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Deutsche Bahn: Die Signale stehen auf Streik

Die Bahn hat ihren Beschäftigten im Tarifstreit zwei Prozent mehr Lohn und eine Einmalzahlung von 300 Euro angeboten. Zwei Gebwerkschaften lehnten dies als "Almosen" ab. Die Lokführergewerkschaft nimmt gar nicht erst an den Gesprächen teil - sie droht gleich mit Warnstreiks.

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn wird die Zeit für eine Einigung ohne Arbeitskampf knapp. In der zweiten Verhandlungsrunde für rund 134.000 Beschäftigte des Konzerns legte das Unternehmen ein erstes Angebot vor, das von den Gewerkschaften Transnet und GDBA aber als "Almosen" zurückgewiesen wurde. "Die Arbeitgeber provozieren geradezu Streit", sagten die Verhandlungsführer von Transnet und GDBA, Alexander Kirchner und Heinz Fuhrmann, in Frankfurt. Die Friedenspflicht endet 30. Juni. Die Lokführergewerkschaft GDL, die nicht an den Gesprächen teilnimmt, erneuerte unterdessen ihre Drohung mit baldigen Warnstreiks bereits Anfang Juli.

Die Bahn bot an, die Entgelte der gut 134.000 Beschäftigten von Januar 2008 an um zwei Prozent zu erhöhen. Von Juli 2009 an soll es nochmals eine Anhebung von zwei Prozent geben. Von Juli bis Dezember 2007 sieht das Angebot eine Einmalzahlung von 300 Euro vor. Die Laufzeit soll 30 Monate betragen. "Wir wollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am wirtschaftlichen Erfolg beteiligen", sagte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale. Nun müssten sich die Gewerkschaften bewegen. "Mit den bundesweit höchsten Forderungen in der laufenden Tarifrunde werden sonst Arbeitsplätze gefährdet", sagte Suckale.

"Almosen verhöhnen die Beschäftigten"

Die Gewerkschaften nannten das Angebot nicht einigungsfähig. "Solche Almosen verhöhnen die Beschäftigten", hieß es mit Hinweis auf die Rekordbilanz der Deutschen Bahn. Transnet und GDBA fordern sieben Prozent mehr Geld. Ihren Angaben zufolge beinhaltet das Angebot zudem eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 40 Stunden ohne Lohnausgleich. Zudem sollen Teile des noch laufenden Tarifvertrages mit der aktuellen Einkommensrunde vermengt werden. Dies sei ebenso undenkbar wie weitere Zugeständnisse der Mitarbeiter.

Ein neuer Verhandlungstermin wurde nicht vereinbart. Die Bahn strebt aber noch vor Ablauf der Friedenspflicht am 30. Juni ein weiteres Gespräch an, wie ein Sprecher sagte. Das Unternehmen wolle weiterhin streikfrei zu einem Tarifabschluss kommen.

GDL fordert eigenen Tarifvertrag

Unterdessen bekräftigte die kleinere Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), die einen eigenen Tarifvertrag für das fahrende Personal fordert und nicht mit am Verhandlungstisch sitzt, ihre Drohung mit Arbeitsniederlegungen in der kommenden Woche. "Der Streik ist praktisch nicht mehr abwendbar", sagte GDL-Chef Manfred Schell im ARD-Morgenmagazin. An 2. Juni solle öffentlich über Einzelheiten informiert werden. "Wir werden sagen, wann wir was zu welcher Stunde tun, damit die Bahnkunden sich darauf einstellen."

Die GDL fordert einen eigenen Tarifvertrag mit Einkommenserhöhungen um bis zu 31 Prozent. Die Bahn besteht auf dem Prinzip der Tarifeinheit, das heißt, sie will keinen Spartentarifvertrag mit der GDL abschließen. "Die GDL will die Spaltung der Belegschaft herbeiführen", kritisierte Suckale. Die Streikdrohnungen seien "unverantwortlich". Die GDL habe alle Gesprächsangebote über die Entlohnung abgelehnt und versuche nun, "ohne Verhandlungen auf dem Rücken der Kunden ihre Interessen durchzuboxen".

DPA / DPA