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BBC-Report: Zwischen Elend, Gewalt und Träumen: So leben Prostituierte auf den Straßen von Sierra Leone

Fatmata Kanu und Mariama Fofonah schaffen in Freetown an. In einem Video erzählen sie vom Elend ihrer Arbeit, von Hunger und Gewalt. Und den Träumen, die wohl nie in Erfüllung gehen werden.

In Afrika ziehen Mädchen in die Städte und die Camps der Bergarbeiter (Symbolbild)

In Afrika ziehen Mädchen in die Städte und die Camps der Bergarbeiter (Symbolbild)

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Elf Jahre wütete der Bürgerkrieg in Sierra Leone - einem Land reich an Diamanten, aber auch Korruption. In einem der ärmsten Lände der Welt wurden viele Mädchen im Teenageralter durch den Krieg in die Prostitution getrieben, sie lernten früh, dass es "normal" sei, wenn Sex ihnen das Überleben ermöglicht.

Nach dem Krieg verschwand die Prostitution nicht. Im Gegenteil, die Auflösung der traditionellen Strukturen hat eine Szene des trotzigen Überlebens entstehen lassen. Mädchen laufen von zu Hause weg oder werden von Verwandten als unnötige Esser rausgeworfen. Sie versuchen sich mit Gleichaltrigen in einer Subkultur zwischen Bars, Alkohol und Prostitution durchzuschlagen. Hilfsorganisationen beobachten die Entwicklung im Land mit Sorge, seit der Ebola-Epidemie 2016 sei die Zahl der sehr jungen Prostituierten stark gestiegen. Sierra Leon ist arm, 80 Prozent haben weniger als 2 Euro am Tag. Die jungen Mädchen ziehen in die Bergbaustädte und bieten sich dort den ausländischen Arbeitern an.

In Freetown, der Hauptstadt, stellen Mädchen sich nachts auf der Straße zur Schau, um Männer anzulocken. Fatmata Kanu (18 Jahre) und Mariama Fofonah (20 Jahre) arbeiten auf den Straßen von Freetown, sie erzählten der "BBC" ihre Geschichten. Das Kamerateam zeigt ungeschönt, wie sich die beiden Frauen vorbereiten, sich schminken und mit Perlen verschmückte Kleidung anziehen. Die Frauen sprechen schonungslos über ihre Erlebnisse aus Demütigung, Gewalt Verzweiflung. Dabei verzichten die BBC-Reporter auf Einordnung oder einen Erzähler - sie geben den Frauen Raum, um zu berichten.

Hier lesen Sie die Übersetzung.

Ich habe nichts zu essen, wenn ich keine Männer auf der Straße finde, die sagen, dass sie mich haben wollen.

Dann nehmen sie mich mit in ihre Häuser, sie wollen den ganzen Tag über Sex.

Dafür geben sie mir 5000 Leones (50 Cent).

Ich war 14 Jahre alt, als ich auf die Straße ging.

Unsere Mutter entschied, uns rauszuwerfen, weil sie es sich nicht mehr leisten konnte, für uns zu sorgen.

Sie hat immer gesagt, dass wir Bastarde sind.

****

Reporter: Willst du deine Blutergüsse und Schramme überdecken.

Ja. Sie werden schon besser. Besser. Das letzte Mal als ich mit einem Typen zusammen war. Da haben wir verhandelt über "flesh to flesh" (ungeschützten Sex).

Nachdem wir Sex hatten, hat er sich geweigert, mir mein Geld zu geben.

Er lief weg – mit meinem Geld, für das ich gearbeitet hatte und dazu nahm er auch noch mein Handy.

Ich habe versucht, mit ihm zu kämpfen.

Darum hat er mich geschlagen, ins Gesicht, auf den Körper.

Er hat mich geschlagen und lief dann weg.

****

Ich habe versucht, mit den Männern zu reden, die ich auf der Straße traf und ihnen zu sagen, dass ich mein Leben ändern will.

Ich sagte ihnen, ich will nicht mehr auf der Straße leben und fragte sie, ob sie mir helfen können. Und Geld geben, damit ich zur Schule gehen kann.

Einer von den Männern, der gesagt hatte, dass er für mich sorgen würde, hat angefangen, mich zu schlagen.

****

Wenn meine Mutter nicht an Ebola gestorben wäre, würde ich das hier nicht tun.

Am Ende konnte sie nichts mehr machen, nicht einmal sprechen.

Sie konnte nicht sprechen und niemand konnte sie verstehen.

****

Das ist Mascara, ich mache die Augen neu.

Ich bin nicht nervös.

Wir sind daran gewöhnt,

Wir sind an diese Arbeit gewöhnt.

Manche Männer sehen dich dann an, sie sagen "Oh dieses Baby sieht so niedlich aus, sie sieht so süß aus. Baby, bitte, komm her und lass uns etwas Zeit miteinander verbringen.

Reporter: Wie viel Kunden brauchst du, um glücklich zu sein?

Sieben, bis acht Kunden. In einer Nacht.

Manchmal mache ich es in zwei Minuten – für 5000 Leones (50 Cent).

Der Fleisch-Preis ist 50.000 Leones (5 Euro).

Kondome kosten 25.000 (2,50 Euro).

****

Ich habe einen Mann getroffen, aber er hatte Tripper.

Manche Männer sind krank, manche Männer haben ansteckende Krankheiten.

Ich habe zwei jüngere Geschwister. Ich bin diejenige, die sich um sie kümmert.

Wenn ich raus gehe und dort Geld finde.

Ich bin die, die das Schulgeld für sie bezahlt.

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Manche Menschen sagen viele Sachen über uns.

Ich weiß nur: Ich mache das nicht, weil ich es mir wünsche.

Ich möchte mein Leben ändern und Krankenschwester werden.

Das ist mein Traum, seitdem ich ein kleines Mädchen war.

****

Wenn es nach mir geht, dann möchte ich, dass du mich mitnimmst. Mir etwas beibringst.

Ja, ich will dahin mitkommen, wo du hingehst.

Ich will die andere Seite des Lebens sehen.

Ja, ich will so sein wie du.

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