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Ein Monat AEG-Streik: Hoffen auf neue Verhandlungen

Seit genau einem Monat streiken die 1700 Beschäftigten im Nürnberger AEG-Stammwerk - und führten beim Hausgerätehersteller zu drastischen Umsatzeinbrüchen. Nun beginnt die sechste Gesprächsrunde - ohne Erfolgsgarantie.

Einen Monat nach Beginn des Streiks im Nürnberger AEG-Stammwerk ruhen die Hoffnungen der 1700 Beschäftigten auf der für den 20. Februar angesetzten sechsten Verhandlungsrunde. Unklar war jedoch, ob die bis Dienstag anberaumten Gespräche einen Durchbruch in dem Konflikt um einen Sozialtarifvertrag bringen könnten. Die Beschäftigten im Hauptwerk, das bis Ende 2006 geschlossen werden soll, sind seit dem 20. Januar im Ausstand.

Streik beeinflusst Kaufverhalten

Die Proteste der AEG-Mitarbeiter führen bei dem Hausgerätehersteller nach einem Bericht des Magazins "Focus" unter Berufung auf Fachhandelskreise zu drastischen Umsatzeinbrüchen. Demnach ist in den deutschen Elektro-Fachmärkten der Absatz mit dem in Nürnberg gefertigten AEG-Sortiment - Waschmaschinen, Geschirrspüler und Trockner - inzwischen um gut ein Drittel eingebrochen. Entscheidend seien die Sorge um eventuelle Ersatzteile und Lieferengpässe als Folge des Streiks. Das Magazin zitiert Fachhändler mit dem Satz: "Kunden unterscheiden nicht zwischen Verlagerung und Geschäftsaufgabe." Patriotische Gründe wegen des Jobabbaus würden nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Die IG Metall beharrte vor der Verhandlungsrunde auf einem deutlich verbesserten Abfindungsangebot der AEG-Mutter Electrolux. Sollte sich der schwedische Konzern inhaltlich nicht bewegen, "dann sind die Gespräche nach spätestens zwei Stunden beendet", hatte der Nürnberger IG Metall-Streikleiter Jürgen Wechsler angekündigt.

Electrolux-Verhandler hat alle Vollmachten

Zuversichtlich stimmt die IG Metall, dass mit dem Europa-Chef von Electrolux, Horst Winkler, nun endlich ein mit allen Vollmachten des Konzerns und der schwedischen Industriellen-Familie Wallenberg ausgestatteter Verhandlungspartner am Tisch sitze. Deshalb sehe man eine "Chance", die festgefahrene Situation aufzubrechen, betonte Streikleiter Wechsler.

Mit der Entscheidung Winklers, nun erst einmal die Verhandlungen über das AEG-Stammwerk vorzuziehen und die Suche nach Lösungen für die Beschäftigten der vier ausgegründeten GmbHs nachrangig zu behandeln, hatte der Electrolux-Manager Ende der Woche Überraschung ausgelöst. Ein Electrolux-Sprecher begründete den Meinungsumschwung damit, dass die Positionen in der Frage des bestreikten Werkes noch weiter auseinander lägen als bei den Service-Sparten. Deshalb müsse dort mehr Zeit investiert werden.

Sozialplan soll Älteren drohende Arbeitslosigkeit versüßen

Im bisherigen Tauziehen um einen Sanierungstarifvertrag hatte Electrolux rund 100 Millionen Euro angeboten. Die Gewerkschaft hatte dies als "billigen Abklatsch" früherer Sozialpläne zurückgewiesen und stattdessen das Vierfache gefordert. Die Mittel sollten vor allem älteren Beschäftigten ab 50 Jahre in Form großzügiger Vorruhestandsregelungen zugute kommen. Denn diese Gruppe habe auf dem Nürnberger Arbeitsmarkt keine Chance, eine neue Stelle zu finden.