Ausbildungsplätze Mehr Flexibilität, weniger Zwang


Dieter Hundt, Präsident der Arbeitgeberverbände, fordert mehr betriebliche Flexibilität in Sachen Ausbildungsvergütung. Währenddessen werben die Handelskammern bei Unternehmen um Ausbildungsplätze.

Die deutsche Wirtschaft will bis Jahresende zusätzliche Lehrstellen schaffen. Das kündigte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, in einem Gastbeitrag für die Regionalausgaben der 'Bild'- Zeitung an. Der Präsident der Arbeitgeberverbände, Dieter Hundt, sprach sich unterdessen dafür aus, Möglichkeiten zur Absenkung der Lehrlingsvergütung zu schaffen.

Allein seit Jahresbeginn hätten die Industrie- und Handelskammern rund 300 000 Betriebe in Deutschland angesprochen, schreibt der DIHK- Präsident. "Trotz des konjunkturellen Gegenwinds konnten knapp 10.000 neue Ausbildungsbetriebe gewonnen und 18.000 neue Ausbildungsplätze geschaffen werden".

Betriebe wollen, Jugendliche sollen flexibler sein

Hundt hatte am Sonntagabend in der ARD-Sendung 'Sabine Christiansen' betriebliche Öffnungsklauseln in den Tarifverträgen gefordert: "Ich plädiere für betriebliche Regelungsmöglichkeiten, dass in Einzelfällen auch darüber diskutiert werden kann in einem Unternehmen, wenn zusätzliche Ausbildungsplätze einmalig angeboten werden, ... mit den Belegschaften gegebenenfalls auch Absenkungen in der Ausbildungsvergütung beschlossen werden können", sagte er.

Der Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, Rezzo Schlauch (Grüne), forderte in der Sendung von den Jugendlichen selbst Flexibilität bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Grundsätzlich sei ein Ausbildungsplatz in der Heimatregion zwar anzustreben, doch die Priorität habe die Lehrstelle. Er forderte gleichzeitig unterstützende Rahmenbedingungen wie betreutes Wohnen durch gesellschaftliche Träger wie zum Beispiel die Kirchen. Handwerkspräsident Dieter Philipp in der Talshow, dass die derzeitigen Regelungen zu einer Qualifizierung in einem sehr schmalen Bereich führen würden, doch gebraucht werde etwas anderes: "Wir brauchen gestufte Ausbildungen, wir brauchen veränderte Strukturen mit neuen Angeboten für die unterschiedlich qualifizierten Jugendlichen, damit sie eine anständige Startrampe haben."

Diskussion über Zwangsabgabe kontraproduktiv

Der baden-württembergische Wirtschaftsminister, Walter Döring (FDP), und Arbeitgeberpräsident Hundt forderten beide ein Ende der Diskussion über die Ausbildungsplatzabgabe. "Dies ist direkt kontraproduktiv, indem uns Firmen, die wir ansprechen, sagen, da warte ich doch lieber bis zum nächsten Jahr", sagte Hundt bei Sabine Christiansen.


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