Kombilohn Mehr Fluch als Segen


Kombi-Löhne sind nach einer neuen Studie des Instituts für Weltwirtschaft mehr Fluch als Segen für den Arbeitsmarkt: Subventionierten Löhne bremsen den Anreiz sich weiterzubilden bei gering Qualifizierten - also jenen, die es eigentlich brauchen.

Ein Geringverdiener mit subventioniertem Lohn habe weniger Anreiz sich fortzubilden, denn sein Einkommen steige mit einem besserem Job nicht so stark wie nach gewöhnlichen Marktgesetzen üblich, berichteten die Ökonomen Frank Oskamp und Dennis Snower des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) am Donnerstag in Kiel. Das sei fatal: Denn in Deutschland und vielen anderen Ländern Europas habe sich in den vergangenen Jahrzehnten die Arbeitsmarktlage von gering Qualifizierten erheblich verschlechtert.

Langfristig nur negative Folgen

Zwar drücke der Kombi-Lohn die Lohnkosten der Unternehmen, ohne die Einkommen der Arbeitnehmer abzusenken, schilderten die Kieler Wirtschaftsforscher. "Es steht außer Frage, dass dieser Keil zwischen Lohnkosten und Arbeitseinkommen die Nachfrage nach gering entlohnten Arbeitskräften erhöht und so die Arbeitslosigkeit in diesem Segment des Arbeitsmarktes verringert." Der direkte Positiv-Effekt verstelle jedoch häufig den Blick für negative mittelbare Wirkungen.

Oskamp und Snower verweisen besonders darauf, dass finanzielle Anreize zur Weiterbildung im Falle einer Lohnsubvention erheblich schwächer werden: "Eine Weiterqualifizierung ist für Geringverdiener jedoch in der Regel eine wesentliche Voraussetzung dafür, ihre Arbeitsplatzsicherheit mittelfristig zu erhöhen, da besser ausgebildete Arbeitnehmer deutlich seltener von Arbeitslosigkeit betroffen sind als gering qualifizierte Arbeitnehmer." Darüber hinaus betonen die Ökonomen, dass Lohnsubventionen letztlich nur über eine Steuererhöhung für besser ausgebildete Kräfte zu finanzieren sei. So würden die Finanz-Anreize zur Weiterqualifizierung nochmals geringer.

Mehr Jobs für Geringverdiener

Beim Resümee der Forscher überwiegt auf lange Sicht folgerichtig das Negative. Zwar räumen sie ein: "Die Ergebnisse zeigen, dass die Einführung eines Kombilohns für Geringverdiener in Deutschland in der Tat die Beschäftigungsmöglichkeiten für diese Arbeitnehmer verbessern würde." Abhängig von der Höhe der im Kombilohn enthaltenen Subvention könnte demnach der Anteil gering entlohnter Arbeitnehmer an den Erwerbspersonen von derzeit etwa 14 Prozent auf bis zu 17 Prozent steigen.

Allerdings würde sich auf Grund der negativen Weiterbildungs-Anreize dieses Kombilohnes der Anteil der Höherqualifizierten an den Erwerbspersonen von gegenwärtig etwa 76 auf bis zu 73 Prozent verringern. "Die Auswirkungen eines Kombilohnes auf die Gesamtbeschäftigung wären also annähernd Null, wenn nicht sogar negativ. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht sind daher Lohnsubventionen für Geringverdiener für sich genommen ein ungeeignetes Instrument zur Belebung des Arbeitsmarktes", heißt es.

DPA DPA

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