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Kleine Fluchten: Zehn Treffer im Abseits

Es gibt tatsächlich Menschen, die sich nicht für Fußball begeistern und den kommenden Trubel umdribbeln wollen. Hier folgen ein paar Vorschläge für kleine Fluchten: zu garantiert WM-freien Reisezielen und Abenteuern.

Von Birgit Knop

1 Zu Gast bei Fremden - in New York, Rom und anderswo

Ein Städteurlaub beginnt im klassischen Fall so: Man entscheidet sich für eine Metropole, sucht nach einem passenden Hotel, bucht und fliegt los. Am Ziel dann oft Ernüchterung: das Zimmer eng, der Ausblick trist, der Preis gepfeffert, und das Frühstück lohnt das Aufstehen nicht. Hinzu kommen zu Zeiten der WM in den meisten Hotelhallen dieser Welt nervtötende Live-Übertragungen.

Es geht auch anders: Man miete sich in der fremden Stadt ein Apartment, kaufe Gemüse auf dem Markt, bereite das Frühstück selbst, betrete morgens im Pyjama den Dachgarten, atme durch - und tue ganz einheimisch, sei es auch nur für eine Woche.

Wer in Manhattan wie selbstverständlich aus einem der wunderbaren Doorman-Buildings von Greenwich Village stolzieren möchte, vorbei an dem weiß behandschuhten Portier, der einen schon bei der zweiten Begegnung mit Namen grüßt; wer in Rom, mitten in Trastevere, in einem Super-Apartment mit Swimmingpool, tropischen Pflanzen und einer Kingsize-Sitzgarnitur für 20 Personen den dicken Otto machen möchte; wer sich in Venedig mit dem Wassertaxi nach Hause bringen lassen und von "seinem" Wohnzimmer auf den Canal Grande blicken möchte - all denen sei der Service von Claudia Otterbeck empfohlen. Sie vermittelt die drei genannten Apartments in New York, Rom und Venedig und noch viele mehr.

Info: Claudia Otterbeck, Trüffelweg 20 c in 70599 Stuttgart, Tel.: 0711/4516921, www.at-home-in.de

2 Helgoland - reif für diese Insel?

Trottellummen sind mutige kleine Helden. Im Alter von drei Wochen, noch unfähig zu fliegen, stürzen sie sich, angefeuert von den Eltern, bis zu 40 Meter in die Tiefe. Landen, wenn sie Glück haben, auf den Nordseewellen und schwimmen um ihr Leben. Dies alles geschieht in der Dämmerung und wiederholt sich jeden Sommer bis Ende Juni. Trottellummen sind Meeresvögel, die zur Brutzeit an die Küsten kommen und dort an schroffen Klippen nisten. Für die Küken wird der Platz schnell knapp, und die Weibchen haben Probleme, sie mit Nahrung zu versorgen. Der spektakuläre "Lummensprung" ist auf dem roten Felsen der Insel Helgoland hervorragend zu beobachten. Drei weitere Argumente für einen Besuch auf der einzigen Hochseeinsel Deutschlands: 1. Die Anreise. Der Katamaran legt an den Hamburger Landungsbrücken ab, fährt zunächst mit gemäßigtem Tempo die Elbe hinab (von hier aus bekommt man die prächtigsten Villen der Hansestadt zu sehen) und gibt erst auf offener See Gas (nur fliegen geht zur Insel schneller). 2. Eine Übernachtung im Atoll-Hotel. Das Vier-Sterne-Haus wirkt komplett deplatziert auf einer Insel, die ansonsten immer noch vorwiegend von Tagestouristen überrannt wird. Am späten Nachmittag sind sie alle wieder weg, dann muss man die Insel nur noch mit den Einheimischen teilen. 3. Die Robben auf der benachbarten Strandinsel. Kein Tier sieht so frech, kess und anrührend aus - diese Knopfaugen!

Info: Kurverwaltung Helgoland, Postfach 720 in 27489 Helgoland, Tel.: 0180/5643737, Fax: 04725/8137-25, www.helgoland.de. Hotel atoll, Lung Wai 27, 27498 Helgoland, Tel.: 04725/800-0, Fax: -444, www.atoll.de. DZ ab 165 Euro.

3 Es muss nicht immer Kenia sein - Safari in der Uckermark

Mit zirka 140000 Einwohnern gehört die Uckermark zu den am dünnsten besiedelten Gebieten Deutschlands. Noch besser: Mehr als die Hälfte davon steht unter Naturschutz. Dennoch zieht es wahrscheinlich jährlich mehr Besucher zu den "Big Five" in Afrikas Süden als in den spektakulär unspektakulären Mikrokosmos dieser Endmoränenlandschaft. Dabei kann es ein Biber - geht es um den Unterhaltungswert - locker mit einem Elefanten aufnehmen. Die hier lebenden See- und Fischadler (nirgends in Europa ist deren Siedlungsdichte höher als in der Uckermark), Sumpfschildkröten, Edelkrebse, Moorfrösche, Grashüpfer sind für naturentwöhnte Großstädter mindestens so exotisch wie Nashörner und Flusspferde. Als professioneller Guide nimmt der Biologe Michael Anselm Besucher auf spannende Safaris mit. Übrigens soll hier auch schon mal ein Elch gesichtet worden sein. Vermutlich ein Grenzgänger aus Polen.

Info: Tourismusverband Uckermark, Grabowstraße 6 in 17291 Prenzlau, Tel.: 03984/835883, www.tourismusverband-uckermark.de. Anselm Natursafaris, Funhofweg 9 in 22307 Hamburg, Tel.: 040/639747-48, Fax: -49, www.natursafaris.de

4 Belgien: Mit der Strassenbahn am Strand entlang

Schöner und exklusiver kann öffentlicher Nahverkehr nicht sein: Eine Straßenbahn fährt an der flämischen Küste 67 Kilometer durch ein Urlaubsparadies mit Strand, Wasser, Sandburgen, mit fröhlichen Kindern und entspannten Eltern. Vom familiären De Panne (bei Ebbe ist der Strand hier 700 Meter breit) an der französischen Grenze bis zum mondänen Knokke an der niederländischen Grenze. Entlang der Strecke befinden sich 14 Seebäder, jede Menge Pommesbuden, Pfannekuchenverkäufer und überwiegend glückliche Menschen. Die Tageskarte kostet schlappe fünf Euro. Hier nur einige der Attraktionen an der Strecke: Tramhaltestelle Nr. 5/Esplanade: Wer hier aussteigt, kann einen Anfängerkurs im Strandsegeln besuchen. Tram-Halt Nr. 8/Sint Idesbald: Standort des Delvaux-Museums mit der Sammlung des großen Surrealisten. Tram-Halt Nr. 13/Oostduinkerke Bad: das Reich der Krabbenfischer. Auf der Jagd nach Garnelen (eine flämische Spezialität) traben sie bei Ebbe auf riesigen Kaltblutpferden durchs Meer. Am letzten Sonntag im Juni trifft man sich zum großen Krabbenfest. Tram-Halt Nr. 44/Aan Zee Bredene: Jeden Dienstag ist "Kids Day" auf dem Festplatz. Tram-Halt Nr. 62/Strandwijk: Hier findet das beliebte Sandskulpturenfestival statt. Endstation bei Halt Nr. 70/Knokke: Die besten Waffeln gibt es bei Marie Siska im Stadtteil Het Zoute (Zoutelaan 177, www.siska-marie.com).

Info: Eine Fahrt dauert etwa zwei Stunden, die Tageskarte kostet 5 Euro (10 Euro die 7-Tage-Karte). Tourismus Flandern, Cäcilienstraße 46 in 50667 Köln, Tel.: 0221/27097-70, www.flandern.com

5 Norwegen: Angeln im Fjord

Wer angelt, streift den Alltag ab - weshalb es sich beim Fischfang mit der Rute eigentlich um eine besondere Form der Meditation handelt. Egal, ob man es einmal ausprobieren möchte oder längst vom Fieber gepackt ist: Einer der wunderbarsten Orte zum Angeln ist die Schärenküste Norwegens, westlich oder östlich von Kristiansand. Hier kann man sich Ferienhäuser direkt am Wasser mieten, Angelausrüstungen inklusive. Tipps von den Profis vor Ort erhöhen die Fangquote und den Spaß.

Info: In Sørlandet sind die Ferienanlagen auch auf Kinder und Angelneulinge eingestellt. Ein Boot kann selbstverständlich gemietet werden. Innovation Norway, Neuer Wall 41 in 20354 Hamburg, Tel.: 040/229415-0; oder www.trysnes.no (Seite auch auf Deutsch).

6 Wer hat's erfunden? Lockrufe aus der Schweiz

Zog es Heidi noch zu Großvater Alm-Öhi und Freund Geissen-Peter, präsentiert das Bergvolk uns nun ein völlig neues Männerbild: Auf der Homepage von Schweiz Tourismus (www.myswitzerland.de) werben die Eidgenossen sexy, muskulös und charmant für ihre Heimat! In einem Video locken sie: "Frauen, verbringt den WM-Sommer dort, wo sich die Männer weniger um Fußball kümmern, dafür mehr um euch". Die Website erfreut sich großer Popularität und wird inzwischen täglich knapp 17 000-mal angeklickt. Die Zahl steigt, je näher die Fußballweltmeisterschaft rückt. Bleibt zu hoffen, dass der Werbespot mit dem attraktiven Ökobauern mit nacktem Oberkörper, dem schicken Kapitän in Weiß, dem sportlichen Kletterer und dem smarten Schaffner hält, was er den Frauen verspricht. Golfen in Ascona, Wandern am Fuße eines Gletschers, Einkaufen in Bern und Kultur in Basel könnten dadurch exorbitant aufgewertet werden.

Info: Schweiz Tourismus, Postfach 160 754 in 60070 Frankfurt/Main, Tel.: 00800/100200-30 (gratis), Fax: -31.

7 Österreich zu Fuss - leichte Touren, harte Märsche

Wenn hier jemand Lärm macht, dann höchstens Stockente und Grasfrosch. Besucher im Natur- und Vogelschutzgebiet Vilsalpsee wandern, schauen und staunen still. Die Flora umfasst mehr als 700 zum Teil seltene Pflanzen. Viele der hier heimischen Tiere, zum Beispiel der Alpensalamander und die Erdkröte, sind anderswo vom Aussterben bedroht. Der kleine Bergsee im Tannheimer Tal ist nach der Schneeschmelze Ausgangspunkt sowohl für lockere Spaziergänge als auch für knallharte Wanderungen. Eine Tour zur Landsberger Hütte dauert etwa drei Stunden. Wer danach genug hat, kann oben bleiben und sich auf dem Matratzenlager zur Ruhe legen. Es ist Platz für 170 Personen. Wer es intimer wünscht, steigt in eines der 30 Betten. Wer trittfest und schwindelfrei ist, sollte am nächsten Morgen direkt nach dem Sonnenaufgang zum "Gipfel-Hopping" aufbrechen (Steinkarspitze 2068 Meter, Lailachspitze 2274 Meter, Rote Spitze 2130 Meter).

Zum Vilsalpsee kommt man entweder zu Fuß oder mit dem Rad aus dem vier Kilometer entfernten Tannheim. Oder man lässt sich mit Bus, Bahn oder Pferdekutsche bringen. Privatwagen ist die Zufahrt nur morgens bis 10 Uhr und nachmittags ab 17 Uhr gestattet.

Infos: Tourismusverband Tannheimer Tal, A-6675 Tannheim 110, Tel.: 0043/5675-6220-0, Fax: -60, www.tannheimertal.com

8 Entdecker fahren ins Baltikum

Die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sind für viele Reisende noch zu entdecken. Zum Beispiel mit dem Mietwagen bei einer Schlosstour "auf den Spuren des Adels", bei der Sie in zauberhaft renovierten lettischen Schlössern und estnischen Gutshäusern übernachten. Man kann Land und Leuten des Baltikums aber auch einfacher näher kommen. Etwa bei einer Tour per Rad oder Kanu durch Litauens unberührten Süden. Radprofis fahren in drei Wochen von Tallinn (Estlands Hauptstadt im Norden) bis zur Kurischen Nehrung in Litauen. Wer auf weniger schweißtreibende Art Litauen kennen lernen möchte: In diesem Sommer verkehrt zum ersten Mal ein Flusskreuzfahrtschiff auf der Memel.

Info: Baltikum Tourismus Zentrale, Katharinenstraße 19-20 in 10711 Berlin, Tel.: 030/890090-91, Fax: -92 oder www.baltikum24.de

9 Rheinland: Rückzug in die Kultur

Die Tauben pfeifen schon im Ruhrgebiet von den Dächern, dass die Landschaft zwischen Rhein und Maas ein Juwel ist. Dass es dort Museen von internationalem Format, spektakuläre Architektur und einzigartige Schlösser und Gärten gibt, ist weniger bekannt. Zu Unrecht stehen sie im Schatten der kulturellen Ausflugsziele in den Ballungszentren (Ruhrgebiet auf der einen, Amsterdam auf der anderen Seite). Eine deutsch-niederländische Kooperation will diesen Missstand beseitigen. "Crossart" ist ein Verbund von zehn Museen mit Sammlungen zeitgenössischer und moderner Kunst in der Grenzregion Niederrhein/Niederlande. Dazu gehören "Insel Museum Hombroich" in Neuss, "Museum van Bommel van Dam" in Venlo, das "Krefelder Kunstmuseum", das "Kröller-Müller Museum" in Otterlo, das "Museum Kurhaus" in Kleve und das "Museum für Moderne Kunst" in Arnhem. "Crossart" schlägt verschiedene Kulturreisen im Grenzgebiet vor. Mal dauern sie zwei, mal drei Tage. Jeder Tipp umfasst Kontaktadressen, Hotelempfehlungen und Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen. Interessenten bekommen obendrein eine gut ausgearbeitete "Travelbox" mit Faltblättern zu den Museen und Kartenmaterial an die Hand.

Info: Crossart-Informationsbüro, Thomas-Mann-Straße 31 in 53111 Bonn, Tel.: 0228/9469-333, Fax -307, www.crossart-route-moderne-kunst.com

10 Niederlande: Wo die Affenhorde tobt

Totenkopfäffchen kennen keinen Respekt. Wenn man Pech hat, reißen sie einem die Brille von der Nase. Aber das ist noch gar nichts. Richtig blöd wird es, wenn sie einem auf den Kopf springen und mit ihren langen Fingern durch die Haare wuscheln. Und trotzdem: Junge Leute, alte Leute, dicke Leute, dünne Leute gehen vor ihnen in die Knie. Der Affenzoo Apenheul eröffnete 1971 als kleiner, revolutionär gestalteter Tierpark. Revolutionär, weil es kaum Zäune gibt, aber 30 Affenarten, die durch die Baumwipfel toben. Gorillas und Orang-Utans leben auf Inseln. Es gibt einen Madagaskar-Wald, das Wollaffen-Gebiet und die Berberaffen-Berge, zu denen die Besucher in die riesigen Gehege gehen. Am Eingang bekommt man eine 100 Prozent affensichere Tasche. Die auch ausnahmslos und dankbar benutzt wird.

Info: Affenpark Apenheul, in Apeldoorn, etwa 20 Kilometer nördlich von Arnheim. Im Sommer bis 18 Uhr geöffnet; Eintritt: 14,50 Euro Erwachsene, 12 Euro Kinder; Tel.: 0031/553575757, www.apenheul.nl

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