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Gehaltsbiografien: So unterschiedlich viel verdienen wir im gesamten Berufsleben

Wieviel mehr verdient der Meister als der Geselle? Die kinderlose Karrierefrau als die Working Mom? Der Dauerarbeiter als der vorübergehend Arbeitslose? Ein Gehaltsportal zeigt, wer aufs gesamte Berufsleben gesehen wie viel verdient.

Gehaltsbiografien

Wieviel verdienen wir im gesamten Berufsleben? Und von welchen Faktoren hängt dies ab?

Getty Images

Wer Gehälter vergleicht, betrachtet in der Regel Monats- oder Jahreseinkommen. Das ist aber immer nur eine Momentaufnahme, denn im Laufe des Berufslebens verändert sich das Gehalt teils erheblich. Das Portal Gehalt.de hat für seine Studie "Gehaltsbiografie 2019" die Betrachtung daher erweitert – auf das gesamte Berufsleben.

Anhand typischer Erwerbsbiografien haben die Einkommensexperten analysiert, wer von Berufseinstieg bis Rente wie viel verdient. So werden nicht nur die Langzeit-Unterschiede zwischen verschiedenen Berufen deutlich. Es gibt auch Antworten auf weitere interessante Fragen: Welche Faktoren im Lebenslauf sorgen für die größten Unterschiede? Wie stark wirken sich Kinderpausen und vorübergehende Arbeitslosigkeit aufs Gehalt aus? Wieviel mehr hat der Meister am Ende des Berufslebens verdient als der Geselle, wie viel mehr die Führungs- als die Fachkraft?

Grundlage der Rechenbeispiele sind mehr als 200.000 Vergütungsdaten des Gehaltsportals. Betrachtet wird die Spanne zwischen dem 20. und 60. Lebensjahr, da darunter und darüber zu wenige Daten vorhanden sind. Die fünf spannendsten Erkenntnisse und Rechenbeispiele.

1. Was die Berufswahl ausmacht

Einen großen Einfluss auf das Lebenseinkommen hat – wenig überraschend – die Wahl des Berufes. Doch wer nur auf die Einstiegsgehälter schaut, erfasst die Dimensionen nicht. Zum einen kumulieren sich natürlich auch kleine Unterschiede über viele Jahre. Zum anderen gibt es in manchen Berufen größere Chancen auf Gehaltssprünge als in anderen. So verdienen etwa Softwareentwickler laut den Daten von Gehalt.de zu Beginn des Berufslebens mit 20 Jahren "nur" rund 7000 Euro pro Jahr mehr als Altenpfleger. Doch während Softwareentwickler ihr Jahresgehalt im Laufe des Berufslebens etwa verdoppeln können, verharren Altenpfleger fast auf dem Ausgangsniveau. So steht nach 40 Jahren Arbeit nur ein halb so hohes Lebenseinkommen zu Buche (siehe Tabelle).

Beruf

Gehalt mit 20

Gehalt mit 60

Lebenseinkommen

Altenpfleger/-in

28.600 Euro

31.400 Euro

1,27 Mio Euro

Elektroniker/-in

32.400 Euro

42.100 Euro

1,57 Mio Euro

Bankkauffrau/-mann

36.400 Euro

63.600 Euro

2,27 Mio Euro

Softwareentwickler/-in

35.800 Euro

71.900 Euro

2,39 Mio Euro

2. Kind und Karriere

Wer Kinder bekommt, muss beruflich zumindest vorübergehend kürzer treten. Was das auf dem Lohnzettel ausmacht, haben die Gehaltsexperten anhand der Lebensläufe dreier fiktiver Einzelhandelskauffrauen durchgerechnet. Im ersten Szenario beginnt die Frau mit 20 Jahren Vollzeit zu arbeiten und tut dies ohne Unterbrechungen bis zum Ende des 60. Lebensjahres. Sie wechselt dabei weder das Unternehmen noch die Position innerhalb der Firma. Unterm Strich kommt sie auf ein Lebenseinkommen von 1,25 Millionen Euro.

Einzelhandelskauffrau Nummer 2 startet ebenfalls mit 20 in den Beruf, bekommt aber mit Anfang 30 ein Kind, bezieht ein Jahr Elterngeld und arbeitet danach in Teilzeit, wobei hier ein Gehalt in Höhe von 75 Prozent des vorherigen Einkommens angesetzt wird. Mit 45 Jahren beginnt die Mutter wieder voll zu arbeiten und erzielt das gleiche Einkommen wie Kandidatin Nummer 1. Ihr Lebenseinkommen mit 60 Jahren beträgt rund 1,14 Millionen Euro. Das ist nicht viel weniger als die kinderlose Kollegin, zumal hier nur Bruttobeträge berücksichtigt sind und die Mutter netto eher besser gestellt sein sollte.

Ganz anders sieht die Rechnung aus, wenn man annimmt, dass die kinderlose Einzelhandelskauffrau die Zeit nutzt, um den Karriereturbo zu zünden. Sie qualifiziert sich zur Fachwirtin weiter, wechselt die Firma, macht ein berufsbegleitendes BWL-Studium, steigt zur Führungskraft auf und wechselt nochmal in ein größeres Unternehmen. Durch die damit einhergehenden Gehaltssprünge kommt die Karrierefrau mit 60 Jahren auf ein Lebenseinkommen von 2,9 Millionen Euro – mehr als das Doppelte der beiden anderen Frauen. Natürlich sind dies nur schematische Lebensläufe und in der Realität gibt es auch jede Menge andere Modelle.

Einzelhandelskauffrau

Gehalt mit 20

Gehalt mit 60

Lebenseinkommen

Vollzeit

25.200 Euro

32.500 Euro

1,25 Mio Euro

Mutter*

25.200 Euro

32.500 Euro

1,14 Mio Euro

Karrierefrau

25.200 Euro

123.600 Euro

2,91 Mio Euro

*ein Jahr Elternzeit und 13 Jahre Teilzeit mit 30 Stunden

3. Risiko Arbeitslosigkeit

Natürlich können auch Phasen der Arbeitslosigkeit das Lebenseinkommen mindern. Wie stark, zeigt das Rechenbeispiel eines Straßenbauers, der mit 46 arbeitslos wird und nicht mehr in den Job zurückfindet. Er bezieht zunächst Arbeitslosengeld I und dann bis er 60 Jahre ist Hartz IV. Geht man von Hartz IV-Satz und Wohngeld für einen Single in Hamburg aus, hat er mit 60 Jahren fast 400.000 Euro weniger Lebenseinkommen als der Kollege, der bis 60 weitergearbeitet hat. Findet er nach drei Jahren Arbeitslosigkeit zumindest einen Job mit Mindestlohn verkleinert er die Differenz um rund 100.000 Euro.

Straßenbauer

Gehalt mit 20

Gehalt mit 60

Lebenseinkommen

Vollzeit

32.000 Euro

37.300 Euro

1,46 Mio Euro

Arbeitslos mit 46

32.000 Euro

11.000 Euro*

1,08 Mio Euro

Neuer Job mit 49

32.000 Euro

    1.  Euro**

1,18 Mio Euro

*Hartz IV plus Wohngeld; **Mindestlohn

4. Geselle und Meister

Auch wer bescheiden in einem Handwerksberuf startet, kann sich zu einem stattlichen Gehalt emporarbeiten, wie der Beispiel-Lebenslauf eines Mechatronikers zeigt. Mit 20 Jahren startet er als Geselle und einem Gehalt von 32.000 Euro, mit 30 Jahren macht er seinen Meister und verdient nun rund 44.000 Euro. Mit 40 übernimmt er zudem Personalverantwortung und steigt schließlich mit 45 Jahren zum Betriebsleiter einer Firma mit 50 Beschäftigten auf. Das katapultiert sein Gehalt auf mehr als 80.000 Euro. Im Alter von 60 kann er auf ein stolzes Lebenseinkommen von 2,5 Millionen Euro blicken. Zum Vergleich: Ein Mechatroniker, der sein gesamtes Leben Geselle bleibt und nur kleine Gehaltserhöhungen bekommt, verdient unterm Strich fast eine Million Euro weniger.

Mechatroniker

Gehalt mit 20

Gehalt mit 60

Lebenseinkommen

Geselle

32.200 Euro

40.400 Euro

1,57 Mio Euro

Geselle, Meister, Betriebsleiter

32.200 Euro

87.800 Euro

2,50 Mio Euro

5. Von der Fach- zur Führungskraft

Ähnlich wie im Mechatroniker-Beispiel kann auch die Einkommensschere bei gutbezahlten Akademikerberufen karrierebedingt ziemlich weit auseinander gehen. Da wäre zum Beispiel der Controller, der nach dem Studium mit einer Junior-Stelle startet (rund 48.000 Euro) und binnen zehn Jahren zum Senior-Controller befördert wird. Sein Gehalt steigt im Laufe des Berufslebens stetig an und durchbricht schließlich die Schwelle von 80.000 Euro. Sein Lebenseinkommen: 2,4 Millionen Euro. Noch deutlich mehr würde der Controller jedoch verdienen, wenn er im Laufe seiner Karriere von der Fach- zur Führungskraft aufstiege und sich von einem großen Unternehmen abwerben ließe. In diesem Fall steigt das Gehalt schon mit 40 Jahren auf eine sechsstellige Summe. Das Lebenseinkommen mit 60 Jahren: stattliche 3,6 Millionen Euro.

Controller

Gehalt mit 25

Gehalt mit 60

Lebenseinkommen

Fachkraft

48.200 Euro

82.100 Euro

2,44 Mio Euro

Führungskraft

48.200 Euro

151.200 Euro

3,59 Mio Euro

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