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Arbeitsrecht: Rote Karte für Olympia-TV

Viele Sportfans freuen sich auf die laufenden Übertragungen von den Olympischen Spielen aus China. Wegen der Zeitdifferenz fällt der Großteil davon in die Arbeitszeit - doch was heißt das für Arbeitnehmer? Neben einem verständnisvollen Chef hilft ein Blick ins Arbeitsrecht.

Bei den seit Freitag (8. August) laufenden Olympischen Spielen werden durch die Zeitverschiebung viele Entscheidungen tagsüber, also während der Arbeitszeit in Deutschland - fallen. Doch wie sollen sich Sportfans am Arbeitsplatz verhalten? Was darf der Chef in puncto TV-Konsum, Radio oder Internet seinen Angestellten vorschreiben? Und was ist auf jeden Fall verboten?

Für stern.de hat der Berliner Fachanwalt für Arbeitsrecht, Ulf Weigelt, die wichtigsten Fragen rund um Olympia während der Arbeitszeit beantwortet. Denn bei aller Sportbegeisterung - eines sollten Arbeitnehmer nicht vergessen: Das Arbeitsleben geht auch nach der WM weiter. Und dann sollte das Verhältnis zu Chef und Kollegen genauso gut sein, wie vor den Olympischen Spielen.

Karin Spitra, Ulf Weigelt

Darf ich mir die Übertragungen im TV ansehen?

Eigentlich nicht, denn im Job müssen Mitarbeiter ihren vertraglichen Arbeitspflichten nachkommen. Hinzu kommt: Wer bisher keinen Fernseher am Arbeitsplatz stehen hatte, wird sich auch wohl auch zu den Olympischen Spielen kein TV-Gerät ins Büro stellen dürfen.

Wer allerdings schon länger einen Fernseher am Arbeitsplatz hat, kann davon ausgehen, dass das Fernsehen auch während Olympia erlaubt ist. Der Chef darf allerdings zu den Sport-Übertragungen "Nein" sagen. Auch wer aus beruflichen Gründen die Nachrichten rund um die Uhr laufen hat, darf nicht einfach zu Olympia umschalten.

Eine Absprache mit dem Vorgesetzten kann jedoch helfen: Wer früher kommt und entsprechend "vorarbeitet", sollte keine Probleme bekommen. Wichtig ist jedoch, vorab eine Einigung zu erzielen und nicht eigenmächtig zu handeln.

Darf ich im Internet einen Live-Ticker verfolgen?

Wie beim Verfolgen der Spiele im TV kommt es auch beim Verfolgen der Spiele im Internet auf das Entgegenkommen des Chefs an. Wer es nicht übertreibt und die Übertragungen in Maßen 'genießt', sollte keine Probleme bekommen. Aber Vorsicht: Wenn der Arbeitgeber die private Nutzung des Internets grundsätzlich verbietet, ist auch Olympia am PC tabu.

Und wie ist es mit Olympia im Radio?

Was für Olympia im TV gilt, ist genauso auf das Radiohören am Arbeitsplatz anzuwenden: Die Arbeit hat immer Vorrang. Daneben können Arbeitnehmer wohl auch - selbstverständlich im Maßen - Übertragungen verfolgen. Voraussetzung: Eine ausdrückliche Erlaubnis des Arbeitgebers. Wurde schon bisher das Radiohören gestattet, kann von einer stillschweigenden Duldung ausgegangen werden - wenn die Arbeitsleistung nicht darunter leidet.

Wie sieht es mit einem Bierchen dazu aus?

Auf keinen Fall! Alkohol und private Trinkgelage haben am Arbeitsplatz nichts zu suchen. Wer seinen arbeitsvertraglichen Pflichten nicht mehr nachkommen kann, muss mit einer Abmahnung oder gar Kündigung rechnen.

Bei einer "lockeren" Geschäftsführung sollte ein Bier zwar kein Problem sein - aber nur, wenn anschließend nicht mehr gearbeitet wird! Denn wer zu viel trinkt, macht nicht den besten Eindruck. Wer sich taktisch klug verhält, achtet dabei außerdem auf das Trinkverhalten des Vorgesetzen.

Wer bestimmte Übertragungen mit einem (oder mehreren) Bierchen genießen will, sollte die sicherste Methode wählen und lieber Urlaub nehmen - oder die Drinks ganz auf die Freizeit verschieben.

Darf der Chef mir Olympia völlig verbieten?

Leider darf er das tatsächlich. Auch wenn kaum ein Chef seinen Mitarbeitern Olympia ganz verbieten wird. Wer auf einen Arbeitgeber stößt, der dafür kein Verständnis hat, sollte sich darum bemühen, mit einer akzeptablen Lösung auf seinen Chef zuzugehen. Sportbegeisterte könnten beispielsweise Überstunden abbauen und früher gehen. Allerdings funktioniert das nur, wenn nicht alle Mitarbeiter denselben Wunsch haben und ganze Abteilungen verwaisen. Schlechte Karten haben allerdings alle Mitarbeiter in Produktionsbetrieben und Schichtdiensten: Damit diese nicht lahm gelegt werden, kann es durchaus zu einem kategorischen "Nein" des Chefs kommen - und daran darf nicht gerüttelt werden.

Darf ich Tipp-Spiele - wie einen Medaillen-Spiegel - organisieren?

Auch hier ist Vorsicht geboten: Ein Organisieren während der Arbeitszeit ist nicht erlaubt. Dagegen kann so ein Tipp-Spiel aber vom Arbeitgeber nicht verboten werden, wenn es eine Privatsache ist und fern des Arbeitsplatzes geschieht. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte diese Aktivitäten auf die Arbeitspausen oder den Feierabend legen.