Studie Frauen in Führungspositionen Mangelware


Ausgebremst: Frauen in Chefetagen sind immer noch eine Seltenheit. Besonders in Deutschland gibt es laut einer aktuellen Studie kaum weibliche Führungskräfte.

Bis zur Gleichstellung der Frau im Berufsleben ist es noch ein weiter Weg, denn Frauen in Führungspositionen sind in Deutschland nach wie vor Mangelware. Nur 17 Prozent der deutschen Arbeitnehmer haben bereits Erfahrungen mit weiblichen Führungskräften gemacht. Im direkten Vergleich mit anderen europäischen Ländern schneidet Deutschland damit am schlechtesten ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage der europäischen Jobbörse StepStone unter mehr als 2.100 Jobsuchenden in sieben Ländern Europas.

Nur 28 Prozent der europäischen Befragten geben an, Frauen in Managementpositionen seien etwas völlig Normales. Weitere 53 Prozent haben zwar schon einmal unter einem weiblichen Chef gearbeitet, sind aber dennoch der Meinung, dass Frauen auf der Führungsebene deutlich unterrepräsentiert sind. Und für knapp jeden Fünften existieren weibliche Manager faktisch nicht.

Karriere und Familie - unvereinbar?

Pia Palmu, Leiterin Personalmarketing bei IKEA Deutschland, hat eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen: "Es ist heute leider in vielen Unternehmen immer noch oft der Fall, dass Frauen in ihren Einstiegspositionen verharren müssen, weil sie beruflichen Aufstieg und Familienplanung nicht vereinbaren können. In der Regel sind die Führungspositionen von heute immer noch ganz auf Männer zugeschnitten."

Und selbst für die nordischen Länder, in denen die Quote erwerbstätiger Frauen im internationalen Vergleich mit an der Spitze liegt, sind Frauen in Führungspositionen noch nicht Regel: Nur 40 Prozent der norwegischen und 32 Prozent der dänischen Befragten und gerade einmal 18 Prozent der schwedischen Befragten geben an, Frauen im Management seien etwas Alltägliches.

Vorbild Finnland

Ein Ergebnis, das auch die gebürtige Finnin Pia Palmu überrascht: "In den skandinavischen Ländern ist es eigentlich viel leichter für die Frauen, Kind und Karriere zu verbinden. Jede Frau hat von Anfang an einen Anspruch auf einen Kinderhort- und später Kindergartenplatz. Die Kinder werden dort auf Wunsch ganztägig betreut und somit ist es für jede Frau möglich, berufstätig zu sein."

Neben der gesetzlichen Regelung spielt aber auch ein gesellschaftlicher Faktor eine Rolle: "Es ist in der Gesellschaft nicht nur akzeptiert, sondern üblich, als Frau beschäftigt zu sein. Frauen, die "nur" zu Hause sind, werden oft erstaunt angesehen. Gerade aufgrund dieser Tatsache gibt es zumindest in Finnland auch viel mehr weibliche Führungskräfte. Aber Finnland scheint seinen skandinavischen Nachbarn noch ein ganzes Stück voraus zu sein", erklärt Palmu.


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