HOME

Arbeitszeit: Es wird weniger gearbeitet

Der Trend der letzten Jahre ist eindeutig: Die tatsächlich geleistete Arbeitszeit jedes Erwerbstätigen nimmt kontinuierlich ab. Die Gründe hierfür aber haben sich seit den seligen 70er Jahren vollkommen gewandelt.

Immer mehr Deutsche arbeiten immer weniger. So könnte man den Trend der letzten dreißig Jahre bezeichnen. Während jeder einzelne Erwerbstätige weniger arbeitet als noch im Jahr 1970, hat ihre Zahl dafür zugenommen. Das geht aus einer Berechnung des Statistischen Bundesamtes hervor, die gemeinsam mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Bundesanstalt für Arbeit (BA) vorgenommen wurde.

Nur 1976 war eine Ausnahme

Nach diesen Berechnungen wurden im Jahr 1970 durchschnittlich 1956 Arbeitsstunden von jedem Erwerbstätigen im früheren Bundesgebiet geleistet. Im Jahr 1991 waren es in den alten Ländern und Berlin-West 1 542 Stunden. Lediglich im Jahr 1976 kam es im früheren Bundesgebiet aus konjunkturellen Gründen zu einem leichten Anstieg der durchschnittlich geleisteten Arbeitszeit um 0,7% im Vorjahresvergleich.

Die Zahl der Arbeitsstunden verringerte sich nach der Wiedervereinigung nicht mehr so stark wie bis 1991. In den letzten zwölf Jahren ist die Zahl der durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen nur von 1 541 Stunden im Jahr 1991 um 98 Stunden auf 1443 Stunden im Jahr 2002 im gesamten Bundesgebiet gesunken

Mehr Teilzeit- und geringfügige Beschäftigung

Das Arbeitsleben hat sich auch in anderen Bereichen verändert. Es gibt heute wesentlich mehr Teilzeit- und geringfügige Beschäftigung. Dass die Arbeitszeit weiterhin abnimmt, hat aber heute andere Gründe als in den siebziger Jahren. Damals wurde die Wochenarbeitszeit gekürzt, der Urlaub verlängert und die Überstunden reduziert. Diese aus gegenwärtiger Perspektive fast paradiesischen Faktoren spielen heute keine Rolle mehr. Heute sind es konjunkturelle Einflüsse und tarifliche Angleichungsvorgänge in den neuen Ländern an das West-Niveau, die für die Verringerung der Arbeitszeit verantwortlich sind.

Seit 1991 hat sich das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen (Produkt aus Erwerbstätigenzahl und Arbeitszeit je Erwerbstätigen) in Deutschland bei einem schwachen Anstieg der Erwerbstätigkeit verringert. Der Rückgang fiel allerdings bei einer Zunahme der Erwerbstätigkeit von 38,5 Mill. Personen im Jahr 1991 auf 38,7 Mill. Personen im Jahr 2002 mit 3,5 Mrd. Stunden etwas schwächer aus als in den Jahren 1970 bis 1991.

Tim Schulze
Themen in diesem Artikel