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Service: Mini-Jobs oder Maxi-Ärger

Putzen, streichen, babysitten: Wie streng wird kontrolliert? Welche Strafen drohen? Wie geht's legal? 15 Tipps für alle, die was zu regeln haben.

Was ist häusliche Schwarzarbeit?

Darunter fallen alle bezahlten Handwerksarbeiten oder Dienstleistungen im Haushalt, für die keine Beiträge an die Steuer- und Sozialkassen geleistet werden. Wer eine Putzhilfe oder ein Kindermädchen nicht angemeldet beschäftigt, muss auch bisher schon mit Strafen rechnen. Ebenso, wer sich ohne Rechnung die Wände streichen oder die Waschmaschine reparieren lässt.

Sind Freundschaftsdienste verboten?

Nein, aber der Grat zwischen Schwarzarbeit und zulässiger Nachbarschaftshilfe ist schmal. Gelegentliche gegenseitige Hilfe, etwa das Rasenmähen, und kleine handwerkliche Gefälligkeiten unter Freunden und Bekannten sind erlaubt. Voraussetzung: Die Arbeit darf nicht bezahlt, sondern nur durch eine Aufmerksamkeit belohnt werden - zum Beispiel einen Blumenstrauß oder Pralinen. Für die Hilfe auf dem Bau gilt: Innerhalb einer Woche müssen alle mitarbeitenden Personen bei der Bau-Berufsgenossenschaft angemeldet und versichert werden. Die Beiträge liegen zwischen 1,45 und 1,91 Euro pro Mann und Arbeitsstunde. Diese Meldepflicht entfällt nur bei unentgeltlichen Arbeiten von Verwandten oder wenn alle Helfer zusammen nicht mehr als 39 Stunden schuften.

Ist es Schwarzarbeit, wenn die ältere Dame dem Nachbarsmädchen ab und zu zehn Euro fürs Einkaufen gibt?

Nein. Statt kleiner Aufmerksamkeiten können auch vergleichbare Trinkgelder gezahlt werden. Das Gleiche gilt bei gelegentlichem Babysitten. Die Grenze ist nicht leicht zu ziehen. Klar ist: Sowie es sich um eine regelmäßige Beschäftigung mit fester Bezahlung handelt, muss der Job angemeldet werden.

Wie streng wird künftig kontrolliert, und welche Strafen drohen?

Das Finanzministerium will mit 7000 Beamten an 113 Standorten gegen Schwarzarbeiter vorgehen. Das zielt zwar in erster Linie auf Unternehmen, doch wird auch häusliche Schwarzarbeit verstärkt verfolgt. Ausnahme: Nichtregelmäßige Tätigkeiten wie Babysitten bleiben außen vor. Wer dabei erwischt wird, in seiner Wohnung eine Putzfrau oder einen Maler schwarz zu beschäftigen, muss mit Geldstrafen rechnen. Einen Bußgeldkatalog wie im Straßenverkehr gibt es aber auch künftig nicht. Grobe Schätzungen gehen davon aus, dass Strafen von mehreren hundert bis zu einigen tausend Euro verhängt werden könnten. Zusätzlich müssen ertappte Arbeitgeber und -nehmer mit Nachzahlungen an nicht geleisteten Sozialabgaben und Steuern rechnen. Nur für die geplante Regelung, dass für häusliche Aufträge Rechnungen erstellt und zwei Jahre aufbewahrt werden müssen, gibt es klare Strafen: Kann keine Rechnung präsentiert werden, drohen bis zu 1.500 Euro.

Dürfen sich Kontrolleure in der Wohnung umsehen?

Nein, die häuslichen vier Wände sind geschützt. Erlaubt ist es aber, den Gärtner zu fragen, ob sein Schaffen angemeldet ist.

Wie kann die Hilfskraft legal beschäftigt werden?

Es gibt zwei Wege: als Mini-Job oder als reguläre Festanstellung. Für eine Putzfrau, die einmal die Woche drei Stunden kommt, lohnt die reguläre Festanstellung allerdings kaum. Es werden die vollen Sozialabgaben von über 40 Prozent je zur Hälfte von Arbeitnehmer und Arbeitgeber fällig. Außerdem müssen Sie als Chef für die Abführung von Lohnsteuer und Sozialabgaben sorgen. Von den Kosten können zwölf Prozent im Jahr, maximal 2.400 Euro, steuermindernd geltend gemacht werden. Mini-Jobs sind wesentlich unbürokratischer und steuerlich attraktiver, funktionieren aber nur bei geringfügiger Beschäftigung. In Betracht kommen Dienstleistungen, die normalerweise Familienmitglieder ausführen, also putzen, einkaufen, kochen, Kinder betreuen oder gärtnern. Und der Mini-Jobber darf nicht mehr als 400 Euro im Monat verdienen - wobei dies auch ein Nebenjob zusätzlich zu einer anderen Hauptbeschäftigung sein kann - oder nur kurzfristig beschäftigt sein, also höchstens zwei Monate oder 50 Arbeitstage pro Kalenderjahr arbeiten.

Können auch Ausländer als Mini-Jobber angemeldet werden?

Sofern sie aus EU-Ländern stammen, ja. Sonst nicht ohne weiteres. Mini-Jobber benötigen eine Arbeitserlaubnis. Ausländer, die sich mit einem Touristenvisum in Deutschland aufhalten, kommen nicht in- frage. Das gilt auch für Polen, Tschechen oder Letten. Sie gehören zwar von Mai an zur EU, bekommen aber wegen einer mehrjährigen Übergangsregelung nur in Sonderfällen eine Arbeitsgenehmigung.

Können Sozialhilfeempfänger und Arbeitslose einen Mini-Job annehmen?

Ja, aber sie müssen die Tätigkeit beim Amt melden. Für Sozialhilfeempfänger heißt das, dass derzeit noch alle Einkünfte berücksichtigt werden und es zur Kürzung der Sozialhilfe kommen kann. Von 2005 an dürfen von bis zu 400 Euro 15 Prozent behalten werden. Arbeitslose haben dagegen eine Freigrenze von 165 Euro, alles, was sie darüber hinaus verdienen, wird verrechnet. Zudem dürfen sie nur weniger als 15 Stunden die Woche arbeiten, sonst verlieren sie ihren Arbeitslosenstatus.

Wo finde ich legale Mini-Jobber?

Inserieren Sie im Stellenteil der Lokalzeitung oder des Wochenblättchens, und weisen Sie ausdrücklich auf eine Beschäftigung mit Anmeldung hin. Auch das Arbeitsamt kann helfen. Oder suchen Sie im Internet unter dem Stichwort Haushaltsservice.

Darf meine Putzfrau oder mein Kindermädchen mehrere Mini-Jobs gleichzeitig ausüben?

Ja, aber sie darf mit allen MiniJobs zusammen nicht mehr als 400 Euro im Monat verdienen. Lassen Sie sich darüber eine schriftliche Versicherung von Ihrer Hilfe geben. Zudem werden in der Minijobzentrale alle Anmeldungen überprüft. Überschreitet ein Mini-Jobber die 400 Euro-Grenze, werden alle Arbeitgeber informiert und müssen entweder die Person regulär anstellen oder die Bezahlung reduzieren.

Muss ich einem Mini-Jobber Krankengeld zahlen?

Ja, Mini-Jobber haben wie reguläre Arbeitnehmer Anspruch auf bezahlten Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall - maximal sechs Wochen. Vor horrenden Kosten braucht sich aber kein Arbeitgeber zu fürchten. Die Krankenkosten bekommt er zu 70 Prozent von der Minijobzentrale erstattet. Bei einer Schwangerschaft zahlt die Bundesknappschaft sogar 100 Prozent des Arbeitgeberanteils am Mutterschaftsgeld.

Kann ich meinem Mini-Jobber von heute auf morgen kündigen?

Nein, es gelten die üblichen gesetzlichen Fristen: vier Wochen zum Monatsende oder zum 15. eines Monats, wenn keine anderen Regelungen im Arbeitsvertrag getroffen wurden. Die Kündigung muss schriftlich erfolgen.

Bin ich bei einer legalen Haushaltshilfe gegen Diebstahl versichert?

Nein. Hat die Putzfrau, egal ob legal oder illegal beschäftigt, in der Wohnung geklaut, ist das kein Fall für die Hausratsversicherung, weil es kein Einbruchsdiebstahl ist.

Bleiben Tauschringe legal?

In der Regel ja, sofern es sich nicht um die pure Umgehung der Gesetze handelt. In Hunderten von Tauschringen werden in Deutschland Dienstleistungen und menschliche Arbeit gegeneinander getauscht. Die Mitglieder lassen sich nicht mit Geld bezahlen, sondern mit Gegenleistungen: Backst du mir, so mäh ich dir! Für fast alle großen Städte gibt es Internetseiten, auf denen von der Badezimmerrenovierung bis zur Nachhilfe Dienstleistungen entweder im direkten Tausch oder über eine Kunstwährung kompensiert werden - brutto für netto. Weitere Informationen finden Interessierte auf den Seiten von tauschring.de.

Die Putzfrau als Minijobberin - wie funktioniert das?

1. Das Anmeldeformular, den so genannten Haushaltsscheck, bei der Minijobzentrale, der Bundesknappschaft, (kostenlose Servicenummer 0800/0200504) anfordern oder unter minijobzentrale.de herunterladen.
2. Das Formular zusammen mit dem Angestellten ausfüllen, gemeinsam unterschreiben und zurückschicken.
Das Feld "Betriebsnummer" können Sie freilassen, es wird von der Behörde ausgefüllt. Ebenso, wenn nicht bekannt: die Sozialversicherungsnummer der Beschäftigten. Wichtig: Der Arbeitgeber muss der Bundesknappschaft eine Einzugsermächtigung über die fälligen Abgaben erteilen, die automatisch und rückwirkend immer am 15. Juli und 15. Januar eingezogen werden. Angst vor Rückfragen oder Nachzahlungen brauchen Sie nicht zu haben: Ob Sie vorher schon schwarzgearbeitet haben oder haben lassen, wird nicht überprüft.
3. Die Hilfskraft bei der Unfallversicherung anmelden. Beim Bundesverband der Unfallkassen in München (Telefon: 089 / 622720 oder unfallkassen.de) erfahren Sie die zuständige örtliche Unfallkasse. Für eine Putzfrau, die ein- bis zweimal wöchentlich bei Ihnen arbeitet, kostet die Versicherung 25 bis 50 Euro im Jahr. Dafür ist sie im Haushalt und auf dem Weg zu Ihnen versichert. Die Unfallkassen fragen übrigens nicht nach, ob das Beschäftigungsverhältnis legal oder schwarz besteht - es empfiehlt sich also in jedem Fall.
4. In der Steuererklärung alle Ausgaben für den Mini-Job steuerlich geltend machen. Das Finanzamt zahlt zehn Prozent der Ausgaben, höchstens 510 Euro zurück.

Silke Gronwald / print