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Burnout : Paula arbeitet 80 Stunden. Und brennt aus. Ihre Tipps gegen eine "Tortur", die niemand erleben sollte

Pflichtbewusstsein, Druck, Stress - irgendwann wächst Paula Bellostas Muguerza ihr Job über den Kopf, sie arbeitet rund 80 Stunden pro Woche. Privatleben und Gesundheit leiden. Nun warnt sie vor den Folgen. 

Burnout: Paula hat 80 Stunden pro Woche gearbeitet. Nun warnt sie alle vor den fatalen Folgen

Ein Burnout hat Paula Bellostas Muguerza aus der Bahn geworfen - bis zu ihrem Comeback war es ein langer Weg (Symbolbild)

Picture Alliance

Wer die Geschichte von Paula Bellostas Muguerza hört, beginnt erst einmal diese Zahl im Kopf zu wälzen: 80. Rund 80 Stunden pro Woche hat die Managerin einer Beratungsfirma für ein halbes Jahr gearbeitet. In einer Woche sind das rund elfeinhalb Stunden pro Tag. Auf fünf Tage gerechnet sogar 16 Stunden.

Oder in Worte gefasst: Paula Bellostas Muguerza hat beinahe pausenlos gearbeitet.

"Ich war viel unterwegs, quer durch Europa und die USA, war in der Woche in zwei bis drei Städten und habe am Wochenende von London aus gearbeitet", erzählt die Managerin dem Nachrichtenportal "indy100". "Mein Tag hat meistens um 6 Uhr Morgens mit einer Telefonkonferenz begonnen, während ich auf dem Weg ins Büro war." Einige Stunden und zahlreiche Meetings später habe Paula Bellostas Muguerza dann angefangen, ihre eigentliche Arbeit zu machen, die während der zahllosen Termine auf dem Schreibtisch liegen geblieben ist. Zu Hause. Zwischen Elf Uhr Abends und zwei Uhr in der Nacht. "In meinem Beruf ist kein Tag wie der andere, aber wenn ich dieses Leben in einem Wort beschreiben müsste, wäre es wohl 'intensiv'." Und dann wurde es gefährlich.

Der Anfang ...

Paula Bellostas Muguerza wird ins Krankenhaus eingeliefert. Der Verdacht: Schlaganfall. "Aber es wurde keine Blutung festgestellt", erinnert sie sich. Drei Neurologen stellen nach einigen Untersuchungen schließlich fest, dass sie eine seltene Form von Migräne hat. "Ich habe mehr als 15 Migräne-Attacken pro Monat gehabt", erzählt sie. Der Grund, kurz gesagt: ihre Arbeit. 

Ihr wird obendrein ein Genfehler diagnostiziert, der sie sozusagen anfällig für die Migräne-Attacken macht. Das ist Fluch und Segen zugleich: Dieses Handicap wird erst durch einen Auslöser aktiv, sozusagen geweckt - in ihrem Fall durch das hormonelle Ungleichgewicht an Adrenalin und Cortisol, das Paula Bellostas Muguerza durch die Dauerbelastung im ausgeschüttet hat. "Ich habe mir durch meine Unfähigkeit, Nein zu sagen, zu viel aufgeladen", sagt sie heute.

... vom Ende ...

Ihr Pflichtbewusstsein wurde zu einem Problem. "Ich habe mir immer mehr aufgeladen, wollte niemanden im Stich lassen oder Schwäche zeigen und so habe ich einfach weitergemacht", so Paula Bellostas Muguerza, "auch wenn ich wusste, dass es so nicht weitergehen kann." Das sei nicht nur in ihrer Branche ein häufiges wie fatales Denkmuster, das nicht selten in einem sogenannten Burnout gipfelt. Auch sie habe oft mit dem Feuer gespielt, erzählt sie. Wirklich ernst hat sie es nicht genommen. Bis auch sie ausbrannte.   

... und das Comeback nach dem Burnout

Wofür sie wirklich brennt, abseits der Arbeit, hat Paula Bellostas Muguerza erst lernen müssen. Sie sucht sich medizinische Hilfe, nimmt die Dienste von Psychologen und Neurologen in Anspruch. Ein kräftezehrendes Lernen, das sie aber wieder in die Bahn bringt. Nun warnt sie vor dem fatalen Lebensstil, den sie eine Zeit lang führte, sodass "sich andere und die Menschen, die sie lieben, diese Tortur gar nicht erst antun müssen." 

Auf Instagram kokettiert sie als "bournoutgirl" etwa mit "Work Harder"-Bildern, um im Begleittext vor Burnout zu warnen. Sie engagiert sich in der "Wellbeing in the City"-Kampagne, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Und erzählt nicht zuletzt in "indy100" die ungeschönte Wahrheit über ihre Erfahrungen.

Nun Paula Bellostas Muguerza wieder "back in business", wie sie sagt. Und hat eine wichtige Botschaft an alle, die sich überarbeitet haben oder es immer noch tun. "Ich habe immer vier Dinge im Auge: Bewegung, Ernährung, Erholung und meine Denkweise. Vor allem meine Denkweise." Man solle sich Grenzen setzen und lernen "nein" zu sagen, ohne sich gleich schuldig zu fühlen. "Das war ein großer Gewinn für mich", sagt sie. "Sprich mit deiner Familie, deinen Freunden und deinen Arbeitgeber. Ich habe mir selbst viel Schaden hinzugefügt, in dem ich die 'Wie geht es dir?'-Frage immer mit 'Mir geht es gut' abgehakt habe, obwohl ich schon ausgebrannt war." Hätte sie den Mut gehabt etwas zu sagen, sei sie heute vielleicht an einem ganz anderen Ort, sagt sie.

Offenbar ist Paula Bellostas Muguerza mit diesem neuen Dreisatz besser unterwegs.

fs
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