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Sabbatjahr: Die große Freiheit

Eine Auszeit vom Job - davon träumen viele, die wenigsten trauen sich. Zu Unrecht.

Gott war ein guter Manager: "Sechs Jahre sollst du dein Feld besäen", ließ er seinem Volk über Moses ausrichten, "aber im siebenten Jahr soll das Land dem Herrn einen feierlichen Sabbat halten" (3. Mose, 25).

Sabbatjahre tun eben gut, nicht nur dem ausgelaugten Ackerboden, sondern auch dem stressgeplagten Menschen. Der eine will auf Weltreise gehen, der andere seine Doktorarbeit schreiben. Egal, wie die Motive sind: Das "Flexi-Gesetz" (Gesetz zur sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitszeiten) von 1998 kann es dem Arbeitnehmer leichter machen, ein Sabbatjahr zu nehmen. Voraussetzung: Der Ausstieg auf Zeit wird zuvor durch Mehrarbeit oder Gehaltsverzicht auf einem Arbeitszeitkonto angespart. Man erhält dann weiter einen Teil seines Lohns, das Beschäftigungsverhältnis und damit auch die Kranken- und Sozialversicherungen laufen weiter. Beamte praktizieren dieses Ansparmodell schon länger. So kann ein segelbegeisterter Lehrer fünf Jahre voll arbeiten und erhält in dieser Zeit 80 Prozent seiner Dienstbezüge; im sechsten Jahr überquert er den Atlantik. Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie die Altersversorgung verringern sich entsprechend. Auch Großunternehmen wie BMW oder Hewlett Packard bieten angesparte Sabbaticals an.

Die Alternative dazu lautet Kündigung oder unbezahlter Urlaub. Problem: Man muss sich selbst krankenversichern, und die Beiträge zur Sozialversicherung ruhen. Allerdings lassen sich die Verluste, die durch Sabbatjahre entstehen, laut Auskunft des Hamburger Rentenberaters Bertold Schulz verkraften: "Wer zum Beispiel Teilzeit arbeitet und 1.200 Euro brutto im Monat verdient, verliert durch ein Sabbatjahr knapp 13 Euro an monatlicher Rente, ein Durchschnittsverdiener mit 2.436 Euro im Monat etwa 26 Euro und ein Besserverdiener mit 5.100 Euro rund 64 Euro." Kein echter Grund also, die Reise nicht anzutreten.

Wie sag ich’s meinem Chef?

Auszeit trotz Wirtschaftskrise? Was Sie beachten sollten, bevor Sie zu Ihrem Vorgesetzten gehen - und wie Sie’s finanzieren.

Ist es nicht beruflicher Selbstmord, ausgerechnet in der Wirtschaftskrise ein Sabbatical zu machen?

"Nein", sagt der Unternehmens- und Personalberater Peter Hannemann. "Ich kenne kein Unternehmen, das Sabbaticals anbietet, um Leute wegzudrücken." Im Gegenteil: Firmen wie Siemens nutzen Kurz-Sabbaticals, gerade weil man mit ihnen Personalkosten senken kann, ohne den Leuten kündigen zu müssen. Letztlich ist ein Sabbatical auch eine Sache des Vertrauens zwischen Chef und Mitarbeiter.

Wie sag ich’s meinem Chef?

Benutzen Sie nie das Wort "Aussteigen". Bieten Sie Ihrem Chef konkrete Lösungen an, wer während Ihrer Abwesenheit Ihren Job erledigen soll; reden Sie mit ihm, nachdem Sie gerade ein Projekt erfolgreich abgeschlossen oder besonders viel geleistet haben; machen Sie ihm die Vorteile klar, die er von Ihrer Auszeit hat: Sie werden sich weiterbilden und den Akku aufladen. Erklären Sie Ihrem Chef, wie Sie in Ihrem Job auf dem Laufenden bleiben und sich nachher wieder eingliedern wollen.

Wie finanziere ich das Sabbatical?

Nur die wenigsten sparen Arbeitszeit an, sodass sie während der Auszeit einen Teil des Lohns weiter erhalten. Die meisten müssen schlichtweg vom Ersparten leben. Deshalb: Beginnen Sie, Geld auf die Seite zu legen, sobald Sie von dem Gedanken an ein Sabbatical nicht mehr loskommen. Machen Sie eine Aufstellung über Ihre laufenden Kosten, überlegen Sie, worauf Sie verzichten können, welche Versicherungen, Vereinsmitgliedschaften und so weiter wirklich sein müssen. Sie werden staunen, wie wenig es sind.

Steuertipp

Sinnvoll ist es, das Sabbatjahr von Juli bis Juli zu legen. Steuern werden immer auf das ganze Jahr berechnet und sind entsprechend niedriger, wenn jeweils nur ein halbes Jahreseinkommen angesetzt wird.

Krankenversicherung

Wer für ein Jahr ins Ausland geht, muss sich auf jeden Fall privat krankenversichern. Ein Preisvergleich unter den Anbietern lohnt sich - die Policen für zwölfmonatige Versicherungen schwanken zwischen knapp 400 Euro (Axa) und über 1.000 Euro (Barmenia, Continentale). Eine Liste mit Anbietern privater Krankenversicherungen gibt es im Internet.

Buchtipps

Anke Richter: "Aussteigen auf Zeit. Das Sabbatical-Handbuch", vgs, 156 Seiten, 10,90 Euro.
Heike Reuther: "Berufliche Auszeit", Gräfe und Unzer, 128 Seiten, 12,90 Euro.

Doris Schneyink
Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.