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Ausbildungsberufe: DGB veröffentlicht Bestenliste

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat Auszubildenden eine Hiobsbotschaft gebracht. Laut einer Erhebung der Gewerkschafter geht der Aufschwung an den Lehrlingen weitgehend vorbei. In der neuen DGB-Bestenliste der Ausbildungsberufe sind einige Jobs deutlich abgerutscht.

In seinem Ausbildungsreport 2007 hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die Qualität der Lehrlingsausbildung in Deutschland beleuchtet. Ernüchterndes Ergebnis: Die gute Konjunktur- und Wirtschaftslage erreicht die Auszubildenen nicht. Der Bericht liefert einen Überblick, in welchen Berufen Jugendliche eine qualitativ hochwertige Ausbildung erhalten, und zeigt auf, wo es Mängel gibt. Gefragt wurde nach Ausbildungsinhalten, fachlicher Anleitung, Ausbildungszeiten, Überstunden und Vergütungen.

Kriterien für eine gute Ausbildung

"Mit dem Report wollen wir zeigen, dass es messbare Kriterien für eine gute Ausbildung gibt und man sich nicht mit einer schlechten Ausbildung abfinden sollte," sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock bei der Präsentation in Berlin. "Denn es geht um die Berufs- und Lebenschancen jedes Einzelnen. Das Motto 'Besser als nichts' taugt nicht für Arbeitsplätze und erst recht nicht für Ausbildung".

Dabei verwies Sehrbrock auf eine deutliche Verschlechterung im Vergleich zum Vorjahr. Wem es demnach gelang, auf dem engen Ausbildungsmarkt eine Stelle zu bekommen, der hatte deshalb noch lange keine Garantie auf eine gute Ausbildung. Zu den eklatantesten Mängeln gehörten eine ausbleibende Vergütung, fehlende Ausbildungsinhalte und fachliche Anleitung, dauerhafte Überstunden oder Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz. Hinzu kommt, dass sich Azubis, die gerade ihren Einstieg ins Berufsleben vollziehen, oft kaum gegen die Missstände wehren können und Angst haben, durch Beschwerden ihren Ausbildungsplatz zu gefährden.

Überstunden nehmen zu

"42 Prozent der Auszubildenden geben an, regelmäßig Überstunden zu machen, im vergangenen Jahr sagten dies 'nur' 34,5 Prozent. Gleichzeitig können nur knapp 17 Prozent der Jugendlichen sicher sein, nach der Ausbildung übernommen zu werden, 2006 waren dies noch 22 Prozent", sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende. Positive Auswirkungen des wirtschaftlichen Aufschwungs machten sich bei den Auszubildenden nicht bemerkbar. "Jugendliche müssen länger arbeiten und ihre Zukunftsperspektiven bleiben ungewiss. Nach wie vor stagniert die Zahl der ausbildungsbereiten Unternehmen bei 23 Prozent", so Sehrbrock.

Doch es geht auch anders. Nach wie vor ist die überwiegende Anzahl der Befragten zufrieden mit der Qualität ihrer Ausbildung. Spitzenreiter in der Beurteilung sind dabei die Industriemechaniker. Hier stimmen sowohl fachliche Anleitung, Ausbildungsinhalte und Vergütung. Auch für die kaufmännischen Berufe trifft dies noch zu. Dafür gab es eine Überraschung bei den IT-Systemspezialisten, Fachinformatikern und Elektronikern. Lagen sie 2006 noch an der Spitze des Rankings, landeten sie in diesem Jahr nur im Mittelfeld. Vor allem die Fachinformatiker klagen über mangelnde fachliche Anleitung. Schlusslichter des Ausbildungsrankings sind Gastronomieberufe, Gärtner und Maler. Die Auszubildenden kritisieren mangelnde fachliche Anleitung, ausbildungsfremde Tätigkeiten sowie viele Überstunden.

Ausbilden darf mittlerweile jeder

Der DGB sieht vor allem "auf den letzten Plätzen" erheblichen Verbesserungsbedarf. Von zentraler Bedeutung seien dabei kompetente Ausbilderinnen und Ausbilder. Sehrbrock forderte, die Ausbildereignungsverordnung (AEVO) und damit die Pflicht, sich als Ausbilder zu qualifizieren, umgehend wieder in Kraft zu setzen. Sie war vor vier Jahren in der Hoffnung ausgesetzt worden, dass dies mehr Ausbildungsplätze bringen würde. Ausbilden kann seitdem jeder, der einen Berufsabschluss hat. "Das halten wir für unverantwortlich," so Sehrbrock. "Ausbilderinnen und Ausbilder müssen mehr können als ihren Beruf."