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Deutscher Bundestag Diese Berufe haben Politiker eigentlich gelernt – "systemrelevante" sind wenige dabei

Deutscher Bundestag
Der Plenarsaal des Deutschen Bundestags
© Michael Kappeler / DPA
Dass sich in der Politik viele Juristen tummeln, ist bekannt. Aber welche beruflichen Hintergründe gibt es noch unter den Bundestagsabgeordneten? Und welche Bereiche sind unterrepräsentiert? Eine Auswertung zeigt es.

Arzt werden kann nur, wer Medizin studiert hat, aber Politiker kann im Grunde jeder werden. Und genau so ist das ja auch gewollt. Politiker sollen keine eigene Kaste bilden, sondern das Wahlvolk in seiner Breite repräsentieren. Aber gelingt das auch? Mit welchen beruflichen Hintergründen schafft man es wirklich in den Deutschen Bundestag? Welche Qualifikationen sind zu Hauf vorhanden und welche fehlen vielleicht?

Die Job-Plattform Indeed hat die beruflichen Qualifikationen aller gut 700 Abgeordneten des Deutschen Bundestags analysiert. Insgesamt kommen die Parlamentarier demnach auf 1465 Ausbildungen und Studiengänge an 1031 Universitäten oder Ausbildungseinrichtungen, wobei nur rund 900 davon nachweislich erfolgreich abgeschlossen wurden. Im Schnitt kann jeder Abgeordnete also auf zwei berufliche Bildungs- und Ausbildungsstationen zurückblicken, auch wenn nicht alle davon mit einem Abschluss beendet wurden. Die meisten beruflichen Abschlüsse haben übrigens die Vertreter der Linken (1,5 pro Kopf), die wenigsten die Grünen-Politiker (1,1). 

Juristen und Ökonomen dominieren

Die Auswertung zeigt, dass vor allem akademische Karrieren in den Bundestag führen. So stehen 775 besuchte Universitäten und 105 Fachhochschulen nur 99 Ausbildungen gegenüber. Dazu kommen noch rund zwei Dutzend Besuche privater Hochschulen sowie acht duale Hochschulen.

Der Blick auf die häufigsten akademischen Abschlüsse offenbart, dass der Bundestag von Jurist*innen dominiert wird. Die Auswertung zählt allein 147 juristische Abschlüsse, was natürlich damit zusammenhängt, dass es zur Aufgabe eines Politikers gehört, Gesetze zu machen. Stark vertreten mit 102 Abschlüssen sind auch wirtschaftswissenschaftliche Expertise sowie Politikwissenschaftler, von denen es 55 gibt. Unter den Ausbildungsberufen ist der Bankkaufmann beziehungsweise die Bankkauffrau mit 29 Personen am häufigsten vertreten. Dahinter folgen 11 Industriekauffrauen und -männer sowie 8 Landwirt*innen. 

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Systemrelevante Berufe unterrepräsentiert

Auffällig ist, wie wenig Erfahrung die Politiker aus Berufen mitbringen, die in der Coronakrise oft als systemrelevant bezeichnet wurden. Mit Ausnahme der 43 Lehrer*innen ist keiner dieser Berufe im Bundestag stark repräsentiert. Beispiel Gesundheit: Neben dem medial omnipräsenten SPD-Mann Karl Lauterbach gibt es nur 13 weitere Mediziner*innen unter den über 700 Abgeordneten. Dazu kommen vier gelernte Krankenpfleger*innen und zwei Altenpfleger*innen. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist übrigens Bankkaufmann und Politikwissenschaftler.

Ein Psychologiestudium haben acht Abgeordnete absolviert, fünf haben tatsächlich mal Erzieher gelernt, vereinzelt gibt es auch Exoten-Karrieren wie Lokomotivführer oder Schauspieler. Es sei erfreulich, "dass der Deutsche Bundestag in der Tiefe mit einer Vielzahl an unterschiedlichen beruflichen Ausbildungserfahrungen aufwarten kann", kommentiert Indeed-Manager Frank Hensgens die Auswertung. "Gleichzeitig hat die Untersuchung zutage gefördert, dass praktische und theoretische Erfahrungen in systemrelevanten Bereichen Mangelware sind." Für die Auswertung griff Indeed auf die offiziellen Profile der Bundestagsabgeordneten sowie weitere Quellen wie Medienberichte und Parteiwebseiten zurück. Stichtag war der 31. Dezember 2020.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist bekanntermaßen Physikerin. Die nächste Bundesregierung wird wohl wieder von einem Mann oder einer Frau aus einem der Mainstreamfächer angeführt werden. Die drei Kanzlerkandidat*innen Annalena Baerbock (Grüne), Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) haben alle einen rechts- oder politikwissenschaftlichen Hintergrund.


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