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Vermüllte Häuser: Tote Katzen, Urinkanister und bestialischer Gestank – der Arbeitsalltag eines Messie-Reinigers

George Mensah schaufelt seit acht Jahren Messie-Häuser leer. Er findet Ekel, Dreck und Psycho-Dramen. Aber er sagt: "Ich liebe meinen Job." Ein Blick in seinen Arbeitsalltag.

Müll

Was von einem Leben übrigbleibt. Aus einem Haus holte George Mensah 16 Tonnen Müll (Symbolbild).

Unsplash

George Mensah geht dahin, wo anderen schlecht wird. Er räumt Häuser in Liverpool aus. Neben Räumungen von ganz normalen Wohnungen hat er sich auf Messie-Häuser spezialisiert. Mit dem "Liverpool Echo" sprach er über seinen Job. Seit acht Jahren betreibt Mensah sein Gewerbe. Mit Erfolg, denn das Räumen von Messie-Behausungen ist ein Beruf mit Zukunft. 

"Wo soll ich anfangen?", sagt Mensah, Chef von Merseyside House Clearance der Zeitung. "Wir haben Gläser mit menschlichen Fäkalien, volle Urinflaschen, eine riesige Menge an selbst gebasteltem Sexspielzeug gefunden. In einem Haus hat der Besitzer Pornos gehortet und der Keller war voll mit Bondage-Zubehör, Porno-DVD's und Zeitschriften." Manchmal liegt der Müll so hoch, dass die Deckenglühbirne bereits an die Ekel-Stapel stoßen. "In einem anderen Haus fanden wir acht tote , alle verpackt in Schuhkartons." Neben Spezial-Sammlung findet er meist nur ordinären Müll wie leere Plastikmilchflaschen vom Boden bis zur Decke, Zigarettenkippen und Zeitungen.

Ablagerungen von Lebensgeschichten

"Wenn wir bis zum Boden vorstoßen, finden wir 30 Jahre alte Zeitungen von 1987." Daran erkennt man, wie lange diese Krankheit währt, bevor eingegriffen wird. Seit 30 Jahren haben die Bewohner Müll und alte Zeitungen aufbewahrt. Nachbarn und Freunde stehen dem Problem des Messitums ratlos gegenüber und können sich nicht erklären, warum jemand, der vorher unauffällig lebte, auf einmal Müll hortet. 

Mensah glaubt dagegen, dass es immer einen verborgenen Grund gibt, warum jemand solche Horte anlegt. "Unsere Kunden sind nicht einfach nur schmutzige Menschen, die haben ein tief liegendes Problem. Da steckt immer eine Geschichte dahinter." Das Räumen der Wohnungen wirkt wie eine Archäologie der Seelengeschichte, bei der er und sein Team viel über den Besitzer der Immobilien erfahren. "Wenn Sie so ein Haus ausräumen, vertiefen Sie sich wirklich in ihr Leben. Wenn Sie von dort weggehen, kennen Sie auch den Menschen."

Messie-Häuser: Phänomen in allen Schichten

In den Medien tauchen meist Messies vom unteren Rand der Gesellschaft auf. Doch der Haus-Reiniger sagt, dass jeder ein Messie sein kann. Alter, Ethnie oder Klasse haben wenig Bedeutung. Er hat schon das Haus eines ehemaligen Richters freigeschaufelt. Er sagte dem Blatt, er sei bei wunderschönen Liegenschaften zum Preis von 750.000 Pfund vorgefahren und sei nicht imstande gewesen, die Tür zu öffnen, wegen des Mülls im Inneren. Überhaupt sei es leichter, die Wohnungen von Toten zu räumen. "Wenn diese Leute noch unter uns sind, ist das schon sehr traurig. Man kann sich nicht wie ein Elefant in einem Porzellanladen benehmen. Das ist ihr Eigentum, wir müssen das irgendwie respektieren." 

"Bei einem unserer Jobs im letzten Jahr stießen wir auf den größten Hort im Vereinigten Königreich. Das war ein Doppelhaus, aus dem wir 16 Tonnen Müll rausgeholt haben. Wir fanden da drei Autos, von denen die Familie nicht einmal wusste, dass es sie gab, weil der Müll auf dem Grundstück vollkommen überwuchert war." Es muss aber nicht immer dreckig werden. Manche Wohnungen gleichen einem Lagerhaus. "Es gibt Leute, die sitzen den ganzen Tag vor dem TV und bestellen Sachen im Shopping-Kanal."

"Wir finden dann Stapel von George Forman-Grills, Mikrowellen, Staubsauger – vieles noch in der Verpackung." Diese Funde könne man noch für wohltätige Zwecke verwenden. 

"Ich liebe meinen Job"

Meist wird es aber hässlich. "Wenn ich eine Tür aufschließe, weiß ich vorher nicht, was auf mich zukommt. Ziemlich häufig stoßen wir auf Kanister mit Urin und sogar geronnenem Speichel und Spucke, Gläser mit menschlichem Kot und Fingernägeln." Der Beruf sei nicht leicht. Mensah gibt zu: "Manchmal geht mir der Geruch wirklich auf die Nerven."

Alles in allem ist Mensah zufrieden mit seiner Firma: "Klar, da gibt es Vor- und Nachteile, aber ich liebe meinen - ich will nichts anderes machen."

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Dieses Haus ging unberührt durch die Jahrzehnte.

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