Ostdeutschland Jeder Dritte ohne Job


Die Zuckerfabrik ist weg. Die Brauerei auch. Die Sauerkrautfabrik und den Schlachthof gibt es in Prenzlau in der Uckermark auch nicht mehr. Mit dem Sturz des Sozialismus verschwanden in der Kommune im Nordosten Brandenburgs hunderte von Arbeitsplätzen.

Die offizielle Arbeitslosenquote für Februar beträgt 29,5 Prozent bei 22.000 Einwohnern. Nur einige Städte in Mecklenburg-Vorpommern haben im deutschlandweiten Vergleich eine noch höhere Quote. Nun hofft die gebeutelte Kommune auf den Tourismus und die erneuerbaren Energien.

Lange Zeit seines Lebens hat der 58-jährige Heinz Hilbert im Betrieb "VEB Elektronik" verbracht: erst als Technischer Leiter, später als Betriebsleiter. Nach dem Fall der Mauer wickelte er seine Firma ab. Bis 1999 war er in verschiedenen Projekten der Industriesanierung aktiv. Dann folgte „Arbeit statt Sozialhilfe“: Hilbert pflegte Gründanlagen. Seit dem vergangenen Jahr organisiert er Schülerpraktika. "Das ist wichtig, um wenigstens eine Teil der Jugend in der Region zu halten", meint der 58-Jährige.

Von einem staatlich geförderten Beschäftigungsprojekt ins andere

Viele junge Prenzlauer haben die Region, in der Ausbildungsplätze ebenso fehlen wie Arbeit, bereits verlassen. Jeder Zehnte ist seit 1989 weggezogen. "Wegen meiner Frau bin ich in Prenzlau geblieben, sonst wäre ich längst in die neuen Bundesländer gegangen", sagt Hilbert. Wer bleibt, wechselt wie er von einem staatlich geförderten Beschäftigungsprojekt in ein anderes oder hat sich auf Sozialhilfe eingerichtet. Wie der Leiter des Sozialamtes, Lothar Thiele, berichtet, gibt es derzeit 1.300 Sozialhilfeempfänger – so viele wie nie zuvor.

Auf den Straßen sind nur wenige Menschen unterwegs, Geschäfte stehen leer, Büros ebenso. Bürgermeister Peter Moser (SPD) sagt allerdings, dass es in der Stadt mehr Arbeitsplätze als arbeitsfähige Einwohner gibt. "Prenzlau ist Standort der Bundeswehr, der Kreisverwaltung Uckermark und vieler anderer Ämter und Verwaltungen. Das Problem besteht darin, das viele, die dort arbeiten, von auswärts kommen", sagt der Rathaus-Chef.

Weiteres Sorgenkind: das Handwerk

Zu DDR-Zeiten lebten viele Menschen in der Region von der Landwirtschaft. Nach der Wende sei durch den landwirtschaftlichen Umbruch der Arbeitskräftebedarf enorm geschrumpft, sagt Moser. Das gelte auch für de landwirtschaftliche Zulieferungs- und Verarbeitungsindustrie, die in Prenzlau einen bedeutenden Standort hatte. Weiteres Sorgenkind seien die Handwerksbetriebe, die sich nach der Auftragsflut im Gefolge der Wende gesund schrumpfen müssen.

Einen kleinen Lichtblick sieht Hendrik Sommer, Leiter der Wirtschaftsförderung, in der neu entstandenen Solarmanufaktur. 50 Arbeitsplätze sind in diesem Unternehmen entstanden. "Wir hoffen, dass wir die Stadt zu einem Standort erneuerbarer Energien ausbauen können". "Auch der Tourismus ist eine wesentliche Stütze, die noch weiter ausbaufähig ist", fügt Sommer hinzu.


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