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Lehrstellensuche: "Mit 20 Jahren ist Schluss"

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat sich zuletzt zwar entspannt, doch im Lot ist noch längst nicht alles: stern.de sprach mit Arbeitsmarktexpertin Hannelore Plicht wo es immer noch Probleme gibt, warum Höflichkeit wichtig ist - und wer kaum noch eine Chance auf eine Lehrstelle hat.

Wegen der angeblich frühen Aufstehzeiten ist der Beruf des Bäckers bei Jugendlichen nicht sehr beliebt

Wegen der angeblich frühen Aufstehzeiten ist der Beruf des Bäckers bei Jugendlichen nicht sehr beliebt

Frau Plicht, in welchen Bundesländern müssen sich Jugendliche und ihre Eltern um die Ausbildungschancen besonders sorgen?

Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Klar ist: Im Osten hakt es mehr als im Westen. Wobei Sachsen und Thüringen besser dastehen, als Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Im Westen wiederum stehen Bayern und Baden-Württemberg vergleichsweise gut da. Aber das ist zu grob. In fast jedem Bundesland schwanken noch mal regional die Arbeitslosenquote und das Verhältnis von Ausbildungsplätzen und Bewerbern. Und der Stellenmarkt in den Großstädten ist zum Teil enger, als auf dem Land. Zwar gibt es in den Städten viele Lehrstellen, gerade auch in den gefragten Dienstleistungsberufen. Aber die Jugendlichen dort konkurrieren auch sehr stark mit den Jugendlichen aus dem Umland und von weiter weg. Und die haben oft die besseren Karten - sind höher qualifiziert und haben auch oft bessere Noten. In den Stadtgebieten gibt es eben auch mehr soziale Brennpunkte, bildungsfernere Familien...

Es ist also eher ein Schichtenproblem...

Ja. Allerdings: Entscheidend für die individuellen Chancen sind vor allem die persönlichen Voraussetzungen.

Wie zum Beispiel?

Als erstes natürlich der Bildungsabschluss - je höher der Abschluss und je besser die Noten, umso besser. Dann die Frage, wie lange der Abschluss zurückliegt.

Je länger, desto ungünstiger...?

Genau. Ab dem 20. Lebensjahr etwa wird es für Jugendliche schwierig, noch eine Ausbildungsstelle zu bekommen - zumindest eine betriebliche. Außerdem sind Deutschkenntnisse von großer Bedeutung.

Hiermit haben wahrscheinlich vor allem Migranten ein Problem.

Das gilt für Migranten grundsätzlich ebenso wie für Deutsche. Wer nicht zumindest vernünftig lesen kann, hat keine Chance auf eine Ausbildungsstelle. Und laut PISA-Studie ist ein Viertel der Jugendlichen genau dazu nicht in der Lage. Der Anteil der Jugendlichen mit schlechten Deutschkenntnissen ist unter den Kindern von Migranten höher. Für die individuellen Chancen spielen aber auch weiche Faktoren eine sehr wichtige Rolle: Wie motiviert ist der Jugendliche? Ist er sozial kompetent und tritt freundlich und höflich auf? Wie diszipliniert ist er? Ein gutes Sozialverhalten kann schlechte Noten teilweise aufwiegen. Das beobachten wir vor allem bei kleineren Betrieben, beispielsweise im Handwerk. Und hierbei sind Jugendliche gebildeterer Schichten den anderen nicht automatisch voraus.

Welche Jugendlichen sind denn nun auf dem Ausbildungsmarkt besonders benachteiligt?

Ganz klar: Jugendliche ohne Schulabschluss. Der ist einfach die Grundvoraussetzung, um eine Ausbildungsstelle zu bekommen. Dann ältere Jugendliche, vor allem wenn sie schon erfolglose Maßnahmenkarrieren hinter sich haben. Und eben Jugendliche mit schlechten Deutschkenntnissen.

Ballen sich die Schwierigkeiten nicht regelrecht, gerade bei Jugendlichen in den bildungsfernen Schichten?

Ja, zu einem großen Teil schon. Die Schicht hat Auswirkungen auf viele dieser Faktoren, auch und gerade auf den Schulabschluss. Aber natürlich können durchaus auch Jugendliche mit Schulabschluss das Pech haben, eine Maßnahmenkarriere zu durchlaufen. Die Maßnahmen stehen ja auch ihnen offen, wenn sie keine Lehrstelle bekommen haben. Und auch ihnen können mangelnde soziale Kompetenzen im Weg stehen.

Wie steht es denn mit Jungs und Mädchen - sind ihre Chancen unterschiedlich verteilt?

Wir können auf dem Ausbildungsmarkt nicht feststellen, dass Mädchen benachteiligt sind. Im Gegenteil - sie sind sogar in mancherlei Hinsicht begünstigt. Zum Einen, weil sie besser in der Schule sind. Sie erreichen bessere Schulabschlüsse, brechen seltener vorzeitig ab und haben in der Palette der klassisch weiblichen Wunschberufe auch mehr Möglichkeiten als Jungs, alternativ zur dualen Ausbildung eine schulische Ausbildung zu absolvieren - zum Beispiel in Erziehungs- oder Pflegeberufen. Für Jungs sind die Ausweichmöglichkeiten in den typisch männlichen Wunschberufen deutlich stärker eingeschränkt. Außerdem sind sie meist auch in weit stärkerem Maß schulmüde als Mädchen, so dass sie eine schulische Ausbildung oft auch nicht in Betracht ziehen. Dadurch haben sie einfach weniger Alternativen. Hinzu kommen strukturelle Verschiebungen in der Gesamtwirtschaft und damit auch auf dem Ausbildungsmarkt, die ebenfalls eher den Mädchen zugute kommen, als den Jungen: Im Bereich der Ausbildung gab es massive Verschiebungen weg vom Handwerk hin zu Dienstleistungsberufen.

Können Sie dazu Zahlen nennen?

Die Zahl der Ausbildungsstellen am Bau ist von 1977 bis 2004 um 65 Prozent gefallen. Ausbildungsplätze für Kfz-Mechaniker gibt es heute 44 Prozent weniger als damals und für Industriemechaniker 43 Prozent weniger. Alles klassische Wunschberufe der Jungs. Dafür stieg die Zahl der Ausbildungsplätze zum Beispiel für Versicherungskaufleute um 56 Prozent und für Kaufleute im Einzelhandel um 25 Prozent. Hierfür interessieren sich beide Geschlechter. Sie setzen aber in der Regel mittlere bis hohe Schulabschlüsse voraus. Und hier haben die Mädchen Vorteile.

Fassen wir zusammen: Sorgen machen muss sich also der 21-jährige schlecht deutsch sprechende Junge mit abgebrochener Hauptschule in einer ostdeutschen Stadt mit mangelnder Sozialkompetenz...

Extrem formuliert, aber stimmt - wenn auch vielleicht nicht in jedem Einzelfall. Und natürlich hätte dieser Junge überall Probleme, nicht nur in Ostdeutschland...

Wie können Jugendliche denn Ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz verbessern?

Jugendliche sollten berufsvorbereitende Angebote als Chance wahrnehmen. Nicht jede Maßnahme mündet gleich in eine Maßnahmenkarriere. Vor allem Maßnahmen mit großem betrieblichem Bildungsanteil schneiden gut dabei ab, die Chancen auf eine Ausbildungsstelle zu steigern. Grundsätzlich steigert seine Chancen auch sehr, wer bereit ist, zu pendeln oder umzuziehen. Wer das nicht kann oder will, steht im Zweifelsfall eben schlecht da. Und das sind tatsächlich eher die Jungs, insbesondere im Osten. Dort ziehen die Mädchen nach der Schule weg, die schlecht qualifizierten Jungs bleiben hocken.

Warum bewegen die sich nicht?

Offenbar demoralisiert die weit verbreite Arbeitslosigkeit - oft auch bei den eigenen Eltern - die Jungs stärker als Mädchen. Dafür spricht, dass Jungs im Osten höhere Schulabbruchquoten haben. Dann haben sie eben auch nicht so gute Schulnoten oder auch überhaupt keinen Abschluss - so dass ihnen schlicht die Möglichkeit fehlt, für eine Ausbildungsstelle wegzuziehen.

Die Bereitschaft zur Qualifizierung und Mobilität steigert also die Chancen auf einen Ausbildungsvertrag - noch irgendetwas?

Es hilft auch enorm, wenn Jugendliche sich nicht zu sehr auf ein paar Wunschberufe festlegen. Das tun sie aber leider häufig...

Mit welcher Folge?

Mit der Folge, dass sich die Suchzeit verlängert und sie im Zweifel leer ausgehen. Und auf der anderen Seite bleibt ein Teil der angebotenen Lehrstellen frei, weil sich schlicht nicht genug Bewerber finden. Wohlgemerkt: auch in Berufen, die inhaltlich nahe an den eigentlichen Wunschberufen liegen können. Es gibt eben 342 Ausbildungsberufe, die einander teilweise stark ähneln. Die Jugendlichen wissen das aber nicht. Und wollen es auch nicht wissen - könnte man zumindest glauben.

Woran liegt das? Schlichtes Desinteresse? Zuwenig Information?

Informationen gibt es schon genug, aber für viele Jugendliche sind sie zu trocken, zu theoretisch und zu unübersichtlich. Die Lehrer haben in der Regel keine Betriebserfahrung. Die Angebote in den BIZen...

...den Berufsbildungs- und Informationszentren der Arbeitsagenturen...

Genau... In denen werden den Jugendlichen die verschiedensten Informationsmedien angeboten. Die sind zwar toll und enthalten alle wichtigen Informationen - haben aber für viele Jugendliche immer noch zu wenig Praxisbezug. Und die Berater in den Arbeitsagenturen oder die Fallmanager in den ARGEn bemühen sich zwar, kennen auch die vielen Wirtschaftsbereiche und Berufe - aber eben auch meist nur theoretisch. Die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche beruflich flexibel sind und offen für andere - qualitativ gleichwertige - Alternativen, steigt mit der eigenen betrieblichen Erfahrung durch Praktika und durch Gespräche mit Betriebspraktikern, vor allem Personalverantwortlichen. Diese Art von Informationsvermittlung fruchtet gut. So schauen Jugendliche auch mal, welche Berufe ihnen neben ihren Wunschberufen vielleicht noch Freude machen können. Auch die Erfahrung der Eltern und der Peer-Gruppen spielt eine wichtige Rolle bei der beruflichen Orientierung. Natürlich sollten sich auch die Jugendlichen selbst um ihre ureigensten Angelegenheiten kümmern. Das beginnt damit, dass sie ihren Beratern gezielte Fragen stellen. Sie sollten in Ferienjobs und Praktika Erfahrungen sammeln. Wer noch unentschlossen ist, sollte möglichst auch Berufe unterschiedlicher Bereiche ausprobieren. Jugendliche versteifen sich häufig, weil sie ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz überschätzen. Das kommt vor allem bei Jugendlichen mit mittlerem Schulabschluss vor...

...Realschulabschluss...

Ja, viele Realschüler wollen beispielsweise unbedingt eine Banklehre oder Ausbildung im IT-Bereich machen, wo eben seit Jahren schon mehr Abiturienten als Azubis eingestellt werden. Auch hier fehlt es im Grunde an praxisnaher Information und vor allem: an Gesprächen. Dass es an den richtigen und auch frischen Informationen fehlt, sieht man auch daran, dass Jugendliche einige Berufe auch schon aus Tradition links liegen lassen - weil sie ein veraltetes Bild haben. Lehrstellen für angehende Bäcker und Konditoren bleiben zu rund zehn Prozent unbesetzt. Sonst liegt der Schnitt bei vier Prozent.

Weil es staubt und Dreck macht und die Arbeitszeiten schlecht sind?

Ja. Aber das stimmt heute so oft gar nicht mehr. Beispielsweise werden heutzutage immer mehr Backwaren industriell hergestellt. Jugendliche müssen da längst nicht mehr um zwei Uhr nachts aufstehen und am Wochenende ran. Heute ist der Bäckerberuf oft ein ganz normaler Industrieberuf - so wie in der Autoindustrie. Das hat sich nur noch nicht herumgesprochen.

Interview: Midia Nuri
Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.