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Krankenkassen-Report Hamburger besonders häufig wegen Depression krankgeschrieben

Depressionen werden heute besser erkannt als früher
Depressionen werden heute besser erkannt als früher
© Colourbox.com
Wo gibt es besonders viele Fehltage unter Erwerbstätigen wegen Depressionen? Und wo werden mehr Antidepressiva verordnet als anderswo? Ein Report liefert Zahlen.

Hamburg hat 2013 bundesweit die höchsten Fehlzeiten aufgrund von Depressionen verzeichnet. Das geht aus Daten des "Depressionsatlas Deutschland" hervor, den die Techniker Krankenkasse (TK) in Berlin vorstellte. In der Elbestadt entfielen demnach auf eine Erwerbsperson im Durchschnitt 1,42 Fehltage mit der Diagnose Depression. Auch in Schleswig-Holstein und Berlin lag der Anteil der arbeitsunfähig geschriebenen Versicherten um mehr als zehn Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

Baden-Württemberg wies dagegen mit durchschnittlich 0,84 Fehltagen die geringsten Fehlzeiten aufgrund dieser psychischen Erkrankung auf. Auch Bayern und Sachsen lagen bei den durch Depression verursachten Fehltagen um rund zehn Prozent oder noch mehr unter dem Bundesdurchschnitt.

Anders als bei Erkältungskrankheiten oder Rückenschmerzen seien von einer Depression weniger Menschen betroffen, schreibt die TK. Im Bundesdurchschnitt bekamen nur 1,6 Prozent der Erwerbstätigen eine solche Diagnose. Doch diejenigen, die es trifft, fallen lange aus - im Durchschnitt 64 Tage.

Betroffen seien vor allem Berufe mit hohem Stresslevel und großer psychischer Belastung. So gebe es in Callcentern durchschnittlich 2,8 Fehltage, in der Altenpflege 2,5, in Erziehungs- 1,6 und in Sicherheitsberufen 1,4 Fehltage.

Grundlage für den Depressionsatlas sind die Krankschreibungen von 4,1 Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen. Depressionen waren im Jahr 2013 demnach für 7,1 Prozent aller gemeldeten Fehltage verantwortlich. Von 2000 bis 2013 seien die Fehlzeiten aufgrund von Depressionen um fast 70 Prozent gestiegen, meldet die TK. Zugleich stieg der Anteil der Erwerbspersonen, die Antidepressiva verschrieben bekamen, um ein Drittel auf sechs Prozent.

Für ihre Studie hatte die TK erstmals lokale Daten ausgewertet. Dabei zeigte sich, dass sich die Betroffenenraten auch innerhalb der Bundesländer zum Teil deutlich unterscheiden. In Baden-Württemberg zum Beispiel lagen 2013 die Fehlzeiten aufgrund von Depressionen in Pforzheim, Rottweil und Mannheim höher als im Bundesdurchschnitt. Für Bayern wurden vor allem in östlichen Kreisen an der Grenze zu Tschechien, aber auch in Coburg überdurchschnittliche Diagnoseraten festgestellt.

Dass dort tatsächlich mehr Menschen unter Depressionen leiden, ist durch die Zahlen allerdings nicht gedeckt. Unterschiede in der ärztlichen Versorgung können etwa eine Rolle spielen. Einzelne Ärzte, die die Krankheit besser erkennen oder die Diagnose oft stellen, können die Zahlen in bestimmten Regionen in die Höhe treiben. Die Unterschiede sollten "zurückhaltend interpretiert werden", schreibt auch die TK im Report.

Besser erkannt

Psychisch bedingte Fehlzeiten würden zunehmen, so die TK. Auch die Verordnungsraten von Antidepressiva steigen. Doch daraus den Schluss zu ziehen, dass Depressionen mehr werden, ist nicht möglich. Große epidemiologische Studien zeigen über die Jahre hinweg keinen Anstieg der Krankheit. Ursache für die steigenden Zahlen könnte daher eher sein, dass Betroffene sich zunehmend trauen, über die Erkrankung zu sprechen - und diese nicht hinter körperlichen Ursachen wie chronische Rückenschmerzen oder Tinnitus verstecken. Die Diagnostik ist somit besser geworden. "Vieles, was früher unter somatischen Diagnosen verbucht wurde, wird heute als psychische Belastung identifiziert", sagt Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK.

Laut dem TK-Report haben sich sowohl bei den Krankschreibungen mit Depression als auch bei den Verordnungen von Antidepressiva im Laufe von 14 Jahren die Unterschiede zwischen den Bundesländern verringert. Dies könne auf eine Angleichung der Lebensumstände, aber auch auf eine Angleichung der diagnostischen und therapeutischen Strategien von Ärzten hindeuten.

AFP/DPA/lea DPA

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