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"Woran glaubst du?" "Es gibt viele Chefs, die ihre Mitarbeiter nicht für mündig halten"


Deutschland braucht bessere Chefs, meint Insa Klasing. Die Berliner Unternehmerin erklärt im Podcast "Woran glaubst Du?" was einen guten Chef ausmacht und wie sie selbst an Katastrophen gewachsen ist.

Die Zukunft der Arbeit erfordert deutlich mehr Autonomie für die Arbeitnehmer. So sieht es die Unternehmerin Insa Klasing, die mit ihrem Berliner Startup "TheNextWe" Veränderungsprozesse von Firmen begleitet. Im Podcast "Woran glaubst du?" mit Kerstin Humberg und Heribert Prantl fordert Klasing die Führungskräfte der deutschen Wirtschaft auf, ihren Mitarbeitern mehr Eigenständigkeit und Verantwortung zu gewähren. Um höhere Produktivität und bessere Ergebnisse zu erzielen, müsse die Wirtschaft endlich weg vom fatalen Satz "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser". "Es gibt in Deutschland wahnsinnig viele Chefs, die ihre Mitarbeiter nicht für mündig halten", sagt Klasing.

Insa Klasing
Unternehmerin Insa Klasing
© Peter Rigaud in der Factory Berlin

"Zwischen Delegieren und Loslassen fließt der Mississippi"

Der Kunde könne niemals zufriedener sein als die Mitarbeiter, so Klasing. Der Schlüssel zum Unternehmenserfolg liege daher in der Zufriedenheit der Mitarbeiter. Diese Zufriedenheit beginne mit vertrauensvollen Beziehungen am Arbeitsplatz und dem Gefühl, dass es Sinn macht, was man tut. Top-Führungskräfte müssten deshalb lernen, wirklich loszulassen, um den Mitarbeitern genügend Freiraum zur Entfaltung eigener Stärken und Ideen zu lassen. Delegieren alleine reiche nicht aus: "Zwischen Delegieren und Loslassen fließt der Mississippi", meint Klasing.

Das Gute an Corona sei, dass das Virus einen "kollektiven Kontrollverlust" erzwungen habe, den man jetzt produktiv nutzen könne. "Das Modell der absoluten Gewinnmaximierung stößt gerade krass an seine Grenzen", meint Klasing. Ihr Anliegen sei es, "eine nachhaltigere Welt zu gestalten, in der Menschen ihren Platz finden". Sie plädiert deshalb auch dafür, den sozialen Berufen einen neuen Wert und eine neue Wichtigkeit zu geben.

Katastrophen als Teil des Lebens

Nachdem Insa Klasing mit Mitte 20 das Deutschlandgeschäft von Innocent Drinks aufgebaut hat, war sie mit Anfang dreißig Deutschlandchefin der amerikanischen Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken. Innerhalb weniger Jahre verdoppelte sie den Umsatz und eröffnete mehr Filialen als KFC dies in den vierzig Jahren vorher gelungen war. Nach einem schweren Reitunfall, der sie wochenlang außer Gefecht setzte, krempelte sie ihren Führungsstil um. Kurz darauf veröffentlichte sie ihre Erfahrungen in dem Buch "Der 2-Stunden-Chef: Mehr Zeit und Erfolg mit dem Autonomie-Prinzip".

Mit Corona und dem damit verbundenen Kontrollverlust hat sie selbst intensive Erfahrungen gemacht. Klasing war sechs Wochen lang schwer an Covid19 erkrankt und kämpft bis heute mit den Folgen der Krankheit. Man müsse, sagt sie im Gespräch mit Humberg und Prantl, lernen, solche Katastrophen als ganz normalen Teil des Lebens zu betrachten und zu akzeptieren. Nur so könne man an ihnen wachsen.

Glaube kann Berge versetzen. Stimmt das wirklich? Ob und wie das gehen kann, diskutieren der Journalist und frühere Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung Heribert Prantl und Kerstin Humberg, Gründerin des Start-Ups Yunel, mit hochkarätigen Gästen in ihrem neuen Podcast-Format "Woran glaubst Du?" bei Audio Now.


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