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Bundesagentur für Arbeit: Ein-Euro-Jobs drücken Arbeitslosenzahl

Um rund 103.000 ist die Zahl der Arbeitslosen im Juni gesunken. Die Bundesagentur für Arbeit hat außerdem Zahlen zur Ausbildungsplatzsituation veröffentlicht - und die sehen schlimm aus.

Die Frühjahrsbelebung und der verstärkte Einsatz von Ein-Euro-Jobs haben die Zahl der Arbeitslosen im Juni um 103.000 auf 4,7 Millionen sinken lassen. Der Abbau regulärer Arbeitsplätze habe sich dagegen weiter verstärkt, sagte der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, am Donnerstag in Nürnberg. Konjunkturelle Impulse hätten keine Rolle gespielt. Überdurchschnittlich stark ging die Jugendarbeitslosigkeit zurück. Das sei ein erster Erfolg von Hartz IV, sagte Weise.

Ein-Euro-Jobs retten die Statistik

"Erfreulich ist, dass die intensivere Betreuung von jungen Arbeitslosen zu wirken beginnt", kommentierte der BA-Chef den saisonbereinigten Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit um 19.000. Normalerweise würde die Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen im Juni steigen. Hartz IV hatte die Fördermöglichkeiten erweitert.

Rein statistisch habe sich Hartz IV auch auf die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl deutlich positiv ausgewirkt, sagte der stellvertretende BA-Chef Heinrich Alt. Dass es hier einen Rückgang um 23.000 gebe, sei vor allem auf die Ausweitung der Ein-Euro-Jobs auf derzeit knapp 200.000 zurückzuführen. "Das Angebot von Zusatzjobs hat den Rückgang bei anderen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen überkompensiert", sagte Alt.

Abbau regulärer Jobs bereitet Sorgen

Auch der erneute Anstieg bei der Zahl der Erwerbstätigen im Mai saisonbereinigt um 4.000 sei auf mehr Ein-Euro-Jobs zurückzuführen. Nicht saisonbereinigt stieg die Erwerbstätigenzahl kräftig um 139.000 auf 38,98 Millionen. Dies ist allerdings vor allem auf den verstärkten Einsatz von Ein-Euro- und Mini-Jobs sowie Ich-AGs zurückzuführen. "Ohne die Ausweitung der Zusatzjobs wäre die saisonbereinigte Erwerbstätigkeit gesunken", sagte Weise. Mit Sorge sehe er den fortgesetzten Abbau regulärer Jobs in Deutschland. "Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung entwickelt sich weiter ungünstig", warnte Weise. Die Zahl sozialversicherungspflichtiger Jobs habe im April um 333.000 unter Vorjahreswert gelegen.

Die offizielle Statistik der BA wies für den Juni 471.000 Arbeitslose mehr aus als vor einem Jahr. Verzerrt wird diese Zahl allerdings durch derzeit 330.000 Hartz-IV-Empfänger, die erst seit Jahresbeginn neu im Zahlenwerk der BA auftauchen. Ohne den Hartz-IV-Effekt hätte die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um rund 140.000 zugenommen.

Keine Entwarnung auf dem Lehrstellenmarkt

Im Westen Deutschlands wurden 3,117 Millionen Arbeitslose gezählt, der Rückgang betrug hier 53.000. Für Ostdeutschland weist die Juni-Statistik 1,587 Millionen Erwerbslose aus, 50.000 weniger als im Mai. Die Arbeitslosenquote für Gesamtdeutschland fiel um 0,3 Punkte auf 11,3 Prozent. Im Jahresdurchschnitt rechnet die BA laut Alt mittlerweile mit 4,8 Millionen Arbeitslosen. Im Jahresverlauf würden wohl rund 80.000 Hartz-IV-Empfänger aus so genannten Optionskommunen mitgezählt, die Langzeitarbeitslose in Eigenregie betreuen. Mangels verwertbarer Daten ist die BA bei dieser Zahl derzeit noch auf Schätzungen angewiesen.

Nach wie vor keine Entwarnung gab Alt für den Lehrstellenmarkt. So hätten die Betriebe bisher rund 10 Prozent weniger Ausbildungsplätze gemeldet als vor einem Jahr. Grund sei vor allem der Rückgang betrieblicher Ausbildungsstellen. Die Zahl der gemeldeten Bewerber lag mit 636.500 dagegen nur wenig unter dem Vorjahreswert.

Ausbildungsmarkt immer schlechter

Im Juni zählten 286.200 Bewerber als noch nicht vermittelt, auf der anderen Seite gab es nur noch 102.700 freie Ausbildungsstellen. Die rechnerische Differenz zwischen unbesetzten Ausbildungsplätzen und nicht vermittelten Bewerbern ist laut BA bundesweit im Juni erstmals signifikant größer als vor einem Jahr. "Wir müssen erhebliche Anstrengungen unternehmen, um im September unter die Lücke des Vorjahres von 30.000 zu kommen", betonte der BA-Vize.

Die Zahl der von Oktober 2004 bis Juni 2005 gemeldeten Ausbildungsplätze liege mit 388.900 um zehn Prozent unter dem Vorjahreswert. Gegenwärtig zeichne sich ab, dass sich die rechnerische Lücke zwischen Ausbildungsstellen und Bewerbern Ende September etwa auf dem Niveau des Vorjahres bewegen dürfte. Allerdings könne dies durch die Anstrengungen der Partner im Ausbildungspakt noch positiv beeinflusst werden, hieß es.

AP/AP

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