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Arbeitsplätze: Jobmotor Mittelstand gerät ins Stottern

Deutsche Firmen wollen einer Studie zufolge die Verlagerung von Stellen ins Ausland in den nächsten Jahren forcieren.

Der Jobmotor Mittelstand gerät Studien ins Stottern: Knapp zwei Millionen Arbeitsplätze in Deutschland, vor allem im Mittelstand, sind von der Verlagerung ins Ausland bedroht, berichtet der Verband der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie (VBM). Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) warnt indessen vor sinkenden Investitionen; dies bremse die Entstehung neuer Jobs. Der Mittelstand beschäftigt den Angaben zufolge rund 26,6 Millionen Menschen - das sind drei Viertel aller Erwerbstätigen.

VBM-Hauptgeschäftsführer Stephan Götzl bezeichnet die geplanten Stellenverlagerungen des Mittelstands als erschreckend: Allein bei Firmen mit einem Umsatz von bis zu 40 Millionen Euro sei in den kommenden fünf Jahren mit einer Steigerung um 500 Prozent zu rechnen, zitiert Götzl aus einer Studie, die der Verband bei der Technischen Universität München in Auftrag gegeben hat.

Investitionen kleinerer und mittlerer Firmen nehmen weiter ab

Danach wurden bisher jährlich rund 100.000 Industrie-Jobs aus Deutschland abgezogen. Bis 2009 werde die Zahl vermutlich auf 135.000 bis 177.000 pro Jahr ansteigen. Mit jeder verlagerten Stelle verschwinden laut Studie 1,7 weitere in Dienstleistung und Handwerk. Während früher hauptsächlich Jobs in der Produktion ins Ausland gingen, seien in jüngster Zeit zunehmend Stellen in Forschung und Entwicklung, Service oder Verwaltung betroffen. Knapp jede zehnte verlagerte Stelle komme derzeit nach Deutschland zurück.

Laut KfW-Chef Hans Reich entstehen neue Jobs vor allem bei investierenden Mittelständlern. In diesen Betrieben wachse die Beschäftigung um etwa 3,5 Prozentpunkte stärker als in Firmen, die nicht investieren, heißt es im "Mittelstandspanel 2004", für das rund 15.000 Betriebe mit weniger als 500 Millionen Euro Jahresumsatz befragt wurden. Danach investierten kleinere und mittlere Unternehmen im vergangenen Jahr 190 Milliarden Euro, 2002 waren es noch mehr als 200 Milliarden Euro.

Fast jedes dritte westdeutsche Unternehmen investiert in Ostdeutschland

Laut KfW kamen 13 Prozent der geplanten Investitionen nicht zu Stande, weil die Kreditverhandlungen scheiterten. Lediglich 41 Prozent aller Mittelständler erhielten Geld von den Banken - große Betriebe weitaus häufiger als kleine. Hauptgrund für geplatzte Verhandlungen war den Angaben zufolge, dass die Mittelständler die geforderten Sicherheiten nicht vorweisen konnten.

Wenn Investitionen anstünden, würde fast jedes dritte westdeutsche Unternehmen Teile seiner Produktion in Ostdeutschland ansiedeln, wie eine Umfrage des TV-Magazins "exakt" aus dem Mitteldeutschen Rundfunk ergab. Niedrigere Lohnkosten, qualifizierte Mitarbeiter und staatliche Förderungen machten die jungen Bundesländer attraktiv.

Günstigere Standortbedingungen im Osten

Mehr als die Hälfte der rund 150 befragten Betriebe der Metall-, Elektro-, Chemie-, Kunststoff- und Keramikindustrie sah im Osten günstigere Standortbedingungen als im Westen. Nur 39 Prozent - und damit weniger als erwartet - konnten sich wegen der niedrigeren Lohnkosten eine Investition in Osteuropa vorstellen.

AP / AP