktpalette und eine konsequente Kleinwagen-Offensive zu wettbewerbsfähigen Preisen. Die neuen Modelle kamen im Herbst auf den Markt - und überzeugten nach einer jahrelangen Durststrecke endlich wieder die Kunden.

Panda wurde "Auto des Jahres 2004"

Im November wurde der neue «Panda» zum "Auto des Jahres 2004" gekürt - und ließ in punkto Wirtschaftlichkeit, Sicherheit, Komfort und Funktionalität die versammelte Konkurrenz hinter sich. Zuletzt hatte der italienische Autobauer 1996 mit dem Fiat Bravo den Spitzenplatz der neuen Modelle erobert. Auf die schlechten Bilanzen der Autosparte haben sich die neuen Modelle unterdessen noch nicht positiv ausgewirkt. "Positive Resultate aus den Verkäufen des neuen Panda und des Lancia Y, die erst im September auf den Markt gekommen sind, werden erst im letzten Quartal 2003 oder im ersten Quartal 2004 sichtbar sein", hatte Fiat bereits vorher prophezeit.

Autosparte steigerte sich

Immerhin steigerten die Autos der Gruppe mit den Marken Fiat, Lancia und Alfa Romeo im November ihren Marktanteil in Italien auf 28,57 Prozent, nach 27,87 Prozent im Vorjahr. Stolz verkündete das Unternehmen: "Für den Panda gibt es schon 100.000 Vorbestellungen, für den neuen Lancia Y immerhin 40.000." Die Hoffnungen konzentrieren sich jetzt auf den Österreicher Herbert Demel, der im November sein Amt als neuer Fiat-Auto-Chef angetreten hat und weiter für frischen Wind in der Produktpalette sorgen soll.

Detroit scheint kein Interesse mehr zu haben

Auch was den Deal mit GM betrifft, gab es 2003 Neuheiten: Im Herbst teilten die beiden Unternehmen mit, sich auf eine Verschiebung der Put Option um ein Jahr auf 2005 geeinigt zu haben. Der neuen Abmachung zufolge beginnt die Option nun am 24. Januar 2005 und endet am 24. Juli 2010. Ursprünglich hätten die Italienern ihre Autosparte von Januar 2004 bis Juli 2009 an den Detroiter Konzern verkaufen können. GM scheint jedoch mittlerweile das Interesse an den Turiner Autos verloren zu haben. Sollte der Deal platzen, droht ein Rechtsstreit - Fiat hat bereits angekündigt, einen Ausgleich fordern zu wollen, falls GM die Option auf Fiat Auto nicht annimmt.

Carola Frentzen / DPA