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US-Studie: Das Heiratsparadox: Warum Frauen Karriere machen - und trotzdem nicht mehr Geld haben

Früher gelang Frauen sozialer Aufstieg vor allem durch Heirat, heute verdienen sie selbst gutes Geld. Doch unterm Strich nutzt die Entwicklung finanziell vor allem den Männern, erklären US-Soziologen anhand einer Studie zu Bildung und Heiratsverhalten

Frauen und Männer sind heute karrieretechnisch oft auf Augenhöhe

Frauen und Männer sind heute karrieretechnisch oft auf Augenhöhe

Auf dem Arbeitsmarkt haben Frauen in den vergangenen Jahrzehnten gegenüber Männern mächtig aufgeholt. Die klassische Hausfrauenehe gilt in vielen westlichen Volkswirtschaften als Auslaufmodell, in Deutschland etwa sind Frauen laut OECD-Studie sogar besser ausgebildet als Männer. Allerdings: Bei der Bezahlung liegen sie weiterhin hinten. Wieviel vom sogenannten Gender Pay Gap tatsächliche Diskriminierung ist und was auf andere Faktoren zurückgeht, ist zwar umstritten. Fakt ist aber, dass Frauen im Schnitt aus ihrer guten Ausbildung weniger ökonomisches Kapital schlagen als Männer.

Eine US-Studie, die im Journal "Demography" erschien und über die CNN berichtet, legt nun das Augenmerk auf einen weiteren Aspekt, der diesen ökonomischen Nachteil noch verstärkt. Laut der soziologischen Studie der Universität Kansas zahlt sich der Bildungsaufstieg für Frauen nämlich noch aus einem ganz anderen Grund weniger aus, als man gemeinhin denken könnte: dem veränderten Heiratsverhalten. Die Forscher argumentieren, dass der Lebensstandard nicht vom individuellen Gehalt bestimmt wird, sondern vom Haushaltseinkommen insgesamt. War es früher üblich, dass Frauen einen besser ausgebildeten und besser verdienenden Mann heirateten ("Marrying-up"), so fällt dieser Effekt zunehmend weg. "Das Heiratsverhalten und die ökonomischen Konsequenzen haben sich mit der Zeit verändert", sagt Soziologie-Professor Chang Hwan Kim.

Gewinner auf dem Arbeitsmarkt, Verlierer auf dem Heiratsmarkt

Um dies herauszuarbeiten, mussten die Forscher gar nicht bis in die 50er Jahre zurückgehen. Sie analysierten die Daten von 35- bis 44-jährigen Amerikanern aus dem US-Zensus von 1990 bis 2000 und verglichen diese mit Daten aus den Jahren 2009 bis 2011. Es zeigte sich, dass sich der "total financial return", also der finanzielle Ertrag, der sich aus einem bestimmten Ausbildungsniveau ergibt, für die Frauen schlechter entwickelte als für die Männer.

Zwar stieg der persönliche Verdienst der Frauen im Untersuchungszeitraum stärker als der der Männer. Gleichzeitig mussten sich aber immer mehr Frauen mit einem Partner zufrieden geben, der schlechter ausgebildet ist und weniger verdient als sie selbst. Ökonomisch ausgedrückt: Die Frauen erzielen zwar heute auf dem Arbeitsmarkt höhere Erträge, auf dem Heiratsmarkt aber geringere.

Profiteure in dieser Betrachtung sind die Männer: Sie können mit dem gleichen Ausbildungsniveau heute einen höheren Lebensstandard erreichen als früher, weil die Frau mehr Geld zum Haushaltsbudget beisteuert. "Die Männer ziehen den Nutzen aus dem Erfolg der Frauen", sagt Studienautor Kim. "Marrying up" sei für Männer leichter geworden.

Aus dem Befund der Studie sollte man allerdings keinesfalls ableiten, dass sich Frauen eine Karriere aus finanzieller Sicht lieber sparen sollten. Denn schlecht ausgebildete Frauen haben auch höhere Chancen einen schlecht ausgebildeten Partner zu finden. Der allgemeine Trend geht nämlich - auch in Deutschland - dahin, jemanden aus der eigenen ökonomischen Schicht zu heiraten. Und weil sich Bildungsniveaus und Gehälter zwischen den Geschlechtern angleichen, lösen sich eben auch viele klassische Rollenbilder auf. Und dies, findet auch Studienautor Kim, sei im Sinne der Gleichberechtigung "ein wirklich gutes Zeichen".