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FÜHRUNGSBERATER: »Vertrauen ist die Garantie für Unternehmens-Erfolg«

Das Wichtigste bei der Unternehmensführung ist nicht etwa der stimmige Finanzplan, sondern das Vertrauen in die Mitarbeiter. Wer als Chef nicht mit offenen Karten spielt, verliert.

Misstrauen beginnt schon beim Bewerbungsgespräch. »In möglichst kurzer Zeit viel aus dem Bewerber herausbekommen«, das ist die Devise mit der bereits bei Vorstellungsgesprächen die Misstrauensexzesse beginnen. Der Führungsberater und Bestsellerautor Reinhard K. Sprenger bringt die »Notwendigkeit des Vertrauens« in seinem neuen Buch auf den Punkt. »Vertrauen führt - worauf es im Unternehmen wirklich an kommt«, so der Titel des Werkes, das jetzt beim deutschen Campus Verlag erschienen ist. Sprenger beschreitet auch in diesem Buch wieder einen Weg, der vielen herkömmlichen Führungskonzepten widerspricht.

Vertrauen ist die Zukunft

»Macht und Geld funktionieren für jedermann wahrnehmbar, aber nicht mehr so, wie sie es über Jahrzehnte hinweg taten«, so der Führungsberater, der für die 100 größten Unternehmen Deutschlands tätig war. »Vertrauen ist das Thema der Zukunft: globalisierte, schnelle Märkte, flexible Arbeitsstrukturen und virtuelle Organisationsformen - so sieht das Szenario der Zukunft aus, das in manchen Unternehmen schon Realität geworden ist«, so Sprenger. »Die Gesellschaft der Zukunft ist zum Vertrauen verurteilt«, meint der Philosoph Peter Sloterdijk.

Mitarbeiter werden verdächtigt

Der Titel »Vertrauen führt« spiele daher mit der Dreifaltigkeit des Verbs: Erstens ist Vertrauen das Erste (und in gewisser Weise auch das Einzige), worauf es im Unternehmen ankomme; zweitens ist es die Basis der Mitarbeiterführung und führt - drittens - zu Werten, die ohne Vertrauen ungehoben bleiben. So erklärt Sprenger die Notwendigkeit des Vertrauens. »Viele Unternehmen sind reine Verdachtsorganisationen.« Aus Misstrauen erlassen Führungskräfte bibeldicke Manuale, um auch noch die kleinste Rolle im Unternehmen festzuzurren. »Sie glauben nicht, dass Menschen gute Arbeit machen wollen«, so Sprenger weiter.

Chefs werden zu Überwachern

Eine tiefsitzende Unsicherheit, die sich rational maskiert, macht Führungskräfte zu Ordnungskräften, Manager zu Polizisten, die Kontrollspannen überblicken. Sie vertrauen nicht dem selbstgesetzten Qualitätsanspruch der Mitarbeiter. Sie sind extrem zurückhaltend, wenn es darum geht, die Mitarbeiter ihre eigenen Wege zum Ziel finden zu lassen, so der Autor. Überall mangelt es an Glaubwürdigkeit: Der Informationspolitik des Hauses wird mit großer Skepsis begegnet. »Das gilt für die Zukunft der Firma, die finanzielle Situation, die Personalpolitik und auch geplante Umstrukturierungen«, bemängelt Sprenger. »Es wird nicht mit offenen Karten gespielt«, beschreibt Spenger die Situation in Unternehmen.

Einfaches Rezept

Die Essenz kompetenter Führung und damit die Garantie für den anhaltenden Erfolg eines Unternehmens ist Vertrauen. Diese Antwort scheint überraschend einfach zu klingen. »Doch für den Manager steht dabei Einiges auf dem Spiel. Macht er Vertrauen zum zentralen Führungsprinzip, muss er Macht und Kontrolle abgeben können und – vielleicht am schmerzlichsten – bereit sein, sich von seinen Mitarbeitern auch abwählen zu lassen«, so Sprenger. »Aber zu gegenseitigem Vertrauen gibt es keine Alternative. Nur wer sich auf das Abenteuer Vertrauen einlässt, erreicht die entscheidenden Wettbewerbsvorteile für zukünftige Erfolge: Kostenminimierung, Schnelligkeit, Innovation«, so der Wissenschaftler.

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