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Arbeitslosigkeit: Deutsche ziehen zu wenig um

Deutschland hat nach Italien die höchsten regionalen Unterschiede bei der Arbeitslosigkeit. Den Grund dafür hat nun die OECD ausfindig gemacht: Den Deutschen mangelt es Mobilität, sprich: sie ziehen nicht dahin, wo die Jobs entstehen.

Die anhaltend großen regionalen Unterschiede bei der Arbeitslosigkeit in Deutschland liegen nach Ansicht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auch an der geringen Mobilität der Arbeitnehmer. Je nach Spezialisierung der Wirtschaft entstünden in einigen Regionen mehr Arbeitsplätze als in anderen, hieß es im neuen Beschäftigungsausblick der OECD.

Die Wanderung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sei sehr gering und gleiche sich unter dem Strich zwischen den Regionen weitgehend aus. "Mit anderen Worten gibt es nur geringe Ansätze einer Umverteilung von Beschäftigten aus wirtschaftlich schwachen hin zu florierenden Regionen, so dass geographische Mobilität nur wenig zur Reduzierung regionaler Ungleichgewichte beiträgt."

Deutschland hat besonders mit Langzeitarbeitslosigkeit zu kämpfen

Dem OECD-Bericht zufolge weist Deutschland nach Italien die höchsten regionalen Unterschiede bei der Arbeitslosigkeit unter den untersuchten OECD-Mitgliedsstaaten auf. "Möglicherweise spielt das relativ zentralisierte deutsche Lohnverhandlungssystem, bei dem Löhne weitgehend von wirtschaftlichen Bedingungen in prosperierenden Branchen und Regionen beeinflusst werden, auch eine Rolle."

Der Beschäftigungsausblick belegte einmal mehr, dass Deutschland besonders mit der Langzeitarbeitslosigkeit zu kämpfen hat: "Mehr als die Hälfte aller Arbeitslosen suchten bereits seit über einem Jahr nach Arbeit - verglichen mit weniger als einem Drittel im OECD-Durchschnitt."

Die OECD betont in dem Bericht die Bedeutung des Prinzips "Fördern und Fordern", um Arbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen. Dazu gehörten eine intensive Beratung, Unterstützung bei der Arbeitssuche und die verpflichtende Teilnahme an Beschäftigungsprogrammen nach einer bestimmten Zeit der Arbeitslosigkeit. Länder wie Dänemark, die Niederlande und Großbritannien hätten damit Erfolg gehabt. Vor allem aber müssten die finanziellen Anreize zur Arbeitsaufnahme richtig gesetzt werden. "Die OECD-Untersuchung ergibt zum Beispiel, dass die Zahlung eines Bonus bei Arbeitsaufnahme und Formen eines 'Kombi-Lohns', der fortgesetzte finanzielle Unterstützung nach Arbeitsaufnahme anbietet, wirksame Maßnahmen darstellen können", so die OECD. In Deutschland hat sich vor allem die CDU für ein Kombi-Lohn-Modell ausgesprochen.

In ihrer Prognose erwartet die OECD für das laufende Jahr in Deutschland einen leichten Anstieg der Beschäftigung um 0,6 Prozent in diesem und 0,8 Prozent im kommenden Jahr. Die Bundesregierung sieht sich durch den Bericht bestätigt. "Auch der Blick von außen zeigt: Deutschland ist auf Wachstumskurs", sagt Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD).

Reuters / Reuters
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