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Studie zu Millennials: Junge Männer verdienen weniger als ihre Eltern - weil sie in Frauenjobs landen

Die Millennials sind die erste Generation, die weniger verdienen als ihre Eltern. Vor allem Männer gehören zu den Verlierern, wie eine britische Studie zeigt. Sie nehmen vermehrt schlechtbezahlte Jobs an, die früher Frauen übernahmen.

In der Gastronomie sind die wenigsten Jobs gut bezahlt

In der Gastronomie sind die wenigsten Jobs gut bezahlt

Seit dem zweiten Weltkrieg galt in westlichen Industrieländern das ungeschriebene Gesetz, dass es die Kinder einmal besser haben werden als die Eltern. Stabile wirtschaftliche Verhältnisse sorgten für stetiges Wachstum und steigenden Wohlstand. Doch damit ist es vorbei, wie die Studie eines britischen Thinktanks, das zur Generationengerechtigkeit forscht, exemplarisch für Großbritannien zeigt.

"Der lange verbreitete Glaube, dass jede Generation es besser hat als die vorherige, ist bedroht. Die Millennials von heute sind die ersten, die weniger verdienen als ihre Vorgänger", sagt Torsten Bell, Director von"Resolution Foundation" dem "Guardian".  Bells Organisation hat den wirtschaftlichen Erfolg der Generation Y - definiert als die Jahrgänge 1981 bis 2000 - mit denen der Generation X - die Jahrgänge 1966 bis 1980 - verglichen.

Vor allem junge gehören demnach zu den Verlierern, während sich Frauen wesentlich besser schlagen. Den Daten zufolge verdienen die Y-Männer in der Altersspanne von 22 bis 30 inflationsbereinigt insgesamt 12.500 Pfund (rund 14.700 Euro) weniger als die vorherige Generation. Die weiblichen Millennials dagegen halten das (allerdings auch niedrigere) Niveau der vorherigen Generation.

Die Frauen passen sich besser an

Der finanzielle Abstieg der Männer lässt sich laut Bell nur zum Teil durch die Finanzkrise erklären, die der jungen Generation insgesamt den Jobeinstieg erschwerte. Darüberhinaus sorgten tiefere ökonomische Kräfte dafür, dass insbesondere die Männer zurückfielen. So hätten sich Frauen in den vergangenen 25 Jahren wesentlich besser an die veränderten Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt angepasst, die durch die Automatisierung entstanden sind - und so einen vergleichbaren Absturz verhindert.

Während viele Frauen auf das Wegfallen einfacher Bürojobs mit dem Streben in höherqualifizierte Berufe reagiert hätten, landeten viele Männer heute statt in gut bezahlten Fertigungsjobs im Niedriglohnsektor. Die Daten zeigten, dass der Anteil schlecht bezahlter Arbeit, die von jungen Männern erledigt wird, zwischen 1993 und 2015/2016 um 45 Prozent gestiegen sei.

Mehr Männer in Einzelhandel und Gastronomie

Ob bewusst oder aus der Not heraus - immer mehr Männer landen in schlechter bezahlten Jobs, die traditionell von Frauen besetzt waren. Im britischen etwa sind die Frauen zwar noch in der Überzahl, doch die Zahl der jungen Frauen in Verkäuferjobs sinkt. Die Zahl der jungen Männer im Einzelhandel dagegen stieg seit 1993 von 85.000 auf 165.000. Auch in Bars und Restaurants arbeiteten Anfang der 90er lediglich 45.000 junge Männer, mittlerweile sind es 130.000 männliche Servicekräfte.

Verstärkt werden die Gehaltseinbußen der Männer dadurch, dass sie mehr Teilzeit arbeiten als früher. Die Zahl der 22-35-jährigen Männer, die in Niedriglohnjobs wie Verwaltung, Service und Verkauf Teilzeit arbeiten, habe sich seit 1993 vervierfacht. Bei den Frauen ist die Zahl der Teilzeitkräfte in diesen Berufen dagegen gesunken, wie aus den Daten der Resolution Foundation hervorgeht.

Unterm Strich verdienen Männer zwar noch immer mehr, doch die Schere schließt sich. Nur leider dadurch, dass die Männer abrutschen und nicht, dass die Frauen aufsteigen. So sehr der relative Aufstieg der Frauen zu begrüßen sei, so müsse die Politik doch auch Antworten für die Arbeitergruppen finden, die sich zunehmend abgehängt fühlen, sagt Torsten Bell. Was aus dem daraus resultierenden Frust entstehen kann, hätten die politischen Ereignisse des vergangenen Jahres nur allzu deutlich gezeigt.

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